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Bezirksbeamter geht in Ruhestand

Lembeck/Rhade. Wer im Lexikon den Begriff „Bezirksbeamter“ nachschlägt, sollte nicht überrascht sein, dort ein Foto von Hermann Fockenberg zu finden. Zum Jahresende geht der „Wachtmeister Wichtig“ von Lembeck in Rhade, wie er sich selbst augenzwinkernd nennt, in den Ruhestand. Viel zu früh, werden nicht wenige sagen, zieht der 60-Jährige die Uniform aus. Dass sein Nachfolger in große Fußstapfen tritt, hat nicht nur mit der Schuhgröße des Beamten zu tun.

Hermann Fockenberg, Bezirksbeamter für Lembeck und Rhade, geht in Ruhestand. Foto: Ralph Heeger
Hermann Fockenberg, Bezirksbeamter für Lembeck und Rhade, geht in Ruhestand. Foto: Ralph Heeger

Bürgernah sein, präsent sein, das waren die Ziele, als Mitte der 1990er-Jahre der „Bezirks- und Ermittlungsdienst“ eingerichtet wurde. Lembeck/Rhade wurde das Revier von Fockenberg. „Eigentlich war ich da mit Mitte 40 noch zu jung für den Job“ erinnert er sich. Damals wie heute sind die Stellen begehrt aus Ausweg aus der Schichtarbeit im Wach- und Wechseldienst.

Dass der gebürtige Feldmärker, der seit 1976 in Deuten wohnt, ziemlich schnell in seinem Revier bekannt wurde, war weniger seinem offenen Naturell als dem Vespa-Roller geschuldet, den ihm die Polizeipräsidentin spendierte. Das Gefährt bewegte den Hünen zwar nur knapp über Schrittgeschwindigkeit, dafür gab er aber unter seiner Helm-Halbschale eine wahrlich bemerkenswerte Figur ab.

Manchen Scherz und Frotzeleien hat Fockenberg weggesteckt, weil schließlich alles seinem Ziel näherbrachte: Kontakte knüpfen, mit den Menschen ins Gespräch kommen, die kleinen Konflikte des Alltags lösen ohne den großen Dienstweg. „Wenn einer auf so einem Gefährt kommt, dann gucken alle“, sagt er. „Viele von meinen Kollegen könnten damit nur schwer umgehen. Für mich war das genau das Richtige.“

Sein Revier befuhr Hermann Fockenberg bald flotter motorisiert mit einem nicht minder auffälligen BMW C1-Roller, war präsent bei Sprechstunden im Lembecker Pfarrheim und im Rhader Carola-Martius-Haus. Mit Charly Lann vom Ordnungsamt im Schlepptau „konnten wir vieles regeln und einfach umsetzen“, erinnert er sich.

Eigentlich, sagt er, „leben wir doch da in einer heilen Welt.“ Dem Bürger beizubringen, „dass Rhade nicht untergeht, nur weil einer am Bahnhof gekifft hat“, auch das gehörte manchmal mit dem nötigen Fingerspitzengefühl dazu. Hermann Fockenberg kann das einordnen. Acht Jahre erlebte er in der Duisburger Hundertschaft die raue Seite des Polizeialltags in den Fußball-Stadien des Ruhrgebiets, ehe er nach einem Jahr in Recklinghausen 1983 einer der Beamten der ersten Stunde in der Barkenberger Wache wurde.

Mit in den Ruhestand nimmt er die Erinnerungen an die vielen Schützenfeste, bei denen er in Abstimmung mit den Vereinen die Verkehrsregelungen organisierte. „Das ist mehr Arbeit, als man denkt. Aber da haben sich viele Kontakte ergeben.“ Etwas schwierig war’s, dann nicht mit anzustoßen auf ein gelungenes Fest. Vielmehr galt es, die Gesänge der Schützen gelassen zu ertragen. „Grün-weißer Partybus“ lautet das Lied beim Anblick des Polizei-Bullis. „Ist doch nicht böse gemeint“, weiß der Bezirksbeamte.

Langweilig wird’s für Hermann Fockenberg nicht ab dem 1. Januar. Fit halten wird er sich, im Studio, auf dem Tennisplatz und auf dem neuen Fahrrad. Das Nachbarschaftsfest rund um die eigene Garage gilt es zu organisieren. Auf das Lembecker Schützenfest freut er sich schon. „Da marschier’ ich mit. In der Seniorenabteilung.“

Der grün-weiße Roller steht im Keller der Wache. Für den Nachfolger. Der bekommt von Hermann Fockenberg noch einen Tipp mit auf den Weg in sein Revier: „Dazugehören, das muss man sich erarbeiten. Es fällt nicht vom Himmel.“


Nachfolger für Lembeck und Rhade

„Mit Hermann Fockenberg geht ein lebendes Lexikon in den Ruhestand“, bedauert Egon Bartker, der Leiter der Wulfener Polizeiwache. Er unterstreicht die Bedeutung der Ortskenntnis der Bezirksbeamten für viele Ermittlungen der Regionalkommissariate im Polizeipräsidium.

Lembeck und Rhade werden auch künftig „ihren“ Bezirksbeamten haben. Die Nachfolge von Fockenberg sei grundsätzlich schon geregelt, so Bartker. Allerdings könne der neue Beamte noch nicht vorgestellt werden, weil es möglicherweise noch zu einem internen Tausch von Positionen kommt.

Quelle: WAZ (Martin Ahlers)

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