Werbepartner

Lembecker empfangen Flüchtlinge als Menschen

Lembeck – Da staunte Pfarrer Voss nicht schlecht, als er mit etwas Neid feststellen musste, dass seine Kirche an einem Wochentag so voll wie nie war. Rund 450 Besucher folgten der Einladung von Pfarrer Alfred Voss und Bürgermeister Tobias Stockhoff und kamen am Mittwochabend zur Informationsveranstaltung in die St. Laurentius Kirche.

Foto © : Lembecker.de - Frank Langenhorst
Foto © : Lembecker.de – Frank Langenhorst

Nachdem am Freitag bekannt wurde, dass neben dem Flüchtlingsbezug der Jugendherberge auch bis zu 200 Flüchtlinge in die alte Laurentiusschule vorübergehend einziehen werden, wurde kurzerhand eine Infoveranstaltung für den gestrigen Mittwoch geplant. Die rund 450 Besucher in der übervollen Kirche kamen mit gemischter Stimmung und lauschten gespannt der ausführlichen Erklärung aller Umstände durch Bürgermeister Stockhoff, nachdem Pfarrer Voss alle Besucher begrüßte.
„Wir müssen den Menschen helfen und ein Dach über den Kopf bieten, als Demokraten und Christen“ sagte Stockhoff, nachdem er kritisch feststellte, dass „die Prozesse in der Flüchtlingspolitik so nicht weiterlaufen können“. Die beiden Altbauten der Laurentiusschule werden zusammen mit dem Schulhof gerade hergerichtet, nachdem die Bezirksregierung nach einem Besichtigungstermin im Vorfeld diese Verwendung aufgrund überlasteter Unterkünfte an anderen Orten bestimmt hat. Um einen vernünftigen Ablauf zu realisieren, beugte sich die Stadt Dorsten dieser Aufforderung und kam damit einer Zwangsbestimmung, zuvor, die zum Beispiel in Datteln und Gelsenkirchen zur Nutzung von Sporthallen führte. „Wir haben keine Wahl und machen trotzdem das Beste daraus“ schien das Motto einer ausführlichen Erklärung zu sein.

Lembecker kontern mit gutem Konzept und Hilfsbereitschaft

Kurz nach bekannt werden der Schulnutzung für Flüchtlinge erklärten sich viele Lembecker solidarisch und schlossen sich zu einem Hilfekreis zusammen. Die sogenannten „Organisten“ kümmern sich um Sach- und Geldspenden und um ein Stück Integration, indem sie zu sportlichen Aktivitäten wie Fußball einladen wollen. Die Hilfsbereitschaft der Lembecker ist enorm und bereits am Infoabend in der Kirche kamen Angebote wie Handwerkerbeschaffungen zur Installation von 10-12 Duschen, Bilderbücher aus der Bücherei von Willi Schrudde, als auch 10 Fußbälle von einem Lembecker, der auch 500 € für die Flüchtlingshilfe spendete.
Insgesamt konnten viele unbegründete Ängste genommen werden und Dr. Wolfgang Polleichtner von den Maltesern sagte zu den Lembeckern: „Ich erblasse vor Neid, was Sie hier schon im Vorfeld organisiert haben“. Lembeck ist bereits die vierte Unterkunft, die von den Maltesern im Kreis organisiert und eingerichtet wurde. „Jede Einrichtung war bisher anders“ erklärte Polleichtner und entkräftete damit etwas die Medienberichte über Tumulte innerhalb anderer Unterkünfte. Vieles hängt von einer möglichen Privatsphäre ab, die in Lembeck realisierbar ist. Bei Fragen oder Beschwerden stehen die Malteser, die Polizei, das Ordnungsamt und sogar das Bürgermeisterbüro jederzeit zur Verfügung.

fluechtlingshilfe@lembecker.de für alle Anliegen

Schnell hat sich ein Helferkreis um Ulla Küsters und Joachim Thiehoff gebildet, der Spenden, Übersetzer und bürokratische Hürden managen will. Eigens für alle Lembecker wurde am Mittwoch auch eine Emailadresse eingerichtet: fluechtlingshilfe@lembecker.de – hierüber können Hilfsangebote, Sorgen und Anregungen zu den Organisten transportiert werden. Aufgrund zeitintensiver Bearbeitung aller Anliegen bitten die Organisten jedoch um etwas Geduld bis zur Beantwortung der Emails. Joachim Thiehoff erklärte ausführlich, welche Spenden (Spielzeuge, Kleidung, Schuhe etc.) sinnvoll sind und welche nicht benötigt werden. Zum Einsammeln der Spenden haben Christel und Manfred Mechlinski das leer stehende Ladenlokal neben ihrem Sanitärfachmarkt an der Schulstraße zur Verfügung gestellt (ehemals Netto). Weitere Infos zu Öffnungszeiten uvm. folgen auf unserer Infoseite “Flüchtlingshilfe Infoseite ” im Menu “Lembecker Dossiers”.

Belohnung für Hilfsbereitschaft

Mit großem Beifall wurde die Ankündigung von Bürgermeister Tobias Stockhoff zum Schluss der Rede gewürdigt, der das C-Gebäude der Laurentiusschule (Neubau von 1984) den Lembecker Vereinen wie Blaskapelle, Spielmannszug, Porte und weiteren Vereinen mietfrei zusagte. “Auch wenn die Unterhaltungskosten für die Vereine nicht zu stemmen sind, hat die Stadt Dorsten für Euch ein offenes Ohr”.

Foto © : Lembecker.de - Frank Langenhorst
Foto © : Lembecker.de – Frank Langenhorst
Foto © : Lembecker.de - Frank Langenhorst
Foto © : Lembecker.de – Frank Langenhorst

Quelle: 08.10.2015 Lembecker.de – Frank Langenhorst

Hinterlasse jetzt einen Kommentar

Kommentar hinterlassen

error: Copyright © by Lembecker.de