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Ein Gartenprofi mit Leidenschaft

Lembeck / Erle – Die Frauen lieben ihn. Und Thomas Große-Gellermann liebt Blumen – seit er denken kann. Mitarbeiterin Marion Taube hat sich bei bei einer Tasse Tee mit dem Lembecker Gärtner, der in Erle arbeitet über seine Leidenschaft, Kindheitsträume, geordnetes Chaos und Steinwüsten unterhalten.

Foto: Marion Taube
Foto: Marion Taube

Die Kunden lieben ihn, ganz besonders die weiblichen, denn seinen bezwingenden Charme zieht er aus einer ansteckenden Begeisterung für alle pflanzlichen Lebewesen.

Diese Liebe teilt er strahlend mit jedem, der seinen tatkräftigen Rat im Gartenbaubetrieb Grunewald in Erle sucht. Sein privates Herz hingegen gehört seit zehn Jahren seinem Freund Peter. Eine Leidenschaft, die sich verhaltener Bahn gebrochen hat, sein Outing kam erst spät, aber für ihn fühlt es sich einfach nur an wie der richtige Weg, der schon immer in ihm angelegt war und den er nun endlich entspannt und froh beschreiten kann.

Thomas, ein Leben ohne Pflanzen ist für Sie nicht denkbar, oder?

Vor kurzem noch habe ich mich mit meinen Eltern gemeinsam erinnert, dass ich schon immer Beete anlegen wollte. „Ich will Blumenpflanzer werden“ soll ich als Kind oft gesagt haben. Und tatsächlich habe ich ständig Sämlinge gesucht, bei meiner Mutter im Garten, bei Nachbarn, und was immer im Wald und auf der Wiese so Interessantes zu finden war.

Dann ist ja mal beruflich alles nach Wunsch gelaufen. Seit 21 Jahren im Job als passionierter Gärtner, denn dass Sie bei Ihrer Arbeit glücklich sind, strahlt aus jeder Pore bei Ihnen und zieht ganz offensichtlich die Menschen an, Sie haben ja richtige Fangemeinden.

(strahlt) Pflanzen sind mein Lebenselixier…

…und der eigene Garten hier auch ein grünes Elysium…

Meine Vorstellung war da immer: Ich will einen Dschungel, aber nicht einfach Wildwuchs, sagen wir so, ich mag das geordnete Chaos.

Was dürfen Sie für die Kundschaft tun, die in Erle Ihren Rat sucht, Dschungel gestalten oder eher helfen, den Dschungel draußen zu halten.

Es landen alle möglichen Wünsche an, weil auch alle Arten von Menschen kommen. Das ist auch psychologisch spannend. Mit welchem Auto kommt wer wie auf den Hof gefahren, wie steigt man aus…, ja, tatsächlich, auch daran kann ich schon im Voraus viel ablesen, was an Gartenträumen gleich geäußert wird.

Wollen neuerdings nicht alle Steinwüsten, weil sie so pflegeleicht sind? Kommen die dann mit einem Panzer vorgefahren?

(lacht) Klar, diesen Trend gibt es, aber der wird auch wieder vergehen. Wir haben dann eher Kunden, die weinen, weil sie uns bitten müssen, ihren geliebten Baum zu fällen, weil er Samen in den Steingarten des Nachbarn wirft und der will ja eben genau das nicht: grünes Leben. Das ist traurig, weil symbolisch formuliert: Wo immer sich zwei Sandkörner treffen, kann eine Birke entstehen. Wir können die Natur nicht ausschließen. Wir müssen sie umarmen. Als Gärtner habe ich ja die wundervolle Aufgabe, einer Pflanze bei der Wahl ihres optimalen Lebensraumes zu helfen, wo ich nur kann.

Und da scheint ja Ihr Wissen unermesslich, der Mann, der jede Pflanze mit Vor- und Zunamen kennt, lateinisch, botanisch…

Das ist ja ein Wissen, das jeder ausgebildete Gärtner parat haben muss. Mir hat es allerdings immer unglaublich Spaß gemacht, gerade die botanischen Namen zu studieren, alles über einen Ursprung und die Bedingungen einer Pflanze herauszubekommen, je unbekannter desto besser.

Sie sind also doch zu einem Gutteil Wissensvermittler?

Es gibt da einen erschreckenden Befund. In den letzten Jahren ist unglaublich viel Wissen verloren gegangen, bei Privatleuten, in den Familien. Das spüre ich im Job täglich. Eltern zeigen ihren Kindern nicht mehr den Unterschied zwischen Eiche und Buche…

…ich protestiere…

Okay, aber Sie wohnen auch am Waldrand. Erwachsene wollen oftmals immergrüne Pflanzen, gerne Formgehölze, weil repräsentativ und vordergründig pflegeleicht, aber auch die müssen wenigstens gegossen und geschnitten werden, denn wer sein Formgehölz nicht schneidet, hat innerhalb kürzester Zeit einen enormen Wertverlust.

Man wird doch noch wissen, dass eine Pflanze Wasser braucht?

Das denken Sie, aber wir hatten kürzlich Kunden, die sich Wochen nach einer Neubepflanzung über ihre braun verfärbten Pflanzen beschwerten. Wir dachten erst an einen Schädling, aber sie hatten einfach vergessen zu gießen, wir mussten also erklären, dass Pflanzen Lebewesen sind, die Wasser brauchen und wurden zurechtgewiesen mit den Worten: Das hätten Sie uns sagen müssen, wir sind Gartenneulinge…“ – kein Scherz.

Ich bin sicher, auch solche Kunden werden von Ihnen noch zu liebevollen Pflanzeneltern erzogen, Sie scheinen recht resistent gegen menschliche Übellaunigkeit….

Ich arbeite und lebe immer nach der Devise: Sei freundlich zu den Menschen – und ich erwarte dann aber auch, dass sie freundlich zu mir sind.

Ich darf ansprechen, dass Sie erst spät öffentlich bekannt haben, schwul zu sein. Sie schildern diesen Weg, sich endlich zu outen, als eine durchweg positive Erfahrung, die vielleicht auch anderen Menschen Mut machen kann.

Ja, es war ein wichtiger Schritt und ich habe wahnsinnig viel gute Aufnahme damit gefunden, auch in meiner Familie. Es ist ja so, dass man selbst schon ewig lange mit der Erkenntnis lebt, ich bin anders, und dennoch versucht man in jungen Jahren durchaus den „normalen“ Weg. Ich hatte auch Freundinnen und merkte doch immer: Nein, das bin nicht ich. Es wäre schön, jeder Mensch könnte seinen „Standort“ im Leben finden.
So wie eine bestimmte Pflanze eher Schatten oder Sonne benötigt, vereinzelt oder in der Gruppe stehen muss. Ich würde sagen, und das hat nichts mit homo oder hetero zu tun, ich bin ein Einzelgänger in der Herde, denn die brauche ich genauso, wie meine eigene Position. 

Quelle: Dorstener Zeitung (Marion Taube)

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