DORSTEN – Die Stadt hatte Vertreter aller Schützenvereine zum Gespräch über Lärmbelästigung und Sperrzeiten bei Festen eingeladen. Mit dem Ergebnis kann kein Schützenverein zufrieden sein.

Der abrupte Abbruch des diesjährigen Schützenfestes in Wulfen kurz nach Mitternacht gab den Anstoß zu dem Treffen im großen Sitzungssaal, bei dem die Stadtverwaltung die geltende Rechtslage bezüglich des Landesemissionsschutzgesetzes vortrug und erläuterte. In Wulfen hatten sich zum diesjährigen Schützenfest zugezogene Anwohner über die Lautstärke der feiernden Schützengemeinde beschwehrt und die Polizei gerufen. Ein Skandal dahin gehend, dass einige zugezogene Städter scheinbar den Sinn einer gemeinschaftlich feiernden Gemeinde verkennen und in egoistischer Manier auf die Ausläufer einer pauschalen Gesetzesentgleisung pochen. Wer aus der Stadt aufs Land in eine “Gemeinde” zieht (Gemeinde = Gemeinschaft), sollte wenigstens an einem Wochenende innerhalb 1-2 Jahre die Fünf gerade sein lassen und sich mit einer friedlich feiernden und stimmungsgeladenen Gemeinde solidarisieren.
Wer dann doch an einer chronischen Volksfestphobie leidet, dem kann man dann auch einen kleinen Wochenendausflug an diesem besagten Volksfestwochenende zumuten. Viele Schützenvereine und Schützen sind sogar bereit, die Ausflugskosten für Querulanten zu übernehmen um „ungestört“ feiern zu können. Eine gemeinschaftliche Tradition festigt den Zusammenhalt einer Gemeinde und kann nicht immer zu 100% mit einer aus der Ferne niedergeschriebenen Gesetzgebung konvergieren.

Planungs(un)sicherheit

„Unsere Genehmigungen entsprechen den rechtlichen Vorgaben, die für dreitägige Traditionsveranstaltungen von hoher Wertigkeit jeweils 1 Uhr nachts, für vier aufeinander folgende Festtage jeweils 24 Uhr als Grenze festlegen“, referierte der zuständige Dezernent Gerd Baumeister die Regeln zum Lärmschutz anwohnender Nachbarn.

Dass von den Schützen angeführte Gegenargument, in allen angrenzenden Städten von Kirchhellen über Schermbeck, Raesfeld, Erle, bis hin zu Haltern und Reken seien aber Sperrzeiten bis 3 Uhr nachts erlaubt, lässt Baumeister nicht gelten: „Dies entspreche nicht den rechtlichen Vorgaben“.

“Steine statt Brot”

„Man gibt den Schützen Steine statt Brot, wenn man ihnen rechtswidrige Genehmigungen erteilt, die im Ernstfall vor dem Verwaltungsgericht schnell entlarvt werden. Unsere rechtskonformen Genehmigungen bieten den Schützen dagegen den Vorteil der Planungs- und Rechtssicherheit“, hofft Baumeister bei den meisten Schützenvereinen auf überwiegende Akzeptanz gestoßen zu sein.

Gemeinschaftliche Lösung im gesetzlichen Einklang gesucht

Bei den Wulfener Schützen offensichtlich noch nicht in Sicht: „Eigentlich hatte man uns versprochen, eine Lösung analog zu den anderen Städten zu finden und jetzt wird eine Kehrtwende von 180 Grad gemacht“, wundert sich Hubert Schäpers, Vorsitzender der Wulfener Schützen, warum in seiner Gemeinde verboten ist, was in anderen Gemeinden selbstverständlich läuft.

In Ruhe wolle man jetzt weiter nach anderen Lösungen suchen: „Das nächste Schützenfest in Wulfen findet erst in zwei Jahren statt“, sagt Schäpers, „bis dahin bleibt uns ja noch etwas Zeit.“ Das nächste Schützenfest in Lembeck findet im kommenden Jahr wieder eine Woche nach Pfingsten statt. Bis jetzt bewiesen Anwohner im weiten Radius des Lembecker Schützenfestplatzes feierfeste Akzeptanz, aber was wird aus dem größten Jahresevent, wenn auch nur einer mit einem Paragraphen den Stimmungsmarathon vergiftet?

Quelle: Dorstener Zeitung & Lembecker.de (F.L.)