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Ein richtiger Kleinbetrieb

Die Lembeckerin Inka Sickert (37) engagiert sich seit zwölf Jahren in der Tierhilfe Fuerteventura für Hunde und Katzen.

waz_inkasickertSo einfach geht das: „Wer nicht schussfest ist, wird ausgesetzt”, sagt Inka Sickert (37). Und wer ausgesetzt wird, landet irgendwann in einer der Auffang- und Tötungsstationen. 21 Tage dürfen die Hunde dort auf ein neues Herrchen warten. Ansonsten ist der 22. Tag in der Station zugleich der letzte ihres Lebens.

Zu ihren Nutzhunden pflegen die Bewohner der Kanareninsel Fuerteventura ein sachliches Verhältnis.

Die Lembeckerin Inka Sickert kennt die Insel seit Kindertagen von Urlaubsreisen mit den Eltern, kennt den Mangel an Tierliebe bei den Einheimischen, war 1997 Mitbegründerin der Tierhilfe Fuerteventura, leiht dem eingetragenen und als förderungswürdig anerkannten Verein seit sechs Jahren ihre Adresse als Sitz und führt als zweite Vorsitzende ein Unernehmen, das mittlerweile „ein richtiger Kleinbetrieb” geworden ist.

12 000 Euro bringen die rund 300 Mitglieder in Deutschland jeden Monat auf durch Beiträge (mindestens 31 Euro im Jahr), Vermittlungs-Schutzgebühren (280 Euro für große Hunde, 210 Euro für Welpen; Kastration, Impfung, Micro-Chip und Flug sind im Preis enthalten) und Spenden.

Mit dem Geld werden vier Tierheime auf der Insel unterhalten: Zwei der berüchtigten gemeindlichen Auffangstationen hat der Verein übernommen (Sickert: „Da wird jetzt vermittelt, nicht getötet”), betreibt ferner eine Welpen- und Quarantäne-Station sowie ein Katzenheim. Rund 350 Tiere sind ständig in Betreuung.

Gut 3000 Euro zahlt der Verein im Monat für die hauptamtlichen Tierbetreuer auf der Insel, der Rest des Budgets ist für Medikamente, Futter, Arztrechnungen erforderlich. In Deutschland arbeiten alle Mitarbeiter ehrenamtlich für die Tierhilfe. „Da sind auch Leute bei, die noch nie auf Fuerte waren und die Tiere gar nicht kennen”, freut sich Inka Sickert über jedes Engagement.

Die Eltern der Lembeckerin sind schon lange Fuerte-Fans. „Ich war schon als Kind mit auf der Insel. Das war damals noch ein Insider-Tipp, und da war nichts los”, erzählt sie lachend. Schon damals hat die Familie versucht, bei Urlauben einzelnen Tieren in Not zu helfen. Wie viele andere Urlauber auch. Die Insel ist klein. „Guck mal, die Sickerts helfen. Das sprach sich ‚rum, man lernt sich kennen. 1997 haben wir dann die Tierhilfe gegründet”, erzählt die Vizechefin des Vereins.

Zwei besondere Hunderassen stehen im Mittelpunkt der Arbeit: Die Podencos, Jagdhunde, die nur für die zwölf Tage dauernde Jagdsaison gehalten werden und den Rest des Jahres in der Einöde vor sich hin vegetieren. „Schlanke, sehr sensible Tiere, gut in der Familie zu halten. Aber sie haben einen natürlichen Jagdtrieb, müssen meist an der Leine bleiben”, beschreibt Inka Sickert die Tiere. Und die Hütehunde Bardinos, die Haus und Hof bewachen, ebenfalls oft unter erbärmlichen Bedingungen. Sickert: „Das sind Schutz- und Familienhunde, die Fremde melden. Sie sind ihren Familien sehr, sehr treu.”

Auf Fuerte werden die Tiere erbarmungslos aussortiert. Die Tierhilfe nimmt sie auf, behandelt Krankheiten, finanziert Impfungen und Kastration, schickt sie schließlich in hundeerfahrene Pflegefamilien in Deutschland, wo sie manchmal bleiben, in der Regel aber nach der Eingewöhnung vermittelt werden.

Der Verein ist immer auf der Suche nach Unterstützung. Helfen können Tierfreunde nicht nur durch Spenden und Mitgliedschaft. Immer benötigt werden deutsche Pflegestellen für Tiere, die hier vermittelt werden sollen, Krankheiten auskurieren müssen oder im Rudel gemobbt werden. Kosten für die Unterbringung können übernommen werden, schöner wäre, wenn Tierfreunde die Hunde unentgeltlich auf Zeit aufnehmen. Gesucht werden außerdem Mitarbeiter für die Vor- und Nachkontrolle bei Vermittlungen.

Warum sie das alles mit organisiert? „Wenn man die Tiere kennt und die Auffangstationen gesehen hat, dann weiß man, wofür man’s macht . . .” Mit Diablo, Kimba und Lumes hat Inka Sickert selbst drei kanarische Hunde zuhause.
Infos im Internet

Der Verein kümmert sich ausschließlich um Tiere auf der Kanareninsel und betreibt in Deutschland kein Tierheim. Infos gibt es telefonisch unter 02369 / 200 350 oder im Internet auf der Seite www.tierhilfe-fuerteventura.de

Quelle: WAZ – Ludger Böhne

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