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Aus anfänglicher Skepsis formte sich eine funktionierende Bürgerkooperation

Lembeck – Was es mit dem Fundbüro für Stadt- und Dorfideen auf sich hat, war vielen Bürgern anfangs etwas schleierhaft. Rund 70 Interessierte fanden sich gestern Abend in einem Klassenraum der alten Laurentiusschule zum ersten Lembecker „Fundbüro für Dorfideen“ zusammen und bewiesen, was andere zuvor schon sagten: „Die Lembecker schaffen das!“

3432_fbfd_09042014_01Nach der erfolgreichen 5. Porte für Lembeck im Fundbüro für Stadtideen in Dorsten, was von Marion Taube inspiriert und moderiert wurde, bildete sich eine helle und inspirative Bühne für Lembecker Lebensqualität und Ideen, die den Ort liebevoll und lebenswert machen und eine Energie für Zukunftsplanungen frei setzte.
Die 5. Porte in Dorsten (Lembecker.de berichtete) war so erfolgreich und vielversprechend, dass am selben Abend noch eine Fortsetzung als „Fundbüro für Dorfideen“ in Lembeck für den 9. April (gestern Abend) angesetzt wurde. Mit gemischten Gefühlen und ohne riesige Erwartungen, jedoch mit von REWE-Cosanne und dem Dorfcafé gesponserten Leckereien füllte sich der Klassenraum im ersten Obergeschoss dann so schnell, dass kurz überlegt wurde, das Treffen in die Pausenhalle zu verlagern.

Rund 70 Lembeckerinnen und Lembecker – Jugendliche, Ärzte, Landwirte, Architekten, Politiker, Familien und und und, bildeten eine ideale Basis für einen Lembecker Workshop. Marion Taube war sichtlich begeistert und stellte in ihrer Begrüßung auch den dazu geladenen Gast Frau Dr. Hanna Hinrichs von der StadtBauKultur Gelsenkirchen vor. Diese zeigte in einem Impulsreferat, Möglichkeiten zur Integration alter Bauwerke in moderne Stadt- und Dorflandschaften. Und einen wertvollen Denkanstoß hängte sie gleich an, indem sie von einer Gemeinde erzählte, die ihr leer stehendes Gasthaus in Form einer Genossenschaft gemeinsam wieder zum Leben erweckte.
Die Gemeinde schreibt auf ihrer Webseite zum Projekt – ein-dorf-wird-wirt.de:
Die Idee, die Dorfwirtschaft Altenau wieder zu beleben wird schon lange verfolgt. Die Bedingungen für den Erwerb der Gastwirtschaft haben sich in letzter Zeit entscheidend geändert. Dadurch ergibt sich die Möglichkeit, den ehemaligen Gasthof „Zur Post“ gemeinschaftlich zu erwerben, zu sanieren und dann als Dorfwirtschaft wieder zu betreiben. Auch die Nutzung des Saals für Veranstaltungen jeglicher Art wäre wieder möglich. Nutzen wir die Chance, unser Dorfzentrum und die Wirtschaft in unserem Sinne wieder zu beleben. Das Projekt der Rettung unseres Wirtshauses wird auch vom BR begleitet.
Eine anschließende, mit Musik untermalte Diashow, zeigte interessante Blickwinkel von Lembeck, die der Fotograf Alexander Fichtner unter der Regie von Marion Taubes Argusaugen zusammen stellte. Lembeck hat eine Seele und auch alte Gemäuer sind ein Teil davon.

Führungsplatz noch unbesetzt

Mit einem leeren Stuhl, den Marion Taube und Bernd Wiemeyer hoch hielten, wollten sie für eine Führung bzw. Vorsitz für das neu gegründete Fundbüro für Dorfideen werben. Doch so recht wollte keiner die Konstellation der kreativen Bürger in Vorstand und Basis aufteilen. „Lembecker sind eh in allen möglichen Vereinen hyperaktiv“ und eine Vereinsverpflichtung kann schnell die Dynamik in Terminstress ertränken. So einigte man sich, vorerst die Zusammenkunft auf Augenhöhe zu belassen und stimmte auch die Intervalle für zukünftige Treffen ab. Alle 8 Wochen treffen sich jetzt interessierte für Lembecker Ideen, das nächste Mal am 4. Juni 2014 im ehemaligen evangelischen Gemeindezentrum am Schluerweg. Jeder Treffpunkt sollte einen historischen Background haben und das alte ev. Gemeindehaus, von vielen auch „BüCo-Villa“ genannt, eignet sich sehr gut. Der Begriff BüCo-Villa entstand aus dem Erwerb der Immobilie durch Hermann Bügers und Bernd Cosanne. Dem SV-Lembeck wurde das Gebäude vorübergehend als Raum für ein breitflächiges Trainings-Sportprogramm zur Verfügung gestellt.

