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Der „bewegte Dom“ platzte aus allen Nähten

Lembeck – Dass in Lembeck irgendetwas los ist, konnte man um kurz vor 19 Uhr an den Fahrrad- und Automassen im Dorfkern erkennen. Der Sachausschuss Jugend (SAJ) lud zum zweiten Mal Jung und Alt zu einem außergewöhnlichen Gottesdienst. Bei Konzerten, großen Beerdigungen und Hochzeiten ist die Kirche schon relativ voll. Die Technomesse gestern Abend sprengte jedoch alle Rekorde. Voller Disko-Nebel ist die Lembecker Kirche, sphärische Lichter erzeugen Schatten und dumpfe Bässe strapazieren die Trommelfelle: Nein, das ist nicht die Beschreibung eines Dance-Floors, sondern nur die eines der Stimmungsbilder, die während der zweiten Auflage der Lembecker Technomesse eingefangen wurden.

Stimmung in den Kirchenbänken - Foto © : Lembecker.de (Frank Langenhorst)
Stimmung in den Kirchenbänken – Foto © : Lembecker.de (Frank Langenhorst)

Szenenwechsel: Vor der Kirche schiebt eine ältere Dame ihren Rollator über die Schulstraße und wundert sich über die Geräusche, die sie aus dem Gotteshaus hört. „Was ist das für ein Gewummer, da in der Kirche. Was macht „Orgel Bernard“ da“, fragt sie. Eine nicht untypische Reaktion. 

Unter dem Motto „Move the dome 2 – Nur noch kurz die Welt retten“ wurde zum zweiten Mal ein gewagtes Experiment umgesetzt, die Kirche optisch in einen farbenfrohen Discotempel mit Lasershow umzuwandeln. „Orgel Bennad“, der gerade sein Dienstjubiläum feierte, durfte diesmal von der Orgelbühne zusehen und zuhören, wie anstelle der sonstigen Orgelmusik heiße und laute Beats aus den Discoboxen schallten. Auch Pfarrer Voss weilte als Gast auf der Orgelbühne und ließ seinen Kollegen Pfarrer Zahn die Messe durchführen, der sichtlich Spaß daran hatte und wie kein anderer den Nerv der meist jugendlichen Besucher traf.

„Schockt doch mal eure Eltern und sagt denen – Ich geh zur Kirche“ mit diesen Worten umwarb Pfarrer Zahn ganz trocken den Kirchenbesuch auch außerhalb der Technomesse. Am gestrigen Abend war jedenfalls die Mischung aus Technobeschallung, Discobeleuchtung, Lasershow und Gottesdienst wieder eine harmonische Mischung und es schien, als wenn einige Kritiker von damals den Sinn der Aktion verstanden haben. Ein volles Haus mit zufriedenen Gästen ist immer wünschenswert.

Mit Verwunderung und Ablehnung

Mit Verwunderung und auch mit Ablehnung hat die Gemeinde darauf reagiert, als im vergangenen Jahr der Sachausschuss Jugend dieses Spektakel auf den Weg gebracht hat. Die Kirche war damals bis auf den letzten Platz gefüllt und in diesem Jahr hat man vorsorglich Stühle hinzugestellt, um dem Publikumsansturm gerecht zu werden.

Was macht diese Technomesse so besonders? Nun, die Puristen mögen ruhig bleiben: Pfarrer Voss trägt keine Ohrringe aus Phosphor, sondern die liturgischen Regeln bleiben natürlich erhalten. Es ist und bleibt ein Gottesdienst, diese Technomesse, aber dieser Gottesdienst wählt eine andere Form der Begegnung mit Religion. Da werden die Fragen des Lebens laut gestellt und mit Klassikern der Pop-Musik tänzerisch im Schattenbild dargestellt. Wenn über die Liebe nachgedacht wird, schmachtet Elvis sein „Love me Tender“ in Gotteshaus und wenn Gott an sich und der Gottesdienst als solcher hinterfragt werden, dann fetzt „Lets have a Party“ durchs Kirchenschiff.

Wer denkt dabei nicht an die Urväter des lauten Gottesdienstes? Sie trugen Hüte und Sonnenbrillen und waren im Auftrag des Herrn unterwegs. Richtig: Elwood und Jake Blues tanzten damals mit einem Referent, der vom Granden des Rocks dargestellt wurde: James Brown war der Geistliche.

Pfarrer Voss ist nicht James Brown, „Orgel Bernard“ ist nicht Johnny Winter, aber die Stimmung ist fantastisch„Dieser Gottesdienst ist anders und ich finde es gut, dass die junge Menschen ihren Weg zur Kirche und zu Gott suchen“, sagte ein Lembecker. Der Mann hat recht und dieser Gottesdienst zeigt, welches Potenzial die Kirche nutzen kann, wenn sie neue und vielleicht ungewöhnliche Wege geht. Dazu braucht es Mut.

Den hat auch die alte Dame mit dem Rollator bewiesen: Sie stand hinter einer beleuchteten Säule in ihre Kirche und schunkelte im Takt zu Elvis. So schön kann Kirche sein.

Unter dem Motto „Move the dome 2 – Nur noch kurz die Welt retten“ wurde zum zweiten Mal ein gewagtes Experiment umgesetzt, die Kirche optisch in einen farbenfrohen Discotempel mit Lasershow umzuwandeln. „Orgel Bennad“, der gerade sein Dienstjubiläum feierte, durfte diesmal von der Orgelbühne zusehen und zuhören, wie anstelle der sonstigen Orgelmusik heiße und laute Beats aus den Discoboxen schallten. Auch Pfarrer Voss weilte als Gast auf der Orgelbühne und ließ seinen Kollegen Pfarrer Zahn die Messe durchführen, der sichtlich Spaß daran hatte und wie kein anderer den Nerv der meist jugendlichen Besucher traf.
„Schockt doch mal eure Eltern und sagt denen – Ich geh zur Kirche“ mit diesen Worten umwarb Pfarrer Zahn ganz trocken den Kirchenbesuch auch außerhalb der Technomesse. Am gestrigen Abend war jedenfalls die Mischung aus Technobeschallung, Discobeleuchtung, Lasershow und Gottesdienst wieder eine harmonische Mischung und es schien, als wenn einige Kritiker von damals den Sinn der Aktion verstanden haben. Ein volles Haus mit zufriedenen Gästen ist immer wünschenswert.

Die Kirche in farbenfroher Pracht - Foto © : Lembecker.de (Frank Langenhorst)
Die Kirche in farbenfroher Pracht – Foto © : Lembecker.de (Frank Langenhorst)

Alle 29 Fotos der Technomesse können HIER bewundert werden.

21.10.2012 Lembecker.de (Frank Langenhorst) & WAZ (Jo Gernoth)

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