Jugendkomitee Lembeck

Er hat es gar nicht so leicht, der junge Mensch heute, seinem persönlichen Weg in seine Zukunft zwischen Tradition und Fortschritt zu finden. Dazu braucht er die Familie, Freunde, Berater, Interessengruppen, die Ausbildung, den Beruf, Treffpunkte. In der Freizeit bevorzugt der eine den Verein, der andere die Straßentreffs, der nächste den Fernseher oder Computer.

Der eine fühlt sich in einer festen Gruppe wohl, der andere liebt mehr den zwanglosen Treff. Und doch bevorzugt jeder den Interessenaustausch mit anderen Jugendlichen, um seine eigene Freizeit innovativ zu gestalten.

Das Jugendkomitee - Teil der kirchlichen Jugendarbeit Lembeck

Zunächst einmal möchten wir an dieser Stelle die Gelegenheit nutzen, Herrn Josef Breuer für seinen unermüdlichen Einsatz, von den Gründungsjahren bis Heute, für seine herausragen Leistungen zur pädagogischen Jugendarbeit in selbstloser Form zu danken.
In vielen Sitzungen und Freizeitaktionen des Jugendkomitees, selbst an Samstagabenden zur “Chiledisco”, zu einer Zeit an der andere Eltern zur Tagesschau vor dem heimischen Fernseher verweilen, war er oft an der Seite von Jutta Kleine Vorholt mit Rat und Tat für alle Jugendlichen zur Stelle.
Das war mit Sicherheit nicht immer einfach, doch wer Herr Breuer kennt, kann sich sicherlich vorstellen, mit welcher gelungenen Kombination aus: Pädagoge, Jugendamtsleiter, Vater, Freund, Kritiker (wenn auch selten), Organisator, Pressesprecher, Promotor und Aufsichtsperson er jeder Situation gewachsen war und ist. Dieses selbstlose Engagement, das er vielen Vereinen und Projekten opferte, prädestinierte ihn in den 90er Jahren zum wohlverdienten Erhalt des Bundesverdienstkreuzes. Auch jetzt ist er wieder im Förderverein des neuen Seniorenzentrums tätig.

Das Jugendkomitee ist nun seit über 40 Jahren eine Möglichkeit kirchlicher Jugendarbeit der Pfarrgemeinde St. Laurentius Lembeck.

Bereits im Jahre 1967 setzten sich aufgeschlossene Frauen und Männer für eine lebendige Pfarrgemeinde ein, die den priesterlichen Dienst unterstützen und ergänzen wollten. Ein “Pfarrkomitee” wurde gegründet. Sein Arbeitskreis Jugend und Familie startete u.a. eine Fragebogenaktion. Zu den wichtigen Ergebnissen dieser Aktion gehörte die Herausgabe von “Aktuell” und die Entwicklung ergänzender Angebote der Jugendarbeit neben der anerkannten Jugendarbeit von Kolping, Landjugend, Messdienern.

Im Oktober 1968 wendet sich eine Jugendinitiative an das Pfarrkomitee und bittet um Gruppenräume. Am 11.12.1968 beschließt der Sachausschuss Jugend und Familie zu helfen. Zunächst gab es kaum einen Ausweg. Die Hütte im Pfarrgarten stand nicht mehr zur Verfügung; die Jugendräume im alten Pfarrhaus waren zum Abbruch bestimmt; der alte Kindergarten war zu baufällig; Gruppenarbeit in Vereinslokalen und Privatkellern war kaum durchführbar.
Im November 1969 machten etwa 150 Jugendliche im Saal Driks Bürken
ziemlich deutlich auf ihr Problem aufmerksam. Sie brauchten Räume.
Kirchenvertreter und auch Bernhard Loick als Bürgermeister von Lembeck sagten Hilfe zu. Die Jugendlichen wählten einen ersten Vorstand und nannten ihn, in Anlehnung an das Pfarrkomitee, Jugendkomitee.

Gewählt wurden: Klemens Hortmann, Michaela Stachauer, Ludger Cosanne,
Heinz Mast, Willi Olbing.

Kolping und Landjugend waren im Jugendkomitee sofort vertreten.

Die Evangelische Kirchengemeinde stellte ihre Kellerräume im Gemeindezentrum den Jugendlichen zur Verfügung. Mit viel Eigeninitiative und mit Unterstützung von Eltern und der Gemeinde wurden die Räume hergerichtet. Mit den Räumem entfaltet sich die Jugendarbeit. Bereits 1970 können die neuen Räume im ev. Gemeindezentrum der Öffentlichkeit vorgestellt werden.

Mut und Vertrauen von Bürgermeister Bernhard Loick und auch Baronin von Twickel sind grenzenlos.
In flotter “Beatle-Aufmachung” setzten sie sich als Sozius auf die Mopeds von Lembecker Jugendlichen und fuhren nach dem Hochamt für die Stereoanlage der Jugendlichen sammelnd durch die Gemeinde.
Das Ergebnis übertraf viele Erwartungen und das Jugendkomitee wurde ermutigt, sich weiter für die Jugendlichen einzusetzten.

