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Lembecker am Nürburgring – Der schnelle Guido

Lembeck – Der Lembecker Autospezialist Guido Schuchert gewinnt die Rundstreckenchallenge auf dem Nürburgring: Eine nüchterne Meldung, die aber bei genauerem Hinsehen zeigt, dass Enthusiasmus und Pfiffigkeit auch schon mal den prall gefüllten Geldbeutel schlagen können.

guido_schuchertWer das Wort Rennwagen hört, denkt unweigerlich an die Millionenbudgets, die in der Formel 1 oder der DTM im wahrsten Sinne des Wortes verbraten werden. Schucherts Rennwagen war so teuer wie eine Bremsscheibe von Vettels Red-Bull-Boliden. „Die Basis ist ein oller 3-er BMW. Hat 900 Euro gekostet. Den Rest hab ich selber gemacht“, sagt Schuchert, der eine KFZ-Werkstatt in Dorsten betreibt. Will man so einen Nürburgring-Renner der Gruppe F von der Stange kaufen, ist man locker 50 000 Euro und mehr los. Der BMW von Schuchert hat knapp die Hälfte gekostet. Und mit diesem Eigenbau ist Schuchert den teuren Autos aus den Augen gefahren. Schuchert, der mit zwei Freunden das „Orange Green Racing Team“ bildet, wurde zwar vor dem Abschlussrennen als Favorit gehandelt, aber der Weg zum Gesamtsieg geriet dann doch zu einer Nervensache..

„Für den Gesamtsieg reichte der erste Platz allein nicht aus, sondern ein erheblicher Vorsprung auf den Zweiten in der Tabelle war nötig. Beim ersten Boxenstopp wäre die Sache beinahe gelaufen gewesen, denn ich bin tatsächlich mit dem letzten Tropfen Sprit in die Box gerollt“, sagt Schuchert ruhig. Mit der zweiten Tankfüllung legte der 44-jährige Lembecker dann richtig los und erreichte Geschwindigkeiten auf der Nordschleife des legendären Rundkurses, der als schönste und anspruchsvollste Rennstrecke der Welt gilt, die aufhorchen ließen. Kein Wunder: Seit 1985 hat Schuchert rund 12 000 Runden auf dem Eifelkurs gedreht. Wenn einer den Ring kennt, dann ist das Schuchert. Der kennt auch sein Auto ganz genau und aus dem Grunde wechselte der Edelschrauber in der letzten Runde des Rennens auch die Gesichtsfarbe: Kurz vor Ende des Rennens brach der Vorderachsenträger. Da an diesem Träger auch ein Motorlager befestigt ist, befand sich das auf 265 Pferdestärken hochgezüchtete Aggregat von Schucherts Rennboliden nicht mehr in der exakten Position. 

„Ich war mir schon sicher, dass ich es über die Ziellinie schaffe, aber man weiß ja nie“, sagt Schuchert, der als bester in dem rund 400 Fahrer starken Feld die Saison abschloss. „Mir geht es ums Schrauben und ums Rennen. Der Sieg ist natürlich eine tolle Sache. Meine Rennerei ist gerade noch bezahlbar, weil ich soviel selbst mache. Ich habe aber auch schon zwei Fahrzeuge total zu Schrott gefahren. Mein jetziges Auto hat TÜV und manchmal hol ich damit auch Brötchen. Ich hab nun mal Benzin im Blut“, sagt der Kfz-Meister, der seinen BMW jetzt erst einmal zerlegen und reparieren will, um dann im nächsten Jahr wieder auf die Piste zu gehen und um erneut Herr des Rings zu werden.

Quelle: 27.10.2011 WAZ / Der Westen (Jo Gernoth)

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