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Zahl der Hauptschulanmeldungen erreicht Minusrekord

Lembeck / Dorsten – Nach Ende der drei Hauptanmeldetage wurden an den drei Hauptschulen der Stadt erst 65 Kinder für den neuen fünften Jahrgang nach den Sommerferien angemeldet: 13 Kinder für die Laurentiusschule in Lembeck, 21 für die Dietrich-Bonhoeffer-Schule im Zentrum Pliesterbecker Straße und 31 für die katholische Geschwister-Scholl-Schule auf der Hardt.

673_Laurentiusschule_3_1Die Schülerzahl an den Hauptschulen ist damit vom Sink- in den Sturzflug übergegangen. Der Schulentwicklungsplan von 2006 hatte für dieses Jahr noch 139 Anmeldungen und sechs fünfte Klassen prognostiziert – mehr als doppelt so viele.

Kräftig daneben – allerdings in umgekehrter Richtung – lag der Plan auch bei den Realschulen: Die Klausener-Schule bekam in diesem Jahr 66 Anmeldungen, prognostiziert waren 38. An der Hauptmann-Schule meldeten sich 62 Kinder, 48 waren vorhergesagt.

Offiziell läuft das Anmeldeverfahren noch bis zum 18. März. Nach den „Hauptanmeldetagen“ ist aber insgesamt nur noch mit geringen Veränderungen zu rechnen.

Die Verwaltung werde dem Schulausschuss (tagt heute um 16 Uhr im Rathaus) eine aktuelle Tischvorlage zu den Zahlen präsentieren, kündigte der stellvertretende Stadtsprecher Carsten Feldhoff an.

Kommentar: Der vorhersehbare Absturz

Über die Gründe für den Absturz der Hauptschulen muss nicht lange gerätselt werden: Die bis zum letzten Jahr verbindliche Empfehlung der Grundschulen für die weiterführende Schule und die „Deckelung“ der Gesamtschule Wulfen auf höchstens sechs Klassen pro Jahrgang haben die bei Eltern ungeliebte Schulform künstlich stabilisiert. Mit Abschaffung der verbindlichen Empfehlung sind ihr die Kinder nun in Scharen davon gerannt. Besonders empfindlich trifft das die Laurentius-Schule. Ihr hat auch nicht geholfen, dass die Stadt Hunderttausende in das Gebäude gesteckt hat und weitere in den Schulhof investieren wird.

Die Stadt steht nun vor den Trümmern ihrer Hauptschulpolitik – die politisch aus schwarz-roten Ideologiegefechten unter Ausblendung der demografischen Realität und praktisch aus Kostenerwägungen bestand, statt seriös den Elternwillen zu erkunden und danach ein Angebot zu gestalten.

Die vertane Zeit wird kaum noch aufzuholen sein.

Durch einige Nachmeldungen stellt sich die Situation an den Dorstener Hauptschulen (siehe oben) etwas besser dar. Dass es nach dem Absturz der Anmeldezahlen Handlungsbedarf gibt, stellten die Parteien im Schulausschuss am Dienstag aber übereinstimmend fest.

Die beste Nachricht gab es für die Laurentiusschule in Lembeck: Dort hätten sieben weitere Eltern Anmeldungen angekündigt, berichtete Dezernent Gerd Baumeister. Mit dann 20 Fünftklässlern wäre zumindest eine Eingangsklasse gesichert. Wäre es bei 13 geblieben, hätte selbst diese in Frage gestanden. An der Scholl-Schule werden durch vier Nachmeldungen (jetzt 35) im Sommer zwei fünfte Klassen möglich. An der Bonhoeffer-Schule blieb es bis gestern bei 21 Anmeldungen.

Christian Heddier (CDU) wies darauf hin, dass die Entwicklung zu erwarten war, nachdem seit Dezember die Empfehlungen der Grund- für weiterführende Schulen nicht mehr verbindlich sind. Er stellte zudem fest, dass „Empfehlung und Wahlverhalten der Eltern auseinander fallen.“ Es gebe „eine Bewegung nach oben“. Die Stadt müsse mit einer neuen Schulplanung reagieren – allerdings nicht überstürzt: „Wir sollten geordnet vorgehen, erstmal die Zahlen von 2006 auf den neuesten Stand bringen.

Herbert Rentmeister (Sprecher der Grundschulen im Ausschuss) mahnte dennoch zur Eile: Eine Hauptschule könne nur funktionieren, wenn eine Trennung in die Abschlüsse 10 A und B möglich sei. Diese Differenzierung beginne schon in Jahrgang 7 und sei mit nur einer Klasse schwierig. Die Stadt müsse „zügig deutlich machen, wie sie die Förderung in A und B sicher stellen will.“

Cordula Syed (SPD) kündigte einen Antrag auf eine Sondersitzung des Schulausschusses an. Die Sozialdemokraten wollen dann über die Gründung einer Gemeinschaftsschule diskutieren.

Quelle: WAZ (Ludger Böhne)

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