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Wiederentdeckung eines Kleinods

Lembeck. „Wenn wir nach Lembeck ziehen, spiel ich hier die Orgel“, so sah Michael Hartels Vorsatz aus, als er sich im vergangenen Jahr mit seiner Frau im nördlichen Ruhrgebiet auf Wohnungssuche begab. Dabei ging es dem Kantor, Chorleiter und Musiklehrer nicht um das Instrument, eine bescheidene Truhenorgel, sondern um den Ort, wo sie steht: die St. Michaelis Kapelle des Karmel Lembeck. Der gebürtige Essener hatte sofort das erkannt, was vielen Dorstenern gar nicht recht bewusst ist. Kloster und Kirchlein sind wahrlich ein schönes Fleckchen Erde, ganz wie das Karmel Gebirge in Israel, der „Weingarten Gottes“.

Das Michaelisstift am 6. Januar 2016 - Foto: Lembecker.de - Frank Langenhorst
Das Michaelisstift am 6. Januar 2016 – Foto: Lembecker.de – Frank Langenhorst

Michael Hartel ist vielen Dorstenern kein Unbekannter. Seit einigen Jahren leitet er den Männergesangverein 1948 Hervest-Dorsten und den Frauenchor „Bella Musica“ aus Schermbeck. Und das sind nicht die einzigen Gesangsgruppen. „Ja ich habe zehn Chöre“, erzählt er schmunzelnd, „das macht an jedem Wochentag zwei Chorproben“. Dafür muss der Kantor mit Staatsexamen an der Hochschule Düsseldorf ziemlich viel fahren, die Musikgruppen liegen zwischen Rhein, Ruhr und Lippe verteilt.

Als Anfang 2010 noch eine eigene Klasse im Fach Gesang an der Städtischen Musikschule in Marl dazu kam, war ein Umzug aus dem Essener Süden aus organisatorischen Gründen notwendig. 

Zwischen den grünen Wiesen des Dorstener Nordens, mit intakter Dorfgemeinschaft und besagtem Kloster wurde Familie Hartel fündig. „Als mir die Hausbesitzerin dann noch sagte, das mein Vormieter ein gewisser Belgier von einem blau-weißen Fußballverein war, stand fest: Wir ziehen nach Lembeck“, lacht Michael Hartel, schließlich ist er seit „Urzeiten“ ein Fan von Schalke 04 und hat seit der Reise zum legendären UEFA-Pokalendspiel nach Mailand sogar ein T-Shirt vom „gewissen Belgier“ Marc Wilmots.

Nach dem Beschluss, Lembecker zu werden wurde Michael Hartel dann bei der Priorin Schwester Therese Benedicta im Karmel St. Michael vorstellig, um zu schauen, ob er sich dort musikalisch einbringen könne. Noch im September letzten Jahres konnte das erste Konzert organisiert werden. Hartels Chorgemeinschaft St. Ludgerus aus Herten-Scherlebeck gastierte mit geistlicher Chormusik. Ins Internet gestellt, brachte es das Konzert auf mehr als 3000 Clicks. Aufgrund eines ausgefallenen Programmteils mit jüdischer Synagogalmusik allein über 500 aus Amerika. In Kreisen jüdischer Gemeinden an der Ostküste kursierte der Clip als Geheimtipp.

Nach dem Umzug nahm Hartel Anfang des Jahres den Platz des Organisten ein, der seit dem Tod von Schwester Anzilla verwaist war. Jeden Sonntag und jeden Feiertag erklingt um acht Uhr morgens wieder Musik zu den Messen. Die Heiligen Josef, Elisabeth, Hubertus, Maria und Michael schauen aus ihren bunten Glasfenstern in den feinen barocken Innenraum und erfreuen sich ebenso wie die Schwestern und Gottesdienstbesucher am Orgelspiel.

Michael Hartel wird in der Zukunft das musikalische Programm ausbauen und hofft, dass der Karmel zu einem kulturellen Treffpunkt für Kirchenmusik in Dorsten werden kann. Zu wenige aus der eigenen Stadt kennen dieses barocke Kleinod. Dies zu ändern ist Michael Hartel ein Anliegen. „Es ist so wunderschön hier. Wenn Schalke noch Meister wird, bin ich wunschlos glücklich“, sagt er strahlend. Bemerkenswert sympathisch das klassische Musik und Fußball kein Gegensatz sein müssen. 

18. September: Konzert mit MGV Frohsinn

Nächster Termin für ein Konzert in der St. Michaelis Kapelle ist Sonntag, 18. September, 17 Uhr. Es gastiert der MGV Frohsinn aus GE mit einer Messe von Charles Gonoud.

Karmel St. Michael – Im 18. Jahrhundert gestiftet

Die Baronin Westerholt gab im 18. Jahrhundert nach dem Tod ihres Mannes den Auftrag, ein kleines herrschaftliches Haus als Witwensitz und soziale Stiftung zu errichten. Die von Johann Conrad Schlaun erbaute angeschlossene Kapelle wurde 1727 eingeweiht. Das Stift wurde durch die Jahrhunderte vielseitig genutzt. Es war Altenpflegeheim, Kinderheim und Krankenhaus. Im Jahre 1998 zogen 11 Karmelitinnen aus Bonn-Pützchen in die renovierten Gebäude ein und der Karmel St. Michael wurde feierlich eingeweiht. Neben geistlichen Aktivitäten, Messfeiern und Gebetsstunden steht den Besuchern ein interessanter Klosterladen mit vielen Produkten zur Verfügung. Weitere Infos auf

Quelle: 09.09.2011 WAZ / Der Westen (Barbara Seppi)

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