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Lembeck trauert um Josef Breuer

Lembeck – Kurz vor seinem 94. Geburtstag verstarb am gestrigen Dienstag Josef Breuer nach längerer Krankheit. Der engagierte Lembecker und Bundesverdienstkreuzträger war lange Zeit Jugendamtsleiter der Stadt Dorsten, Vater und Mitbegründer des Lembecker Jugendkomitees (T.O.T.) und zusammen mit Hermann Bügers sen. Gründer des Seniorenzentrums Lembeck.

Lembeck ist zwar mit 52,7 Quadratkilometern der mit Abstand flächenmäßig größte Ort in Dorsten, was aber die wahre Größe eines Ortes ausmacht, sind Menschen wie Josef Breuer. Vor knapp vier Jahren feierten noch rund 120 Gratulanten den 90. Geburtstag von Josef Breuer, der dazu ins Haus Nordendorf eingeladen hatte.

Ein bewegtes Leben, in dem er viel bewegte

Der bis ins hohe Alter rüstige Rentner Josef blickte immer bescheiden auf seine langjährige Lebensreise zurück und hat im Laufe der Zeit vieles erlebt, erfahren und durchgemacht. Geboren und aufgewachsen ist er im oberschlesischen Falkenberg und fand mit 14 Jahren Aufnahme bei den Steyler Missionaren und wollte mit ihnen nach Afrika in die Mission gehen. Die Nazis warfen ihn aber zwei Jahre später hinaus und enteigneten das Missionshaus. Daraufhin besuchte er das Gymnasium, bevor der Krieg ihn einholte und er 1945 als Soldat der Luftwaffe in amerikanische Gefangenschaft kam. Nach seiner Entlassung schlug er sich als Bergarbeiter und Tagelöhner auf Bauernhöfen durch, bevor er in Königstein sein Abitur nachholte. Darauf folgte das Studium der Philosophie und Theologie als auch die Ausbildung zum Sozialarbeiter in Freiburg.

Soziales Engagement war immer das Ziel seiner Bemühungen und so wurde er Leiter des Ludwig-Wolker-Lehrlingsheimes in Essen und 1970 dann Leiter des Jugendamtes Dorsten. Er schwärmte noch lange von seinem „wunderschönen Berufsleben“ und den Entwicklungen neuartiger Strukturen in der neuen Stadt Wulfen, als auch von den vielen Gesprächen mit der Entwicklungsgesellschaft und auch mit den Kirchen über neue Kindergärten, Jugend- und Freizeitstätten. Auch „die vielen Diskussionen in der Arbeitsgemeinschaft der freien Verbände wie AWO, Caritas, den Kirchen und dem DRK sind mir noch gut in Erinnerung“, sagte Breuer kurz bevor er 1989 in den wohl verdienten Ruhestand ging.

Ein Rentnerleben im Schaukelstuhl vor dem Fernseher war undenkbar

Viele Züge fahren in viele Richtungen, wenn nicht ein streckenkundiger Schaffner das Ruder übernimmt. Und so hat Josef Breuer seine tiefgreifenden Erfahrungen dem Lembecker Jugendkomitee, von der Gründung im Jahre 1968 bis weit in die 1990er Jahre zur Verfügung gestellt. Der Werdegang eines jungen Menschen lag ihm immer am Herzen und Generationen Lembecker Jugendliche blicken dankbar auf das zurück, was Josef Breuer mit dem Jugendheim und seinem jahrzehntelangen ehrenamtlichem Engagement bewirkt hatte. Aber nicht nur die Zukunft der Jugend, sondern auch die der Senioren war für Breuer eine Herzensangelegenheit und so gründete er vor rund 14 Jahren zusammen mit Hermann Bügers sen. die „Fördergemeinschaft St. Laurentius Lembeck“, die sich für den Bau eines Alten- und Pflegeheims mit angrenzenden barrierefreien Wohnungen für Senioren in bester Dorflage von Lembeck einsetzte.

1997 erhielt Breuer das Bundesverdienstkreuz

Man könnte noch viele Seiten damit füllen, was Josef Breuer in seinem Leben alles auf den rechten Weg gebracht hat. Im Jahre 1997 erhielt er das  Bundesverdienstkreuz. Generalvikar Werner Thissen sagte bei der Verleihung: „Ich danke Ihnen in der Hoffnung, dass das Bistum Münster, die Kirchengemeinde St. Laurentius und die dort lebenden Kinder und Jugendlichen noch lange auf Ihre reiche Erfahrung, Ihren Einsatz und Ihren Rat vertrauen können“.

 

Mit großem Respekt verneigen wir uns vor seinem Lebenswerk und sprechen der Familie unsere herzliche Anteilnahme aus.

 

90. Geburtstag 2014 – Familie Breuer (v.l.n.r.): Gertrud, Irmgard, Stefan, Geburtstagskind Josef, Ulrich und Martin (Foto: Frank Langenhorst)

10.01.2018 – Lembecker.de – Frank Langenhorst

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