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„Kinder erleben zu viel Zerrissenheit“

Lembeck. „Kinder erleben zu viel Zerrissenheit“, hat Maria Thier, die Leiterin des St. Laurentius-Kindergartens in Lembeck erkannt. Sie haben kaum Zeit, in Ruhe ihre Welt zu erkunden und sich zu erproben, werden oft gestört in ihrem Spiel, in Kursen bespielt und bespaßt, müssen ihre Eltern – ob sie wollen oder nicht – immer begleiten. Es gibt keine Großfamilien mehr, die sich um Kinder kümmern und manchmal gibt es nicht einmal mehr eine „richtige“ Familie. Die Folgen davon sind in den Kitas spürbar und die Familienzentren, wie der Laurentius-Kindergarten eines ist, sind zur „Auffangstation für viele Probleme“ geworden.

Der Zerrissenheit im Kinderalltag begegnet der Laurentius-Kindergarten mit der Arbeit in kleinen Gruppen, in denen die Kinder ungestört und so lange sie wollen Dinge erforschen und ausprobieren können. Da ist zum Beispiel die Entdecker-Werkstatt, in der sie Wasser, Magnete und einen Leuchttisch für ihr Spiel finden. Oder der Werkraum, in dem mit viel verschiedenem Material gebastelt werden kann, der Snoozelraum zum Träumen, oder der Turnraum, für den mit Hilfe des Fördervereins teure Holz-Materialien für ein ganz besonderes Bewegungskonzept angeschafft wurden.

Jeweils fünf bis sechs Kinder aus allen Gruppen treffen sich in den besonderen Räumen. Das ist nur möglich, weil die katholische Einrichtung mit 13 Fachkräften relativ gut besetzt ist. Viele von ihnen arbeiten allerdings nur in Teilzeit oder haben Zeitverträge. Eine schwierige Situation in allen Kindergärten. Aber: „Das erste Jahr nach KiBiz war besonders schwer“, erinnert sich Maria Thier, weil es zu wenig Personal für die veränderten Anforderungen gab.

Das habe sich inzwischen zwar gebessert. aber um „wirklich gute Arbeit“ leisten zu können, müsste es noch mehr Personalstunden geben, erklärt die Kita-Leiterin auch. „Der Kindergarten ist die erste Einrichtung, mit der es die Familien zu tun bekommen“ und nach Maria Thiers Überzeugung auch eine der wichtigsten: „In den ersten Lebensjahren finden die entscheidenden Entwicklungsschritte statt.“ Um so wichtiger also sei es, sie gut zu begleiten. Gerade Kindergärten müssten über die beste Ausstattung und das am besten qualifizierte und bezahlte Personal verfügen.

Die wegen der U3-Kinder verringerte Kinderzahl in den Gruppen habe sich in der Arbeit sehr positiv bemerkbar gemacht: „Mehr Raum, weniger Lärm, weniger Stress!“ Aber, kritisiert sie: „Jetzt auf einmal wird wieder am Rädchen gedreht und wir müssen zwei bis drei Kinder mehr in die Gruppen stopfen.“ Landesweit eine Folge der fehlenden Kindergartenplätze.

Der Laurentius-Kindergarten ist derzeit mit 87 Kindern voll belegt. Zehn Plätze gibt es für unter Dreijährige, die Nachfrage – auch für 2013/14 – ist aber höher. 25 Kinder werden die Kita im Sommer verlassen, dann sollen möglichst alle Dreijährigen aufgenommen werden.

Auch im ländlichen Lembeck gilt: „Die Eltern wollen möglichst früh einen Platz für ihr Kind und immer mehr wollen die 45-Stunden-Buchung. Einer der „Riesenvorteile“ von KiBiZ ist für Maria Thier, dass das Gesetz die U3-Plätze und die Über-Mittag-Betreuung mit sich gebracht hat. „Wenn wir mehr Kinder wollen, müssen wir den Familien helfen“, plädiert Maria Thier für neue Sichtweisen. Kinderbetreuung müsse eine andere Wertigkeit in der Gesellschaft bekommen, mit besser ausgebildetem Personal und besseren Räume und größerer Flexibilität auf Seiten der Arbeitgeber.

Quelle: WAZ / Der Westen (Ute Hildebrand-Schute)

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