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Versprechen der Generationen

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Familie Lebenstein – Foto: Archiv Lembecker.de

Lembeck. „Es hat sich in den letzten 20 Jahren soviel getan“. Gerührt steht Jeffrey Katz, Journalist aus Bethesda, einem Vorort von Washington, mit Ehefrau Mollie und den Kindern Emily und Benjamin in Lembeck vor den Stolpersteinen zum Andenken an die Familie Lebenstein, der Familie seines Vaters. „Als ich 1986 zum ersten Mal Dorsten besucht habe, waren da nur meine Frau und ich und Elisabeth Schulte-Huxel“ (Mitarbeiterin der damaligen Forschungsgruppe Dorsten unterm Hakenkreuz). In der Tat waren am Samstag einige in Lembeck zugegen, um die Familie Katz zu treffen, Freunde des Jüdischen Museums, stellvertretender Bürgermeister Heinz Denniger und Lembecker, die sich an die Familie Lebenstein erinnern.

Wir sind uns der Verantwortung bewusst

Und es hat sich viel getan in den vergangenen Jahrzehnten. Das Jüdische Museum ist entstanden, in Dorsten sind an zehn verschiedenen Orten Stolpersteine verlegt worden, das Berufskolleg ist nach Paul Spiegel, dem verstorbenen Vorsitzenden des Zentralrats der Juden in Deutschland, benannt worden. Es gibt jetzt in Dorsten Straßen, die nach jüdischen Familien benannt wurden. Auch der Familie Lebenstein ist in Lembeck mit dem „Lebensteinring“ gedacht. Heinz Denniger bittet Katz, „mit nach Amerika zu nehmen, dass sich die Deutschen ihrer Verantwortung bewusst sind“.

All das hat Jeffrey Katz sichtlich beeindruckt und er ist froh, dass er das seinen Kindern zeigen kann. „Es ist wichtig, das Bewusstsein für das Land unserer Herkunft der nächsten Generation mit auf den Weg zu geben. Unsere Familie, wie alle jüdischen Familien, war ein Teil von Deutschland. Wenn wir die Beziehung nicht aufrecht erhalten und versuchen, zu vergessen, dann haben die Nazis im Nachhinein gewonnen“.

Es freut ihn, dass er bei seinem jetzigen Besuch einige Worte mit Josef Langenhorst wechseln kann, der als Kind im Haus gegenüber der Familie Lebenstein aufgewachsen ist. Neugierig fragt er, wie es im Haus ausgesehen hätte und Langenhorst erinnert sich gerne. „Ich war ein kleiner Junge und fast jeden Tag zu Besuch. Im Eingangsbereich gab es einen wunderschönen großen Schrank und auf einem Podest stand ein siebenarmiger Leuchter. Es gab immer Geschenke für uns Kinder von der Berta.“ Berta Lebenstein wurde zusammen mit ihren Geschwistern Selma und Hugo im Januar 1942 deportiert, sie sind später im KZ Riga ermordet worden. Sie waren die Großtanten von Jeffrey Katz Vater Rudy, der 1939 von Essen in die Vereinigten Staaten ausreisen konnte.

Jeffrey Katz und seine Familie beschlossen ihren Besuch in Lembeck mit einem gemeinsamen Gebet unter dem Straßenschild „Lebensteinring“, ein Gebet des Dankes, wenn man alte Freunde nach langer Zeit wieder trifft. Und Jeffrey und Mollie nahmen ihren Kindern Emily und Benjamin, die 17 und 15 Jahre alt sind, das Versprechen ab, dass sie ihre Kinder ebenfalls nach Dorsten zu einem Besuch bringen werden. „Naja, das wird dann aber erst so in 25 Jahren der Fall sein“ lacht Benjamin Katz.

Quelle: WAZ (Barbara Seppi)

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