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Traditionsgaststätte weicht einem 6-Familienhaus

Lembeck – Die ehemalige Gaststätte im Schatten der Laurentiuskirche hat eine lange Geschichte. Nach den letzten Versuchen, hierfür noch einen Pächter oder Käufer für die Fortführung einer Gastronomie zu finden, entschieden sich die Grundstückseigentümer für den Abriss und den Neubau eines 6-Familienhauses.

Das Stenen Hues in besseren Zeiten zum Jubiläum in 2009. Foto: Lembecker.de – Frank Langenhorst

In dem Haus von Elisabeth Grothe-Westrick waren Gerda und Ludger Grote-Westrick lange Jahre Vereinswirte für die Vereine Blaskapelle Harmonie und Spielmannszug Grün-Weiß-Lembeck sowie für den Gemischten Chor Lembeck. In den frühen 1980er Jahren übernahm Petra Haase dann das Lokal und machte daraus eine beliebte Jugendkneipe. Der dazu gewählte Name „Domschänke“ passte zur Nachbarschaft der St. Laurentius-Kirche. Nach Petra Haase stand die Gaststätte einige Zeit leer, bis die großen Renovierungsarbeiten im Jahre 1986 begannen und dann im Jahre 1987 das Stenen Hues von der Bahnhofstraße 4 (jetzt Schlemmerhus) in die Laurentiusstiege 2 umzog.

Die Geschichte des Stenen Hues (zuvor Bahnhofstraße 4) lässt sich bis ins 19.  Jahrhundert zurückverfolgen. 1818 erhielt der Metzger Johann Wilhelm Mast die Konzession für eine Schankwirtschaft. Der Name Mast wurde durch den Namen Krampe abgelöst, weil kein männlicher Erbe geboren war. Heinrich, der einzige männliche Erbe der Krampe-Linie, ging zu den Steyler Missionspatres und verstarb in China. So erbte seine Schwester den Besitz und heiratete den Schneider Leo  Langenhorst. Nun hieß es nicht mehr Metzgerei und Gaststätte, sondern Gaststätte und Maßgeschäft. Auch die beiden nächsten Nachfolger -Sohn Bernhard und Enkel  Leo- erlernten das Schneiderhandwerk und führten die Firmenbezeichnung  Gaststätte und Maßgeschäft weiter.

1969 wurde die Schneiderei aufgegeben und aus der  Werkstatt im linken Trakt des Hauses entstand eine Imbissstube. Durch den Wechsel  der Familiennamen hat sich der Beiname “Stenen Hues” bis in die heutige Zeit erhalten, obwohl sich seit 1818 niemand so geschrieben hat. Bei der Renovierung  im Jahre 1971 wurde dieser Name sichtbar gemacht nach der Redewendung: Ik goa  es eben no Stenen Hues. 1980 begann Urenkel Bernd eine Lehre als Koch.

Im Jahr 1987 wurden die Räumlichkeiten an der Bahnhofstraße aufgegeben und das Restaurant zog um zur Laurentiusstiege 2, auf  die andere Seite des Kirchplatzes, wo man größere Räumlichkeiten hatte. Hier wurde aus der Imbissstube und Gaststätte ein Restaurant mit  Saalbetrieb.

2009 feierte das Stenen Hues 190. Geburtstag und lud ganz Lembeck ein

Überall im Stenen Hues begegnete einem die Geschichte des Hauses. So hat Bernd Langenhorst noch eine Revisionsbericht der Gesundheitskommission von 1910: „In der Gaststube fehlt ein Spucknapf“, ist dort zu lesen. Kurz nach dem Ersten Weltkrieg traf sich immer ein Studentenclub in der Kneipe. „Jeder hatte seinen eigenen Bierkrug“, sagt Bernd Langenhorst.

Leo Langenhorst kann sich noch gut an die alten Zeiten erinnern. Wenn die Bauern in den 50er Jahren am Sonntag die Kirche besuchten, stellten sie ihr Fahrrad auf der Deele der Gastwirtschaft ab. Und kamen anschließend natürlich zum Frühschoppen. „Die Zeiten, wo die Leute hier beim Frühschoppen in Dreier-Reihen vor der Theke standen, sind aber schon lange vorbei“, sagt Leo Langenhorst. Sein Sohn Bernd Langenhorst, der den Betrieb 1987 übernommen hat, pflichtet ihm bei: „Die Jugend geht viel später raus als damals. Die gehen dann ins Bett, wenn früher die Leute zum Frühschoppen kamen.“

Jubiläumsfeier auf dem Kirchplatz

Die große Jubiläumsfeier fand am Freitag, den 28. 08. 2009 ab 19.00 Uhr statt. Das Jubiläum wurde auf dem Kirchplatz mit dem Spielmannszug und der Blaskapelle Lembeck gefeiert.

190 Jahre Stenen Hues & 50 Jahre Bitburger Konzession Getränke, Bratwurst, Spießbraten wurden an dem Jubiläumstag für je  1,– Euro angeboten.

Schließung der Gaststätte im Dezember 2012

Ende 2012 kam dann auch das Ende vom Stenen Hues. In insgesamt schwierigen Zeiten war auch diese traditionsreiche Gaststätte wirtschaftlich nicht mehr tragbar und der Betreiber Bernd Langenhorst ist heute glücklich, dass er in einem Angestelltenverhältnis arbeitet und sich keine Sorgen mehr über wirtschaftliche Tiefschläge machen muss. Die Hauseigentümer  Dieter und Leo Overhoff aus Lembeck suchten anfangs noch nach einem Nachmieter oder Käufer zur Fortführung der Gaststätte, entschieden sich dann aber für den Abriss und Neubau eines barrierefreien 6-Familienhauses.

Viele Lembecker verfolgen den Abriss des Hauses mit einer kleinen Träne. Hier wurden viele Feste gefeiert und wunderschöne Stunden verbracht.

Die Abrissarbeiten am frühen Donnerstagmorgen, 01. Juni 2017. Foto: Lembecker.de – Frank Langenhorst
Der allbekannte Thekenraum. Die Abrissarbeiten am frühen Donnerstagmorgen, 01. Juni 2017. Foto: Lembecker.de – Frank Langenhorst
R.I.P. – Rest in Peace – Die Abrissarbeiten am frühen Donnerstagmorgen, 01. Juni 2017. Foto: Lembecker.de – Frank Langenhorst

 

Die Abrissarbeiten am Donnerstag, 01. Juni 2017. Foto: Lembecker.de – Frank Langenhorst
Die Abrissarbeiten am Donnerstag, 01. Juni 2017. Foto: Lembecker.de – Frank Langenhorst
Die Abrissarbeiten am Donnerstag, 01. Juni 2017. Foto: Lembecker.de – Frank Langenhorst
Die Abrissarbeiten am Donnerstag, 01. Juni 2017. Foto: Lembecker.de – Frank Langenhorst
Die Abrissarbeiten am Donnerstag, 01. Juni 2017. Foto: Lembecker.de – Frank Langenhorst

Foto-Galerie “Stenen Hues”

 

01.06.2017 – Lembecker.de – Frank Langenhorst

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