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Haustiere, die etwas wiedergeben

Lembeck – Adrian Deckers (22) pflegt seit über zehn Jahren ein ungewöhnliches Hobby für einen jungen Mann: Der Student hält Hühner (und manchmal auch Enten oder Truthähne). Nicht, um sie zu züchten. Sondern um sie zu essen. „Ich wollte als Kind immer schon ein Haustier. Aber eins, das etwas wiedergibt”, sagt er lachend. Im WAZ-Gespräch erzählt er von der Kunst der Geflügelhaltung und warum ein Hähnchen aus dem eigenen Stall besser schmeckt als ein Massentier aus dem Supermarkt.

adriandeckers2011Hund, Katze, Meerschweinchen – in Ordnung. Aber wie kommt man ausgerechnet auf Hühner?

Ich wollte immer Haustiere. Aber unser damaliger Vermieter in Dorsten wollte nicht, dass wir Tiere halten. Dann sind wir nach Lembeck gezogen. Hier hat jeder Tiere. Meine Schwester Indra wollte Meerschweinchen. Ich wollte ein Tier, das etwas wiedergibt. Auf dem Lembecker Tiermarkt hab ich mir die ersten beiden Hühner gekauft, ein braunes und ein weißes. Die ersten hatten sogar Namen. Unser Vermieter, ein alter Landwirt, hat mir geholfen. Ich hatte einen Stall, eine kleine Wiese und jeden Tag ein Ei. Und dann haben mich die Hühner nicht mehr losgelassen.

Aus den zwei Hühnern ist mittlerweile ein ordentlicher Bestand geworden . . .

Im Winter sind es weniger Tiere. Ich hab’ hier keine beheizbaren Ställe wie die Mastanlagen. Aber zwischen März und Oktober sind es immer so um die 60 Tiere, zwei Bauwagen dienen als Ställe. Die Tiere haben mehrere Weiden. Und ich probiere gerne Neues aus. Im letzten Jahr hab’ ich zwei Truthahn-Küken gekauft. Das war mein Experiment 2011. Ich hab’ immer gedacht, Puten schmecken nach gar nichts. Aber die beiden sind über den Sommer auf 20 Kilo Schlachtgewicht gewachsen. Einen haben wir zu Thanksgiving mit Freunden gebraten und festgestellt: Die schmecken doch nach etwas. Diese Erfahrung ist mit keinem Geld der Welt zu bezahlen. Im Moment habe ich französische Bressé-Hühner. Die Haltung ist ganz interessant. Die bekommen ein Mais-Milch-Gemisch und kurz vorm Schlachten etwas Öl dazu, damit sie Fett im Muskelgewebe ansetzen. Die sollen sehr zart sein. Ich bin gespannt.

Sie essen Ihre Tiere?

Die Hähnchen wachsen schnell. Auf drei Kilo Gewicht – so etwas kriegt man im Laden nicht. Der Senior unserer Vermieter hat mit mir zusammen die ersten geschlachtet.

Ist das für einen Jungen nicht gruselig?

Es geht, wenn man damit aufwächst. Ich fasse die Tiere ja auch anders an. Wer das nicht gewöhnt ist, hat Angst, den Hühnern etwas zu tun. Aber das tut denen nicht weh. Der Tierarzt macht das ja genauso.

Was fasziniert Sie ausgerechnet an Geflügel?

Dass man von den Tieren etwas wiederbekommt, Fleisch und Eier. Dass die Haltung Arbeit macht, bekomme ich gar nicht mit. Das ist eben Hobby. Es ist einfach schön, Küken auszubrüten, zu sehen, wie die wachsen und am Ende zu wissen, wo das Fleisch herkommt.

Das weiß der Verbraucher bei Produkten im Supermarkt heute nicht . . .

Ja, bei Chicken Nuggets oder Wurst mit Gesichtern drauf – da erkennt der Verbraucher gar nicht mehr, dass auch dieses Fleisch mal ein lebendes Tier war. Eigentlich ist es furchtbar und traurig, dass die Leute heute nicht mehr wissen, was in ihrem Essen drin ist. Und dann müssen wir Berichte lesen über Dioxin in Eiern oder dass über 90 % des Geflügels mit Antibiotika gepäppelt werden. Aber das beflügelt mich nur in meiner Arbeit hier.

Hühner halten – wird man da als Jugendlicher von Mitschülern nicht schief angeguckt?

