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Mann alarmiert 20 Mal die Retter

Lembeck – Regelmäßig steht bei einem Mann aus Dorsten-Lembeck der Rettungsdienst vor der Tür. Angeblich handelt es sich um einen Notfall, doch wenige Stunden, nachdem er ins Krankenhaus gebracht wurde, ist er wieder zu Hause. Mehr als 20 Mal ist das in diesem Jahr schon passiert. Die Feuerwehr ist machtlos.

feuerwehr„Teilweise wartet er auch schon mit gepackter Tasche vor der Haustür auf den Rettungsdienst“, hat ein Nachbar beobachtet. Nicht nur er fragt sich wahrscheinlich: „Warum kommt die Feuerwehr überhaupt noch, wenn doch klar ist, dass kein Notfall vorliegt?“

Markus Terwellen, Sprecher der Dorstener Feuerwehr, spricht von einer „Grauzone“. „Wir sind verpflichtet, einem Notruf nachzugehen, selbst wenn wir das Ergebnis fast schon erahnen können.“ Tatsächlich steckt hinter diesem konkreten Fall offenbar Methode. „Das geht seit zwei oder drei Jahren so“, gibt Terwellen zu.

Der Patient gibt vor, sich das Leben nehmen zu wollen, und ersucht Hilfe. Rettungsdienst und Notarzt sind die Hände gebunden. „Wir stehen fast immer mit einem Bein im Gefängnis“, erklärt Markus Terwellen. „Gibt es nämlich eine Fehleinschätzung und es handelt sich tatsächlich um einen Notfall, dann wäre es unterlassene Hilfeleistung, wenn wir nicht kämen. Deshalb muss immer ein Wagen losgeschickt werden, wenn der Patient darauf besteht.“

So etwas widerfährt den Rettungskräften in Dorsten öfter. Da wird nachts die „112“ gewählt, obwohl man durchaus am nächsten Morgen einen Arzt hätte aufsuchen können. Der Feuerwehr-Sprecher nennt dies „systembedingt“. Wenn der Patient selbst von einem Notfall spricht, wird alarmiert. Oft sind solche Anrufe begründet, manchmal eben auch nicht.

Der vermeintliche Selbstmordkandidat missbraucht nach Überzeugung der Einsatzkräfte aber dieses System. Manchmal fragen sie sich auf dem Weg nach Lembeck: „Was wäre, wenn wir jetzt an anderer Stelle dringend gebraucht würden?“ Wenn beispielsweise ein Kind verunglückt ist oder jemand tatsächlich starke Schmerzen hat?“
Für Lisa Bauckhorn, Pressesprecherin der Stadt Dorsten, lässt sich das Problem nur auf eine Weise lösen: „Die Kreisleitstelle der Feuerwehr muss bei einer Alarmierung gleich einen Mitarbeiter des Ordnungsamtes hinzuziehen. Dann haben wir die Möglichkeit, mit einer psychiatrischen Klinik Kontakt aufzunehmen.“

Solange das nicht geschieht, macht der Patient aus Lembeck die Rettungskräfte offenbar hilf- und ratlos. Denn sind Rettungswagen und Notarzt hier gebunden, müssen andere Rettungsdienste der Nachbarstädte oder sogar ein Rettungshubschrauber im Ernstfall einspringen. „Dann dauert es viel länger, einen Einsatzort in Dorsten zu erreichen und Leben zu retten“, sagt Markus Terwellen.

Quelle: Dorstener Zeitung

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