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Lembecker Gedenkbuch ab sofort erhältlich

Lembeck Es war eine immense Fleißarbeit. Doch wer Manfred Steiger Zeit seines Lebens kannte, der weiß, wie detailgetreu und akribisch der Lembecker gewesen ist. Und so kann man sicher sein, dass in dem jetzt fertig gestellten “Lembecker Gedenkbuch” kaum ein Totenzettel aus dem Ortsteil fehlen dürfte.

 Foto: Dorstener Zeitung (Michael Klein)
Foto: Dorstener Zeitung (Michael Klein)

Manfred Steiger, nach seiner Pensionierung Museumswart in Lembeck, starb im Sommer letzten Jahres an den Folgen eines Herzinfarkts, im Heimatmuseum des Schlosses. “In der Ausübung seines Hobbys”, sagt Witwe Hildegard Steiger. Sie vollendete gemeinsam mit dem Heimatverein Lembeck das letzte Werk ihres Mannes: ein Gedenkbuch, in dem die Namen und die Totenzettel all jener Lembecker Opfer verzeichnet sind, die während des nationalsozialistischen Terrors und des Zweiten Weltkrieges zu Tode gekommen sind.

Ein Jahr lang geforscht

Ein Jahr lang hatte Manfred Steiger in Kirchen- und Stadtarchiven geforscht, alle Lembecker Familien aufgesucht, um die Namen der Toten und die traurigen Geschichten dahinter zu recherchieren. Mit dabei war fast immer Josef Lohbreyer, dorfbekanntes Mitglied des Heimatvereins, der so manche Tür für Manfred Steiger öffnen half. “Josef Lohbreyer spricht platt”, sagt Hildegard Steiger. “Das hat für viel Vertrauen gesorgt.”

Mehr als 150 Totenzettel hat Manfred Steiger zusammengetragen und auf seinem Computer eingescannt. Bevor er die letzten Dokumente zusammentragen konnte, ereilte ihn der Tod. So hat der Heimatverein im letzten Jahr in der Volksbank-Filiale des Ortsteils das Manuskript des Buches ausgelegt. “Dadurch haben wir noch ein paar Totenzettel bekommen”, sagt Elmar Wies, geschäftsführendes Vorstandsmitglied.

Viele an der Ostfront gefallen

Manfred Steiger listet in seinem Buch vor allem Soldaten als Opfer auf, der größte Teil von ihnen ist an der Ostfront gefallen oder wurde dort vermisst. So wie Bernhard Wolthaus, der 1944 als 22-jähriger Unteroffizier in Russland sein Leben ließ. “Er war mein Cousin”, erzählt Hildegard Steiger, die in Lembeck geboren wurde. Nach ihren Angaben hatte damals nahezu jede Familie in Lembeck einen nahen Angehörige verloren.

Wie grausam müssen jene unglückseligen Jahre für die Ehepaare Elisabeth und Maximilian Große-Kock sowie Katharina und Johann Wilhelm Bußmann gewesen sein: Sie mussten erleben, dass jeweils drei ihrer blutjungen Söhne nicht aus dem Krieg heimkehrten. Das Gedenkbuch zeigt deren Porträts ebenso wie die getöteten Söhne der Bahdes und Bösings, der Cosannes und Cluses, der Elwermanns und Hatkämpers, der Heimings und Krampes, der Lohbreiers und Meckings, der Risthausens und Rentmeisters – jener Familien also, die heute noch das Dorf prägen.

Manfred Steiger hat aber auch die zivilen Opfer nicht vergessen. Er stellte sie seinem Buch sogar voran: Die beiden NS-Euthanasieopfer aus Lembeck, deren wahren Todesursachen verschleiert wurden. Die drei ermordeten Lembecker jüdischen Mitbürger der Familie Lebenstein. Und die Bombentoten und Opfer von Tieffliegerangriffen.

Sehr geschichtsinteressiert

“Mein Mann war ein sehr geschichtsinteressierter Mensch”, sagt Hildegard Steiger, die einen gemeinsamen Kreta-Urlaub als Ursprung für das Buch-Projekt benennt. “Dort hat mein Mann einen Kriegsgräber-Friedhof mit gefallenen deutschen Soldaten besucht und sich gefreut, wie gepflegt er aussah”, erzählt sie. “Da hat er sich geschworen, auch die Erinnerung an die Lembecker Opfer wach zu halten.”

Das Buch, das ab jetzt in den für Lembeck bekannten Vorverkaufsstellen (Volksbank, Sparkasse Vest, Heidermann, kath. Bücherei Lembeck)zu erwerben ist, kostet 15,- €. Das Vorwort für dieses Buch wurde von Pfarrer Alfred Voss (katholisch) und Frank Maibaum (evangelisch) geschrieben, das Deckblatt ziert das Mahnmal gegen Krieg und Gewalt am Turm der St. Laurentiunskirche.

Quelle & Foto: Dorstener Zeitung (Michael Klein) / Heimatverein Lembeck

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