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Schnellfahrer bitte merken: RE-VU 121

Dorsten – Nach 14 Jahren Dienst ist der wohl bekannteste, zugleich unbeliebteste und profitabelste Mitarbeiter der Stadtverwaltung vor einigen Tagen in den Ruhestand gegangen: Ein weinroter, mittlerweile ziemlich abgeschabter Ford Escort, Kennzeichen RE-H 8757. Bekannt auf Dorstens Straßen als Blitzwagen.

revu121Autofahrer müssen sich nun an einen neuen – und weit unauffälligeren – Tempowächter gewöhnen. Seit kurzem blitzt das Rotlicht der Kamera „Traffipax“ (Verkehrsfrieden), geladen mit einer Filmrolle für 410 Aufnahmen, aus einem silber-metallic lackierten Ford Tourneo connect, Kennzeichen RE-VU 121.

Die Kamera kann wie bei dem alten Wagen durchs Heck oder seitwärts durch die Beifahrerseite zielen. Ausgelöst wird die Kamera, wenn der Schnellfahrer noch 12 bis 15 Meter entfernt ist.

Was passieren wird mit dem alten Möhrchen (160 000 Kilometer auf dem Tacho), ist noch nicht geklärt. Der Lieferant des neuen Wagens schätzt den Restwert auf ein paar hundert Euro. Klar ist nur: Ein letztes Mal soll der alte Geld bringen, sagt Rolf Köllmann, Chef des Ordnungsamtes. Vielleicht gibt’s ja Liebhaber für Blitzwagen, die nicht mehr blitzen können.

Geld verdient hat das alte Auto reichlich, 3 039 306,60 Euro, um genau zu sein. Auch nach Abzug der Anschaffung (damals 25 000 D-Mark fürs Auto und 129 0000 für die Kamera, zusammen 75 000 Euro) sowie aller Personal- und Verwaltungskosten bleibt noch etwas übrig. Köllmann: „Geld mitbringen mussten wir nicht.“

Knapp 150 000 Tickets (statistisch zwei für jeden Dorstener) wurden nach Fotos aus dem weinroten Escort ausgestellt, 137 000 Verwarnungen und über 11 000 Bußgelder. 695 Raser düsten so fix an dem Wagen vorbei, dass sie zeitweise den Führerschein abgeben mussten, listet die Bilanz auf. Sabine Radau vom Fahrerteam fällt spontan ein Rekordraser ein, der mit Tempo 104 über die B 58 in Wulfen flitzte. Am Freudenberg hatte mal jemand 123 Sachen auf dem Tacho. Erlaubt war in beiden Fällen Tempo 50.

Der neue Wagen war mit 12 000 Euro preiswert. Die teure Kamera ist die alte. Sie soll im Einsatz bleiben, so lange noch Filmrollen lieferbar sind. Da immer mehr Überwachungslinsen auf Digital-Fotos umstellen, wird das aber nicht mehr ewig so sein.

Die Ausbildung für die Besetzung des Radarwagens haben in der Verwaltung sechs Mitarbeiter, drei als Hauptfahrer, drei als Vertreter. Unsere „Stand-Men“ flachst Köllmann. Abwechselnd sorgen sie dafür, dass der Wagen an 40 Stunden in der Woche von Montag bis Samstag, von frühmorgens bis spätabends auf der Straße zu sehen ist. Alle haben noch andere Aufgaben bei der Stadt. Köllmann: „Den ganzen Tag nur auf der Kiste zu sitzen, das ist grauselig.“

Das Radarteam soll große Präsenz im Stadtgebiet sicher stellen. Aber, darauf legt Dorstens oberster Ordnungshüter wert, Autofahrer nicht abzocken. Köllmann: „Sonntags morgens an der Schule – das kommt bei uns nicht in die Tüte.“ Im Vordergrund steht, die Sicherheit im Straßenverkehr zu erhöhen. Geblitzt werden darf darum nur an festgelegten und mit der Polizei abgestimmten Gefahr- und Unfallstellen, viele davon an Schul- und Kindergartenwegen. Die aktuelle Liste umfasst knapp 160 Einsatzorte. Einer davon ist seit einiger Zeit nicht mehr rentabel: Seit die A 31-Ausfahrt Rhade zum Kreisverkehr umgebaut wurde, rast dort kaum noch jemand . . .

Quelle & Foto: WAZ (Ludger Böhne)

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