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Irmgard Bahde war bei den Anschlägen in New York

LEMBECK/NEW YORK “Es war ein wunderbarer Herbsttag”, sagt Irmgard Bahde (75). Doch eigentlich hat sie den 11. September 2001 in schrecklicher Erinnerung behalten. Wie jeden Morgen verließ die gebürtige Lembeckerin damals ihre Wohnung in der 64. Straße in Manhattan und fuhr mit der U-Bahn Richtung Wall Street. Was dann geschah, kann Irmgard Bahde nie mehr vergessen.

irmgard_bahdeBis Samstag (10.9.) war Irmgard Bahde zu Besuch bei ihrem Bruder Heinz und seiner Frau Bernhardine in Lembeck. „Wir haben meinen Geburtstag nachgefeiert“, erklärt Irmgard Bahde lächelnd. Doch wenn es um den 11. September 2001 geht, wird sie wieder ernst und bedauert ein wenig, schon heute – kurz vor dem zehnten Jahrestag des Terrorangriffs – wieder zurück nach New York fliegen zu müssen. „Es werden wieder stundenlang die Namen der Opfer vorgelesen“, weiß die New Yorkerin. Die Gedenkveranstaltungen wecken immer schlimme Erinnerungen in ihr an den schrecklichen Tag.

Menschen kamen schreiend entgegen

Ihre Wohnung liegt ca. fünf Kilometer von Ground Zero, dem ehemaligen Standort des World Trade Centers, entfernt. Ihre Arbeitsstelle in der Niederlassung der Deutschen Bank befand sich damals in unmittelbarer Nähe der Zwillingstürme. Wie jeden Morgen fuhr Irmgard Bahde am 11. September 2001 mit der U-Bahn bis zur City Hall. Schon in der U-Bahnstation kamen ihr Menschen schreiend entgegen. „Es war wie in einem Hitchkock-Film.“ Auf der Straße herrschte Chaos, erste Berichte von einem Flugzeugabsturz machten die Runde.

Irmgard Bahde hastete ins Büro an der Wallstreet, das in der 11. Etage des Bankgebäude lag. „Gehen sie sofort nach Hause“, wurde ihr geraten. „Ich wollte nur schnell telefonieren und sagen, dass mir nichts passiert ist“, erinnert sich Irmgard Bahde. Während des Telefonats fiel der Strom aus und die Telefonleitungen funktionierten nicht mehr, gleichzeitig war die Beleuchtung erloschen und Irmgard Bahde tastete sich durch das unbeleuchtete Treppenhaus bis auf die Straße.

“Wie ein Schneesturm”

Mittlerweile war der erste Turm eingestürzt. „Es war wie im Schneesturm“, erinnert sich Irmgard Bahde. Der strahlende Septembertag war in Finsternis getaucht. „Ich konnte nichts mehr sehen“, berichtet die ehemalige Lembeckerin. Das Chaos breitete sich weiter aus, die Menschen liefen orientierungslos umher. Irmgard Bahde selbst nahm am East-River Reißaus, möglichst weit weg vom World Trade Center.

„Dann schien auf einmal die Sonne wieder“, erinnert sich Irmgard Bahde, nachdem sie eine ganze Zeit gerannt war. „Meine Haare, meine Kleidung – alles war grau von der Asche.“ Doch Imrgard Bahde befand sich in Sicherheit. Vom sicheren East-River-Ufer aus sah sie den zweiten Turm einstürzen. Sie war geschockt.

Alles war gesperrt

„In den nächsten zwei Wochen war alles gesperrt“, so die Erinnerung von Irmgard Bahde. Die Zeit nach dem mörderischen Anschlag war eine Qual. „Jeden Morgen kam ich am Stahl-Skelett des World-Trade-Centers vorbei, es war schrecklich“, erzählt Irmgard Bahde. „Monatelang drangen der Gestank der qualmenden Ruine und der Brandgeruch durch die Klimaanlagen in die Büros“, schildert Irmgard Bahde eine tief sitzende Erinnerung aus dieser Zeit.

„New York ist nicht mehr wie früher“, weiß Irmgard Bahde jetzt. Die jährlichen Gedenkveranstaltungen rütteln die Erinnerungen an den Schreckenstag aufs Neue wach. Doch die Wahl-New-Yorkerin kann sich auch an schöne Momente im Zusammenhang mit dem World Trade Center erinnern: „Oben gab es ein fantastisches Restaurant mit einem unglaublichen Blick über New York.“ Ein mulmiges Gefühl hatte Bahde in dieser Höhe stets. „Ich konnte nicht hinunterschauen.“

Quelle: Dorstener Zeitung (Rüdiger Eggert)

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