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„Wir bereichern uns gegenseitig“

Dorsten. Mit einem Festgottesdienst gründet sich am Sonntag die Seelsorgeinheit der fünf Dorstener Nordgemeinden. Die WAZ sprach mit dem leitenden Pfarrer Alfred Voss über die Kooperation von St. Urbanus, St. Laurentius, St. Matthäus, St. Barbara und Herz Jesu.

pfarrer-vossWeihbischof Dieter Geerlings hält am Sonntag (10 Uhr) den Festgottesdienst zur Gründung der Seelsorgeeinheit aus fünf katholischen Gemeinden im Dorstener Norden. Die WAZ sprach mit dem leitenden Pfarrer Alfred Voss über das neue Bündnis, über Chancen, über Kröten, die alle Beteiligten schlucken müssen. Und über den Ort des Pontifikalamtes, den Schlosspark Lembeck. „Ein neutraler Ort”, sagt Voss. „Das war uns allen wichtig.”

Haben Sie schon geguckt, wie das Wetter am Sonntag wird?

Ja, im Internet. Regenwahrscheinlichkeit 100 %. Aber ich denke, es wird nicht so schlimm. Bei etwas Nieselregen kann man auch mit dem Schirm kommen. Aber ich hoffe, dass Petrus ein Einsehen hat. Ich freu’ mich so auf diesen Sonntag, da darf ich eigentlich gar nicht ans Wetter denken.

Wie ist die Stimmung vor dem Zusammenschluss?

Gut. In der Planungsgruppe hat allen die Zusammenarbeit viel Spaß gemacht. Das heißt natürlich nicht, dass alle Hurra schreien. So eine Seelsorgeeinheit ist im Endeffekt immer eine Notlösung, um auf den Priestermangel, sinkende Kirchensteuereinnahmen und weniger Gottesdienstbesucher zu reagieren. Das darf man nicht verkennen. Ganz wichtig ist: Alle Gemeinden bleiben selbstständig. Und wir haben den Bischof darum gebeten, dass die Gemeinden auch längerfristig selbstständig bleiben können. Wenn er in Hervest und Holsterhausen gesagt hat, dass eine Fusion als nächster Schritt kein Muss ist, wie in der Presse zu lesen war, dann – denke ich – gilt das auch für uns.

Bisher hieß es von Seiten des Bistums immer, die Fusion solle der Seelsorgeeinheit in zwei bis drei Jahren folgen . . .

Ja, aber die Aussagen für Hervest und Holsterhausen waren auch für uns verblüffend. Eine Fusion zu einer Kirchengemeinde muss sich entwickeln. Dann ist das auch für die Gemeindemitglieder kein Problem mehr. Das kann auch in zehn Jahren sein. Im September gibt es ein Gespräch zwischen Vertretern der fünf Gemeinden und des Bistums. Dann wird das sicher ein Thema sein.

Sie sagen, die Planungsgruppe hatte Spaß. Spaß hat nur, wer sich von der Arbeit etwas verspricht. Welche Vorteile bietet die Seelsorgeeinheit?

Man lernt voneinander, bereichert sich gegenseitig. Wir sind sowohl als Seelsorger wie in den Gremien miteinander verbunden. Das Team der Hauptamtlichen (Priester, Diakone und Pastoralreferenten/innen ) trifft sich jede Woche, der Austausch da ist sehr interessant. Ich bin ja nicht so der Einzelkämpfer, hab’ auch früher in Duisburg schon im Team gearbeitet. Das ist für mich nichts Neues. Die Zeit des Einzelkämpfers ist vorbei. Doch nicht nur wir Hauptamtlichen, auch die Gläubigen werden bereichert. Gemeinsame Wallfahrten, Besuche von Gottesdiensten in anderen Gemeinden: Das findet alles viel stärker statt.

Sie sagen, die Einheit ist eine Notlösung. Wer muss dabei welche Kröten schlucken?

Die Gottesdienstzeiten wurden verändert. Das ist ‘ne Kröte. Und vor Ort müssen die Ehrenamtlichen mehr Verantwortung für das Leben der Gemeinde übernehmen. Die Leute müssen lernen, es ist nicht nur dann schön, wenn der Pfarrer da ist. Wir sind nur noch drei Priester für fünf Gemeinden. Da wir im Moment rotieren, verliert man als Priester auch ein bisschen seine Heimat. Das ist auch für uns ‘ne Kröte.

Haben Sie die Aufgaben schon neu verteilt?

Wir sind gerade dabei. Im Moment rotieren wir Seelsorger ganz bewusst durch die Gemeinden und geben auch absichtlich nicht bekannt, wer wann wo die Messe liest. Auf Dauer haben wir und auch die Gemeindemitglieder den Wunsch, dass jeder seine Schwerpunktkirche hat. Ob das funktioniert, müssen wir noch sehen.

Das Bistum hat einen vierten Seelsorger, einen Priester der Weltkirche, für den Dorstener Norden versprochen, um das Team zu verstärken . . .

Die Zusage steht. Wann einer kommt, ist aber offen. Das kann im Sommer sein, es kann auch Anfang 2012 werden.

Mit Gründung der Einheit soll die Amtszeit der Pfarrgemeinderäte enden und ihre Kompetenz auf einen Seelsorgerat übergehen – dieser Erlass des Bischofs hat vor wenigen Wochen für viel Unruhe gesorgt . . .

Wir haben doch schon eine „Planungsgruppe Seelsorgerat“. Die muss bestimmte Kompetenzen haben. Darum geht es dem Bistum. Die Pfarrgemeinderäte bleiben bis zum Ende ihrer Amtszeit 2013 bestehen. Und danach gibt es in jeder Pfarrei Gemeinderäte. Außerdem bleiben in jeder Gemeinde selbstständige Kirchenvorstände bestehen mit Hoheit über den Etat, über Fragen der Infrastruktur. Und das bleibt auch so bis zu einer Fusion.

Warum wird der Gründungs-Gottesdienst im Schlosspark gefeiert, nicht in einer Kirche?

St. Barbara in Barkenberg – die größte Kirche im Dorstener Norden – hat 450 Sitzplätze. Wir rechnen aber mit 1000 bis 1500 Teilnehmern, darunter allein 220 Sänger aus allen Kirchenchören. Außerdem ist das Schloss ein neutraler Ort. Das war uns im Team wichtig und von Anfang an unstrittig.

Ist der Gottesdienst mit kirchenrechtlichen Akten verbunden?

Nein, alle Seelsorger bekommen offiziell neue Ernennungen, die in diesem festlichen Gottesdienst bekanntgegeben und dann auch noch die Urkunden überreicht werden. Ab diesem Sonntag sind alle Seelsorger für die gesamte Seelsorgeeinheit ernannt und zuständig. Ansonsten soll das einfach ein festlicher Gottesdienst werden. Wir hoffen, dass Sonntag ein schöner Tag wird. Dass alle mitmachen. Dass es ein guter Start wird für die Seelsorgeeinheit.

Quelle: WAZ (Ludger Böhne)

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