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Rotwildjäger bald am Ziel: Weniger Tiere

Lembeck. Der Laie vermutet hinter der Trophäenschau der Rotwildjäger ein archaisches Ritual, das ein verbreitetes Vorurteil belegt: dem Jäger gehe es nur um große Geweihe.

Foto © : Archiv Lembecker.de
Foto © : Archiv Lembecker.de

Dass diese These Unfug ist, bewies einmal mehr die gesetzlich vorgeschriebene Ausstellung der Unterkiefer und Geweihe der im abgelaufenen Jagdjahr erlegten weiblichen und männlichen Hirsche im Beritt der Rotwild-Hegegemeinschaft Dämmerwald und Herrlichkeit Lembeck.

„Wir bejagen insgesamt mit rund 130 Jagdrevieren etwa 54 000 Hektar Fläche. Davon sind etwa 20 000 Hektar Wald“, erklärt Ulrich Körschgen die geografischen Dimensionen. Der Sprecher der Hegegemeinschaft ist selbst Förster von Beruf.

Der Vorsitzende der Gemeinschaft, Ferdinand Graf von Merveldt, begrüßte die zahlreich erschienen Jäger, die fälschlicher Weise immer als Grünröcke bezeichnet werden. Die Farbe der Jagduniform ist grau, die der Förster ist grün. Otto Pöll war als gesetzlicher Vertreter der Forstbehörde Wesel in Lembeck anwesend. Mit Spannung wurden die Zahlen des Jagdjahres erwartet. Der Rotwildbestand im gesamten Bereich liegt bei etwa 1500 Stück. Eine deutliche Zahl „wohnt“ dabei immer noch im ehemaligen Forst der Mannesmann AG . Doch auch in dem in der Vergangenheit oft in die Diskussion geratenen Gebiet der Üfter Mark nähern sich die Bestände einer Zahl, die ökologisch vertretbar ist und die der Biotop-Kapazität entspricht.

„Wir sind dort fast am Ziel, aber es muss noch etwas getan werden. Wir sind natürlich alle gespannt, wie die Wildbrücke sich auswirken wird. Rotwild ist clever und es wird sehr bald die Fernwechsel wieder begehen, die es vor dem Bau der Autobahn gab“, vermutet Körschgen, der schon erste positive Entwicklungen im Biotop feststellen kann, die sich auf die Reduzierung des Rotwildbestandes zurückführen lassen: „Wir haben wieder die gewünschte Verkrautung des Bodens und auch Sträucher entwickeln sich langsam wieder in Richtung optimalen Bewuchses.“

Dennoch bleibt das Gebiet ein Handlungsschwerpunkt in der gesamten Rotwildjagd. „Durch die Bewertung der einzelnen Trophäen können wir uns einen recht guten Überblick über den Zustand des Wildes und seine weitere Entwicklung machen. Das ist auch der Grund dafür, dass diese Art der Schau gesetzlich durch das Landesjagdgesetz geregelt ist“, sagt Ulrich Körschken.

Für das neue Jagdjahr — ab August wird wieder auf das Rotwild gejagt — sind im gesamten Gebiet 180 Hirsche zum Abschuss frei. Rund 120 werden davon allein in der Uefter Mark gejagt.

„Bei der Jagd wird ein Geschlechterverhältnis von 50:50 angestrebt und auch umgesetzt. Diese Vorgabe bedeutet intensive jagdliche Arbeit. Denn wir wollen ja, dass die Hirsche tagaktiv bleiben und von Besuchern des Parks beobachtet werden können“, so Körschgen. Mit durchaus vergleichbaren Problemen wie in der Üfter Mark haben die Jäger in puncto Rotwild auch im Südschwarzwald zu kämpfen. In einem fachlich fundierten Vortrag erläuterte Friederich Burghardt aus Baden-Würtemberg die dortige Vorgehensweise, die sich allerdings aufgrund der Reviergröße und der hohen Besucherfrequenz zwischen Erle und Dorsten nicht anwenden lassen.

Allerdings sehen Förster Ulrich Körschgen und auch die Mehrzahl der beteiligten Jäger gute Chancen, auch im kommenden Jagdjahr durch eine weitere Regulierung des Bestandes Fortschritte in der ökologischen Vernetzung der Gebiete zu machen. Dabei setzen die Jäger auf Konsens und Dialog mit allen beteiligten Gruppen.

Quelle: WAZ / Der Westen (Jo Gernoth)

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