Nein. Das ist einfach ein außergewöhnliches Hobby. Bei einem Wissenschaftsprojekt am Petrinum habe ich eine Arbeit über künstliche Brut gemacht, ein paar Küken mit in die Schule gebracht und damit den zweiten Preis insgesamt gewonnen. Bisher habe ich nur positive Resonanz auf mein Hobby bekommen.

Urlaub machen – das ist wahrscheinlich schwierig?

Auch das geht. So viel Arbeit machen die Hühner ja nicht. Unsere Nachbarn kümmern sich dann mal. Und Zeit fürs Studium und mein zweites Hobby – Tanzen beim TTH Dorsten – bleibt auch.

Fleisch aus eigener Haltung zu essen verändert sicher das Bewusstsein für die tägliche Ernährung . . .

Als Kind haben mich einfach die Tiere fasziniert, jetzt geht es schon mehr um das Thema Fleisch und Essen. Was ich in zehn Jahren gelernt habe: „Bio” ist nicht das entscheidende Merkmal. Da kommen bei der Bio-Pute die Eier aus England, gebrütet wird in Niedersachsen, die Aufzucht findet wieder woanders statt. Da kommen beträchtliche Kilometer zusammen. Bio ist nicht unbedingt das Gute. Regionale Erzeugung ist wichtig. In unserer Familie essen alle gerne Fleisch, aber wir kaufen es heute seltener und geben dafür lieber mehr Geld aus. Und wir hinterfragen auch andere Lebensmittel. Versuchen Sie mal, ein Joghurt ohne Aromastoffe zu finden. Es gibt keins.

Die Verbraucher sind doch dem Handel ausgeliefert. Welche Alternativen haben sie denn?

Meine Homepage zeigt, wie einfach die Haltung von Hühnern ist. Das kann jeder, der ein paar Meter Wiese hat.

Wer so ein Hobby pflegt, ist vermutlich für das Stadtleben verloren . . . ?

Meine Eltern kommen aus Berlin. Bis zu meinem zehnten Lebensjahr haben wir in Bottrop gewohnt. Jetzt sind wir in Lembeck zu Hause. In der Stadt möchte ich nicht mehr leben. Nie wieder. Auch beim Studium hab ich gesagt, ich möchte hier in der Gegend bleiben. Sonst müsste ich die Hühnerhaltung aufgeben.

Hühner gelten als nicht so clever . . .

Nein, das sind durchaus schlaue Tiere. Die lernen sehr schnell. Wenn die einmal wissen, wer ihnen das Futter bringt, dann kommen die sofort angelaufen.

Vermutlich eine furchtbar doofe Frage: Wer war zuerst da, das Huhn oder das Ei?

(lacht): Die Frage kann ich nicht beantworten.

Kein Handel, aber Tipps für Geflügelfreunde

Adrian Deckers hält sein Geflügel ausschließlich als Hobby und für den eigenen Bedarf, aber nicht, um damit Handel zu treiben. Er berät allerdings gern Interessierte, die ebenfalls Hühner halten wollen. Kontaktaufnahme ist möglich über seine Homepage: www.deckers-huehner.de 

bressehuhn2Sein Lieblingsrezept: Zitronen-Poularde

Adrian Deckers Lieblingsrezept: Zitronen-Poularde – gelingt auch mit einem Hähnchen aus dem Supermarkt. Das Rezept ist für vier bis sechs Personen geeignet.
Die Zutaten:
1 Hähnchen
2 – 3 kleine Rosmarinzweige
12 Salbeiblätter
1 Lorbeerblatt
2 Knoblauchzehen, gehackt
1 Esslöffel schwarzer Pfeffer
100 ml Zitronensaft
125 ml Olivenöl
2 Biozitronen in Scheiben
1 Esslöffel Meersalz

Die Poularde – ein junges Masthuhn – in zehn Stücke zerlegen. Die Geflügelteile mit Knoblauch, Rosmarin, Salbei, Lorbeer (klein geschnitten) und Pfeffer einreiben. Mit Zitronensaft und Olivenöl beträufeln, mit Zitronenscheiben belegen und einen Tag marinieren, die Geflügelteile dabei einige male wenden. Erst danach mit Salz bestreuen.

In einer feuerfesten Form bei 200 Grad 35 bis 40 Minuten goldbraun braten, nach der halben Garzeit die abgetropfte Marinade über die Fleischteile träufeln.

Quelle: WAZ / Der Westen (Ludger Böhne)
Fotos © : www.deckers-huehner.de

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