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Lembecker sichern die Zukunft ihres kleinen Hallenbades

Lembeck – Die Lembecker können auch bürgerliche Großprojekte: Vor 15 Jahren retteten sie das Hallenbadmit einem Trägerverein – der erste dieser Art weit und breit. Das Modell funktioniert und bewältigt einen Jahresetat von 185 000 Euro. Möglich wird das nur durch viel Unterstützung aus dem Dorf.

Foto: sportindorsten.de
Foto: sportindorsten.de

Das Hallenbad liegt etwas versteckt neben der Don Bosco-Schule. Ein schmuckloser Schuhkartonbau, ein Schwimmbecken ohne Fisematenten. 8 x 16 Meter rechteckige Wasserfläche, Umkleidekabinen, ein rustikaler Vereinsraum – das war’s. Spaßbad geht anders. Und doch kann dieses Bad gut erzählen, wie Lembeck tickt und was besonders ist in diesem Dorf. Denn es ist ein kleines Wunder, dass es dieses 40 Jahre alte Bad überhaupt noch gibt und dass es lebt. Die WAZ sprach mit Rita Gaedeke (Geschäftsführerin des Vereins) und Dr. Christiane Holtz (Vizevorsitzende) über Geschichte und Zukunft des kleinen Bades, die immer zuverlässige Unterstützung für dieses Projekt und die dahinter erkennbare Kraft der Dorfgemeinschaft.

Schermbeck, Barkenberg, Marl: Bürger übernehmen überall Bäder. Lembeck dürfte das älteste in Vereinshand sein. Wie kam es dazu?Gaedeke: Um 1995 wollte die Stadt die Schulbäder in Wulfen und Lembeck schließen. Wir haben damals gesagt: Das Bad dicht machen? Nicht ohne Krieg. Unsere Kinder haben hier ganze Nachmittage verbracht und wir wussten immer, wo sie sind.Holtz: Am Anfang war das eine Haustüraktion, um Mitglieder zu werben. Wir haben Leute angesprochen und so einen großen Grundstock für den Trägerverein geworben. Es standen einfach sehr viele dahinter.

Knapp 1200 Mitglieder unterstützen das Projekt

Die Lembecker lassen sich von Dorsten eben nichts wegnehmen . . .Gaedeke: Ja, das war auch die alte Konkurrenz Lembeck gegen Dorsten.Holtz: Nee, es ging nicht gegen Dorsten. Es ging darum, eine Attraktion im Dorf zu erhalten. So viele Möglichkeiten gibt es hier ja nicht.Wie ging es weiter und wo steht das Bad heute?Gaedeke: Die Stadt wollte damals mit dem Bad nichts mehr zu tun haben. Eine Zukunft gab es nur in Bürgerhand. 1996 haben wir den Vertrag unterschrieben. Unser Berater war damals Prof. Ulrich Sick, heute der Vorsitzende unseres Trägervereins. Wir sind für die Schwimmhalle seitdem voll verantwortlich, stemmen mit knapp 1200 Mitgliedern im Trägerverein einen Jahresetat von zuletzt 185 000 Euro – die Hälfte für Energie – und bekommen 35 000 Euro von der Stadt. Fürs Schulschwimmen und als Sportzuschuss.

Verein hat auch Rücklagen für Investitionen

Das funktioniert?
Holtz: Ja. Wir stehen gut da, haben auch Rücklagen. An einem 40 Jahre alten Bad gibt es ja ständig Sanierungsbedarf. Zuletzt konnten wir einige größere Investitionen bewältigen, haben etwa Anfang 2013 eine Wärmerückgewinnung eingebaut. Die wird sich schnell rentieren. Wir versuchen, das Bad laufend zu warten, damit größere Reparaturen erst gar nicht anfallen und der Badebetrieb nicht gestört wird.Können Sie in der Konkurrenz zu modernen Spaßbädern bestehen? Das Bad ist ja sehr schmucklos . . .Gaedeke: Das ist sogar ein Vorteil für uns. Denn unsere Zielgruppe sind kleine Kinder, Senioren und Sportler. Und die Atlantis-Schwimmer haben ein richtig hohes Leistungs-Niveau.
Weil unsere Übungsleiter so einen guten Ruf haben, kommen sogar Kinder aus Castrop-Rauxel zu Schwimmkursen nach Lembeck. Sie sehen doch, wie wenig Werbung wir machen müssen. Wir sind voll.Holtz: Dieses Bad ist ein beschützter Raum. Es gibt genug, was man hier machen kann – auch ohne Rutschen.

Handwerker aller Sparten sind im Verein vertreten und helfen

Die große Zahl an Mitgliedern – 1200 bei 5500 Einwohnern – zeigt schon: Lembeck steht hinter dem Bad. Sie bekommen viel Unterstützung?Holtz: Natürlich. Wir haben sozusagen alle Gewerke mit im Wasser. Mit Ingenieurleistungen hilft das Büro Cosanne, Dacharbeiten macht die Firma Droste für uns, die Landjugend hat bei einer 72-Stunden-Aktion den Vorplatz neu gepflastert, die Kolpingsfamilie hat die Umkleiden saniert und Thorsten Gaedeke, der Sohn von unserer Geschäftsführerin, ist Gas- und Wasserinstallateur und Elektromeister, also wirklich für fast alle unsere Probleme ein kompetenter Ansprechpartner. Es ist schön: Man kann hier in Lembeck jederzeit auf jemanden zurück greifen.Gaedeke: Man braucht einfach Handwerker . . .Holtz: . . . und man braucht Leute wie Rita Gaedeke, die immer hier sind, die sich um alles kümmern.Gaedeke (abwinkend): Ach, wir machen alle viele Stunden. Da wächst man rein. Inzwischen gehen meine Enkelkinder hier schwimmen. Wir können also gar nicht aufhören.

Beispiel: Das Bürgerprojekt „Seniorenheim Lembeck“

Als 1995 das Michaelis-Stift geschlossen wurde, mussten Lembecker Senioren umziehen in teils weit weg liegende Häuser. Im Dorf wieder ein Heim zu bauen – das war bald Bürgerwunsch.
Hermann Bügers und Josef Breuer vor allem sammelten Unterstützer, gründeten 1999 eine Fördergemeinschaft, gewannen die Caritas als Träger. 2006 stand das neue Heim. Die Bürgerbeteiligung blieb stark. Die Fördergemeinschaft etwa betreibt hier das Lembecker Dorfcafé. Vorsitzende Ursula Küsters: „Dieses Haus lebt.“

Beispiel: Das Bürgerprojekt „ZIGL“ für die Grundschule

Die Don-Bosco-Grundschule klagte lange über lästige Raumnot, musste zwei Klassen in der Aula unterbringen, die nur durch eine Faltwand getrennt werden konnte. Der Stadt fehlte damals schon das Geld, um zu helfen.
Mit dem Projekt „Zukunfts-Investition Grundschule Lembeck“ (kurz ZIGL) starteten Eltern im Februar 2002 eine „Welle der Sympathie“, sammelten Spenden und Tatkraft, um bis November 2004 in Eigenleistung das ungenutzte Dachgeschoss zu zwei Klassenräumen auszubauen. 80 000 Euro brachten die Lembecker dafür auf.

Quelle: WAZ / Der Westen

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