Die kommenden Monate und Jahre beweisen es: Für Kinder und Jugendliche
werden immer mehr interessante Angebote präsentiert: Jede Woche treffen sich viele Jugendliche, haben Spass, hören Musik, führen Aktionen für die dritte Welt durch; organisieren Theaterfahrten; führen öffentliche Diskusionsrunden durch;
setzten sich mit verschiedenen Partnern über aktuelle Themen auseinander.

Im Jahr 1972 organisiert das Jugendkomitee mit zahlreichen Vereinen die erste Dorf Olympiade als Pfarrfest.
Jeden zweiten Dienstag im Monat ist die offene Sitzung des Jugendkomitees, bei der jeder Anwesende mitberät, mitarbeitet und mitbeschließt.

Das Jugendkomitee übernimmt die Mitverantwortung für die “Teiloffene Tür”

Nach diesen Entwicklungen konnte diese Form der Jugendarbeit vom
Landesjugendamt als “Teiloffene Tür” anerkannt werden.
Das erste Halbjahresprogramm 1972 beginnt mit folgendem Grußwort:

“Liebe Mitbürger!

Viele Erwachsene und Jugendliche der Gemeinde Lembeck haben sich für die neuerrichtete Teiloffene Tür im ev. Gemeindezentrum eingesetzt und damitbessere Grundlagen für die Jugendarbeit geschaffen. Allen sagen wir Dank und legen das erste Halbjahresprogramm vor.”

Das Land stellt seitdem jährlich 6000,- DM für die Jugendarbeit zur Verfügung, das Jugendamt der Stadt Dorsten 8800,- DM. Im Jahr 1977 werden vier Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Jugendkomitees in den Pfarrgemeinderat gewählt.

Im Jahr 1978 gibt das Jugendkomitee zum zehnjährigen Bestehen eine
Informationszeitschrift heraus. Im gleichen Jahr beschließt das Jugendkomitee, den Erlös einer Disco im Monat dem Kinderheim in Puerto Montt in Südchile zur Sicherung einer täglichen, warmen Mahlzeit für zahlreiche Kinder zur Verfügung zu stellen.

Obwohl das Jugendkomitee ohne feste organisatorische Formen viele
Veranstaltungen, Gespräche, Aktionen durchführte, obwohl es im Jahr etwa 25000,- DM laut Prüfungsberichte korrekt verwaltete, obwohl die deutsche Bischofskonferenz eine solche neue Form kirchlicher Jugendarbeit begrüßte, musste das Jugendkomitee ausdauernd um Vertrauen werben.

Viele Eltern vertrauten wohl ständig ihren Kindern und Jugendlichen den Angeboten des Jugendkomitees an, ließen die Verantwortlichen jedoch oft alleine. Die rechtliche Absicherung der Arbeit war zunächst garnicht so leicht.
Um so mehr war zu begrüßen, dass der Pfarrgemeinderat seit Oktober 1978 auch diese Form kirchlicher Jugendarbeit durch einen Beschluss mitverantwortet.

Weiter mit der offenen Jugendarbeit als TOT im neuen Pfarrheim

Sehr lebendige Gespräche gab es dann noch zu der Frage, ob die bisherige, offene Jugendarbeit auch im neuen Pfarrheim (Am Pastorat 1) fortgesetzt werden sollte. Es wurde, Gott sei Dank, so entschieden und die erste Sitzung des Jugendkomitees im neuen Pfarrheim war dann am 19.08.1980.

Pastor Bonse zeigte sich erfreut über die Lebendigkeit der über 60 anwesenden Jugendlichen. Für die Einrichtung des Regieraumes stellte das Jugendkomitee 10000,- DM zur Verfügung, die während der bisherigen Arbeit durch Einsatz und Aktionen erspart wurden. Über die erste Sitzung berichtete Hubert Einhaus in “Aktuell” vom 07.09.1980.

Der Blick nach vorn

Auch Jahre nachdem wachsen immer wieder neue Generationen von Jugendlichen heran, die sich im Pfarrheim tummeln und sich für andere einsetzen.
Die Gestaltung dieser Arbeit durch Jugendliche hat sich nach wie vor bewährt.
Es ist dankbar anzuerkennen, dass die Kirchengemeinde, vertreten durch den damaligen Pastor Alfred Bonse und dem Nachfolger Pastor Theodor Webbeler, den Jugendlichen diese Entfaltungsmöglichkeiten mit viel Vertrauensvorschuss belässt. Gemeinsam konnten auch schwere Stunden überstanden werden, als ein Jugendlicher Mitarbeiter am Pfarrheim den Tod fand.

Viele, viele Lembecker, die in der Vergangenheit ihre Zeit, ihre Ideen, ihre Energien dieser Arbeit zur Verfügung stellten, denken hoffentlich auch in Verbindung dieser Homepage, gerne an die guten Zeiten zurück.

Stellvertretend sei besonders allen pädagogischen Leiterinnen und Leitern ein großer Dank gesagt:

Josef Breuer

Jutta Kleine Vorholt

Vera Stratmann Paul

Monika Honsel

Marlies Große Kock

Albert Rentmeister

Agnes Lensen

Lore Dietze

Therese Bonka

Günter Lakenbrink

































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