Dinge von allen Seiten betrachten

Eine Meinung brennt sich oft viel zu früh ein, wenn man sich zum Beispiel permanent über den Schatten eines alten Baumes ärgert, ohne auf die Idee zu kommen, drum herum zu laufen um die Sonnenseite zu genießen.
Eine junge Mutter merkte an, wie schön es wäre, mit den Kindern in Lembeck wieder ein Eis in einer Eisdiele essen zu können. Die Eisdiele am Busbahnhof hat schon seit ca. 10 Jahren zu und natürlich kam die Frage auf: „Wie soll ein Inhaber von den Lembeckern damit leben können?“ Die passende Antwort kam von einer anderen Frau: „Wenn das Eis gut genug ist, kommen auch genügend Andere aus Nachbargemeinden.“
Selbstverständlich blieb der Abend nicht ganz ohne Kritik in Richtung Stadt Dorsten. Ein Lembecker stellte fest: „Wenn ich in Richtung Klein-Reken unter die Brücke fahre und nach links schaue, sehe ich ein intaktes Neubaugebiet, das zum größten Teil von ehemaligen Lembeckern bewohnt wird. Hier ist es wesentlich günstiger zu Leben, angefangen von den Müllabfuhrgebühren bis hin zur Grundsteuer“. Weiter führte er an: „Wenn ich in Dorsten bauen will, warte ich nicht selten 6 Wochen auf einen Gesprächstermin. In Reken hab ich nach 6 Wochen oft schon die Baugenehmigung.“

Angebote gibt es viele, aber wo sind die Jugendlichen?

Weiter beschäftigte man sich mit der Frage: „Wo sind die ganzen Jugendlichen geblieben, die sich damals in Gruppen an verschiedenen Lembecker Treffpunkten versammelten?“
Befriedigt heute das Internet mit sozialen Netzwerken die Kontaktpflege junger Menschen, die dadurch das Haus kaum noch verlassen müssen? Vor Jahren hat man sich an Theken und Jugendtreffs eingefunden, um was Neues zu erfahren und gemeinsam das Wochenende zu planen. Heute rappeln die lokalen News schon im Minutentakt aufs ständig mitgeführte Smart- oder iPhone. Auch die Tatsache, dass Jugendliche heute lieber weit raus fahren, als in der örtlichen Gastronomie zu feiern, könnte psychologisch damit zu tun haben, dass sie aus dem Beobachtungsfeld ihrer Eltern und Verwandten fliehen wollen. Im Umkehrschluss muss dann aber auch die örtliche Gastronomie interessant genug sein, um Auswertige nach Lembeck zu locken. Über ähnliche Probleme berichtete auch der junge Vorstand der Lembecker Landjugend (KLJB). Dieser plant in regelmäßigen Abständen hochkarätige Events mit hohem Aufwand und beklagt das immer geringere Interesse seiner Mitglieder.

Viele offene Ohren für viele offene Fragen

Noch nie hat es ein Lembecker Podium gegeben, wo so viele Belange einer Ortsgemeinde zur Sprache kamen. Die gelungene Konstellation des gestrigen Bürgertreffs hat aber schon mal die Räder geölt und den scheinbar eingerosteten Zug wieder nach vorne bewegt. Auch Joachim Thiehoff bündelte die Interessen in drei Grundkategorien und gab damit Freiräume für eine Umsetzung. Es gibt viele Ideen, was man zum Beispiel temporär mit leer stehender Gastronomie machen kann und der Wille gemeinsam was zu bewegen, wuchs gestern Abend in nie da gewesener Höhe.
Unendlich Gesprächsstoff füllten den lebendigen Abend und um kurz nach 23 Uhr bemerkte Diakon Burghart Altrath, dass es für diesen Abend reichen müsste und verwies auf die Arbeitspflichten der Anwesenden am nächsten Werktag. Also darf man sich auf eine virtuelle Fortführung jederzeit im Forum auf Lembecker.de freuen und natürlich wieder persönlich am Mittwoch, den 04. Juni um 20 Uhr in den Räumen des ehemaligen ev. Gemeindezentrums am Schluerweg.

Hier gehts zu den Fotos des Fundbüros für Dorfideen in Lembeck.
Quelle: 10.04.2014 Lembecker.de – Frank Langenhorst

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