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Gänsehaut bei Schweinelendchen
22.04.2012 - 19:27 von Lembecker de


Lembeck. „Treten Sie ein meine Damen und Herren, der Lord freut sich auf Sie“, begrüßt Butler Jonathan Smith seine Gäste zu einem mörderischen Abend.

Gekonnt und galant begleitet der im feinen Frack gekleidete Jonathan seine Gäste zu den festlich gedeckten Tischplätzen. „So schaffen wir eine persönliche und intime Atmosphäre, dieses Motiv zieht sich auch durch den gesamten Abend“ erklärt Andreas Zigann. Der, wenn er nicht gerade selbst in die Rolle des Butlers Jonathan Smith schlüpft, Regisseur und Produzent des Tatort-Dinners im Stil von Edgar Wallace ist.

Gefolgt sind der Einladung des Lord Moad rund 90 hungrige Krimifans. Für einen gelungenen Start in den Abend wartet am festlich gedeckten Platz schon der „Gärtnerdrink“ auf die Dinner-Gäste. „Dieser Drink ist ein fester Bestandteil eines jeden Tatort-Dinners, ohne ihn geht es nicht“, sagt Zigann. Der Aperitif verrät es schon: An diesem Abend soll es nicht nur bei einem vier Gänge Menü aus cremiger Lachs-Mascarpone auf Salatbett, würziger Brokkoli-Suppe, zarten Schweinelendchen und Karamellcreme bleiben. Die Dinner-Gäste werden nämlich Zeugen eines handfesten Tötungsdeliktes. An dieser Stelle schaltet sich Scotland Yard ins Geschehen ein, und die Zuschauer befinden sich, als stille Beobachter oder Mitwisser, mitten in den Ermittlungen.

Ein sechsköpfiges Theater-Ensemble macht das Kellergewölbe der Merveldt-Galerie zur Bühne. Eine richtige Bühne gibt es offiziell nämlich gar nicht. Für Maria Liethegener in der Rolle der Lady, Sebastian Coors als Vertreter von Scotland Yard und Michael Morgenstern vom Landestheater Castrop Rauxel, scheint gerade das den Reiz auszumachen. So sitzt an diesem Abend jeder der Gäste auf einem Logenplatz, ganz nah am Geschehen.

Dass das Schauspiel direkt im Publikum verläuft, freut vor allem die männlichen Dinner-Gäste. Denn bei den Darbietungen der Sängerin Katharina Leisinger wird ordentlich geflirtet. Die Herren spielen pflichtbewusst mit und antworten still mit hochroten Köpfen.

Ein bis zwei Rollen werden bei jeder Aufführung auch unter den Gästen verteilt. „Die Auserwählten weisen wir natürlich vor Beginn noch entsprechend ein“, erklärt Zigann. Einen ungeschulten Gast in ein Drehbuch einzubauen, erscheint dem normalen Theaterfreund als unberechenbares Risiko. Das Krimi-Ensemble schätzt die frischen Impulse aus dem Publikum, die fast immer totsichere Lacher versprechen. Was nach einem Improvisationstheater klingt, ist jedoch minuziös durchgeplant. Das Auftragen eines Ganges wird am Piano von Florian Caspar Seibel begleitet. „Während des Essens herrscht Spielpause. Der Lord ist schließlich auch ein Feinschmecker und die Gäste sollen die Gerichte genießen können. Erst nach dem Abräumen geht es mit dem Schauspiel weiter“, beschreibt Zigann das Konzept des Dinners.

Inga Nottelmanns Fabel für Krimis brachte das Ensemble ins Schloss. „Nicht alles würde in Schloss Lembeck passen, schließlich haben wir eine westfälische Identität, die wir auch bewahren wollen. Das Tatort-Dinner passt aber perfekt in die Galerie“, erklärt die Pächterin. „Schloss Lembeck ist eine sehr passende Lokation für unser Tatort-Dinner. Wir nutzen Spielorte, die hochwertig in der Gastronomie, im Service und beeindruckend von der Kulisse sind. Das alles haben wir hier in Lembeck“, lobt Andreas Zigann. Bis auf den letzten Platz sind die festlich gedeckten Plätze in der Merveldt-Galerie besetzt. „Dieses edle, fast britische Flair, das die Merveldt-Galerie ausstrahlt, ist wie gemacht für einen Krimi nach Edgar Wallace“, so Zigann.

Quelle: WAZ / Der Westen (Carola Steentjes)
Foto: Archiv Lembecker.de

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