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Brandstiftung im Museschoppen

Lembeck. Die Brandstiftung im Museschoppen am Heimathof hat Bestürzung und Wut ausgelöst. Das Gebäude muss vermutlich kernsaniert werden, wird als Domizil für Heimatverein und Gäste lange nicht zur Verfügung stehen.

hv-museschoppenbrandFranz-Josef Loick blickt grimmig in ein düsteres Loch im Boden auf Sand. Die Eichendielen sind durchgebrannt, die schweren Trägerbalken darunter angekokelt, Wände und Decken verrußt. Nahe am Brandherd steht eine Kaffeemaschine, besser: Was übrig blieb. Das Plastik ist geschmolzen. Die Brandstiftung im Museschoppen habe unter den Mitgliedern Bestürzung und ohnmächtige Wut ausgelöst, sagt der zweite Vorsitzende des 600 Mitglieder starken Heimatvereins. Der materielle Schaden ist lange nicht so hoch wie bei den ebenfalls gelegten Feuern in der Bonifatiuskirche Holsterhausen und der Gesamtschul-Turnhalle in Wulfen. Der ideelle Schaden für den Ortsteil allerdings dürfte eine ähnliche Dimension erreichen.

Man sieht in dem historischen Schuppen gut, wie das Feuer gelegt wurde: In der Raummitte haben die Täter Brennstoff ausgeschüttet, eine Spur zur Tür gelegt und von dort gezündelt. Der Verein hatte noch doppeltes Glück: Die Feuerwehr war blitzfix am Heimathof. Und: Die Täter haben die Tür wieder zugemacht. Sonst hätte das Feuer Luft gekriegt und wäre rasch groß geworden. So wurde zumindest die Außenhülle des historischen Gebäudes gerettet.

Der Schuppen ist Keimzelle des Heimathofs

Der Fachwerkbau ist typisch für die Region, steht auf kurzen, steinernen Beinen. Mäuse können da nicht hochklettern und Getreidevorräte plündern. Ein Museschoppen eben. 1997 wurde er in Wessendorf ab- und am Krusenhof wieder aufgebaut als Keimzelle des Heimathofes.

Besonders wütend macht die Lembecker, dass aus Jux und Tollerei etwas zerstört wird, in das viele Menschen viel Herzblut, Zeit und Energie gesteckt haben. Gerade wächst zwischen Schoppen und Spieker ein neues Backhaus. Ein gutes Dutzen Helfer ist jeden Dienstag auf der Baustelle tatkräftig, andere werben um Unterstützung für das Projekt. Loick: “Wir sind seit Monaten nonstop unterwegs. Am Sonntag haben wir noch beim Sommerfest der Biostation Brot verkauft, um etwas Geld zu verdienen. Und dann wird man am Montag morgen um 5 Uhr so dafür belohnt. Dabei haben wir eigentlich Arbeit genug.”

Gebäude soll schnell saniert werden

Erste Gespräche mit der Versicherung hat Loick geführt. Der Schoppen ” Domizil des Vereins und von Gästen gern für Veranstaltungen genutzt ” soll so schnell wie möglich wieder hergestellt werden. “Wir brauchen den Schuppen”, so Loick. Wie aufwändig die Sanierung wird, ist vollkommen unklar. Die eingebaute Küche sei Schrott, Verkleidungen an Decken und Wänden müssten wohl raus. Was vom Inventar, darunter viele historische Dokumente und Gegenstände, noch zu retten ist, muss Stück für Stück geprüft werden. Loick: “Das wahre Ausmaß werden wir erst sehen, wenn wir gelüftet haben.” Klar ist schon, dass die Brandstiftung viele Pläne über den Haufen wirft. “Wir werden viele Termine absagen müssen.”

Ganz vergangen ist den Lembeckern das Lachen gleichwohl nicht: Auf einem Tisch im Schuppen steht eine volle Flasche Korn, von außen verrußt. “Der ist noch gut”, sagt einer aus dem Verein. “Der ist jetzt doppelt gebrannt . . .”

Quelle: WAZ – Ludger Böhne
Foto: WAZ, Franz Meinert

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