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Auch der Michaelisstift wird zur Flüchtlingsunterkunft

Lembeck – Die letzten Bewohner, die Ordensschwestern vom St. Carmel-Orden sind vor rund 2 Jahren nach Hannover ausgewandert. Jetzt steht der Betreiber, die St. Michael GmbH kurz vor Vertragsabschluss mit der Stadt Dorsten.

Das Michaelisstift am 6. Januar 2016 - Foto: Lembecker.de - Frank Langenhorst
Das Michaelisstift am 6. Januar 2016 – Foto: Lembecker.de – Frank Langenhorst

Die Anwohner des Michaelisstiftes an der Rhader Straße in Lembeck wurden bereits schriftlich informiert und treffen sich heute Abend (15.12.) u.a. mit dem Grafen von Merfeldt, um weitere Details zu erfahren und darüber zu diskutieren.

Weil Ende Januar 2016 die Nutzung der Jugendherberge im Schöning für derzeit 103 Flüchtlingsplätze ausläuft, möchte die Stadt Dorsten kurzerhand das leer stehende Gebäude an der Rhader Straße, welches sie als „hervorragend geeignet“ sieht, für Flüchtlinge anmieten. Die gut ausgestatteten Zimmer und die bauseits vorhandene Haustechnik brachten das rund 200 Jahre alte Gebäude in die engere Auswahl.

Gebäude mit langer Tradition

Der Michaelisstift wurde nach dem Tod von Freiherr Dietrich Adolft Conrad von Westerholt Hackfurt zu Lembeck, als Witwensitz und soziale Stiftung für die Baronin von Westerholt in der Bauernschaft Endeln erbaut. Die von Conrad Schlaun erbaute Kapelle wurde im September 1727 eingeweiht.
Während der Zeit der “napoleonischen Wirren” wurde das Stift geschlossen und Gottesdienste wurden eingestellt.
Erst im Jahre 1830 konnten die ursprünglichen Pläne der Stiftung wieder verfolgt werden. Die Kapelle wurde renoviert und gleichzeitig wurde in der Krypta eine Begräbnisstätte für die gräfliche Familie angelegt. Durch Erweiterungsbauten 1833/34 konnte hier nun ein Kranken- und Waisenhaus eingerichtet werden. Bis 1969 übernahmen die Klemensschwestern die Pflege der Kranken. In diesem Jahre wurde das Krankenhaus in ein Altenpflegeheim umgewandelt. Das Waisenhaus wurde 1977 geschlossen. Vor 20 Jahren (1995) wurde dann das Altenheim geschlossen. Neues Leben brachten die Karmelitinnen in das Michaelisstift, die 1998 einzogen und bis 2013 das traditionelle Gebäude bewohnten.

Emotionsbetonte Herausforderung

Nicht alle Lembecker und insbesondere die Nachbarn des Michaelisstiftes sehen die aktuelle Willkommenskultur und die scheinbar planungslose Flüchtlingspolitik der Bundesregierung unkritisch. Während sich ein Teil der Lembecker sozial in die Flüchtlingshilfe engagiert, debattieren andere über Integrationsfähigkeit und Weltansichten der Flüchtlinge und deren Herkunftsländer.
Es hat lange gedauert, bis sich Gleichberechtigung und Toleranz von Minderheiten, unabhängig vom religiösen Glauben oder Nichtglauben in unserer Gesellschaft etabliert haben, dieses hohe Gut und Zeichen der Menschlichkeit sollte auch von Zuwanderern aus anderen Kulturen bedingungslos akzeptiert werden. Ebenso sollten “besorgte Bürger” diese Attribute der Menschlichkeit als Leitfaden ihres Handelns und Argumentieren sehen.
Unumstritten ist aber grundsätzlich die Lembecker Hilfsbereitschaft für in Not geratene Menschen – und damit wird die langjährige soziale Aufgabe des Michaelisstiftes fortgesetzt.

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