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Landwirt kritisiert Einstellung der Deutschen zur Ernährung

Lembeck – Der Lembecker Landwirt Franz-Josef Schulte-Huxel findet es bedenklich, dass die Deutschen sich immer noch lieber billig als gut ernähren. Bei der Fütterung seiner Schweine verzichtet er auf genverändertes Soja. Eine Ernährung mit ausschließlich Bio-Produkten hält der Landwirt jedoch für schwierig.

Foto: Rupert Joemann/ WAZ Fotopool
Foto: Rupert Joemann/ WAZ Fotopool

Genveränderte Soja-Produkte aus Übersee kommen Franz-Josef Schulte-Huxel nicht mehr auf den Hof. Der Landwirt hat 2012 auf eine alternative Fütterung seiner 800 Schweine umgestellt. Mit Erfolg. Einen Großteil seiner Tiere liefert er an das Lembecker Metzgerei-Fachgeschäft Bellendorf . Dessen Inhaber Matthias Tiemann bezieht fast ausschließlich seine Schweine bei Schulte-Huxel.

Zur Zufriedenheit der Kunden. „Das Fleisch ist wunderbar weich, viel zarter“, sagt Sylvia Kleine-Arndt. „Das Fleisch aus dem Supermarkt besteht nur aus Wasser. Man schmeckt definitiv den Unterschied“, bekräftigen Jaclyn Frei und Andreas Lischitzke. Dieser Unterschied ist ihnen der Preisaufschlag von etwa 20 Prozent wert.

Nur Bio-Produkte schwierig

„Wir setzen keine genveränderten Produkte mehr ein“, betont Schulte-Huxel. Eine Ernährung mit ausschließlich Bio-Produkten hält er aber für schwierig. „Dann hätten wir 20 bis 25 Prozent weniger Ertrag in Deutschland und könnten die Ernährung nicht mehr sicherstellen“, sagt der 60-Jährige, der mit seinem Sohn Philipp (30) den Hof Kreienberg in sechster Generation betreibt. Grundsätzlich legen beide aber Wert auf Qualität: „Was wir anbauen, ist biologisch.“ Der Senior-Chef bewirtschaftet rund 40 Hektar Ackerfläche. Dazu kommt Wald, mit dessen Holz er unter anderem die Fußboden-Heizung für den Schweinestall versorgt.

Den Eiweiß-Träger Soja ersetzt Schulze-Huxel durch getoastete Lupine aus Sachsen-Anhalt. Lupine haben einen geringeren Eiweiß-Anteil und müssen deshalb in größerer Menge eingesetzt werden, was wieder die Kosten erhöht. Natürlich sind die Lupine nicht genverändert. Das Wissen über die Lupine hat der Chef der Börderkraft-Korn-Service GmbH (Gröningen) noch aus DDR-Zeiten. Schulte-Huxel: „Die hatten kein Geld, um sich Soja aus der ganzen Welt zu importieren.“

Lieber billig als gut ernähren

Als problematisch sieht der Landwirt die Einstellung der Deutschen zu Lebensmitteln an. Das führt der 60-Jährige noch auf die Adenauer-Ära in der Nachkriegszeit zurück. Damals sei es politisches Ziel gewesen, „die Arbeiter möglichst billig zu ernähren“. Das setze sich bis heute fort, so der Lembecker. Früher gaben die Bürger über 30 Prozent ihres Einkommens für Lebensmittel aus, heute sind es nur noch höchstens zehn Prozent. Dieses Denken gelte es in den Köpfen zu verändern.

Lebensmittel kosteten kaum etwas und würden deshalb auch weggeworfen. „Wir leben in einer Überschussgesellschaft und brauchen nicht darüber nachzudenken.“ Er hat einen anderen Weg eingeschlagen. Einen Weg der qualitativ hochwertigen Produktion und Regionalität. Mit Erfolg.

Quelle: WAZ / Der Westen (Rupert Joemann)

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