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Schweinegrippe: Die ersten Ärzte behandeln nur noch Notfälle

DORSTEN Immer mehr Menschen aus Dorsten erkranken an Schweinegrippe. Das hat nun auch Konsequenzen für die ärztliche Versorgung in der Stadt..

aerztehaus-01Seit Anfang der Woche behandelt Dr. Jörg Lippert nur noch akute Fälle. Darauf weist ein Schild am Eingang seiner Praxis an der Bahnhofstraße hin (siehe Fotos unten). Der Allgemein-Mediziner aus Lembeck reagierte damit auf eine Anweisung des Recklinghäuser Gesundheitsamtes.

Dr. Lippert hatte am vergangenen Freitagmorgen einen Patienten behandelt, der „aus südlichen Gefilden zurückgekehrt war und grippeähnliche Symptome aufwies“. Am Abend dann die Bestätigung, dass er sich mit dem H1N1-Virus infiziert hatte. Der Arzt und seine Mitarbeiterinnen mussten sich daraufhin am Samstag in Dortmund selbst einem Test unterziehen. Ergebnis: Niemand hat sich angesteckt, aber in den nächsten Tagen gelten verschärfte Hygiene-Vorschriften.

Das Risiko ist gering

„Wir dürfen nur noch mit Mundschutz arbeiten und müssen weiße Kleidung tragen“, beschreibt Dr. Lippert eine Konsequenz. Und: Bis Ende der Woche werden in seiner Praxis tatsächlich nur medizinische Notfälle versorgt. So will es das Gesundheitsamt, um die Ansteckungsgefahr zu minimieren. Dr. Lippert beruhigt indes: „Das Risiko ist äußerst gering, niemand muss sich Sorgen machen.“

Das ist auch der Tenor des Rhader Allgemeinmediziners Dr. Friedrich Carl Heine. Die wichtigste Verhaltensmaßregel, die er im Moment den Bürgern geben würde? „Keine Angst zu haben.“ Und das, obwohl er damit rechnet, dass bis Ende der Woche die Zahl der Infizierten allein in Rhade die Zehn überschreitet. Bislang, so Heine, seien noch keine Angehörigen von Urlaubern angesteckt worden und die Krankheitsverläufe äußerst harmlos.

Mediziner lässt Vorsicht walten

Auch in Heines Praxis tragen alle Mitarbeiter Mundschutz, seit am Dienstag der vergangenen Woche der erste Urlauber mit Neuer Influenza unangekündigt in die Praxis erschien. „Wir hatten uns darauf eingestellt. Aber jede Praxis sieht alt aus, wenn der Betroffene sich nicht vorher anmeldet, und sagt, dass er aus dem Urlaub kommt.“

Obwohl auch Heine Anfang der Woche einen leichten Schnupfen verspürte 
(„Ich bin beim Joggen in einen Regenschauer gekommen und richtig nass geworden“) ist er nicht infiziert, wie er aus einem Test erfuhr. Dennoch lässt der Mediziner lieber Vorsicht walten: „Man will mit seiner Praxis ja auch nicht zum Brandbeschleuniger für das Dorf werden.“

Bei Verdacht Ruhe bewahren

Dr. Stefan Möllhoff , Sprecher der Dorstener Ärzte, appellierte an die Bevölkerung, bei einem Verdachtsfall Ruhe zu bewahren und mit seinem Hausarzt telefonisch einen Termin zu vereinbaren. Damit die Ansteckungsgefahr möglichst minimiert werde und nicht womöglich Praxen für eine Woche komplett geschlossen werden müssten.

Am Mittwoch, so Möllhoff, seien die Dorstener Ärzte um 16 Uhr zu einem Runden Tisch ins Kreishaus nach Recklinghausen eingeladen, um über das weitere Vorgehen zu beraten. 

Dorstener Zeitung am 21. Juli 2009: 
Fünfköpfige Familie an Schweinegrippe erkrankt

DORSTEN Eine fünfköpfige Familie aus Rhade ist an der so genannten Schweinegerippe erkrankt. Seit Freitag gibt es nach Angaben des Gesundheitsamts 16 neue Fälle und 40 Verdachtsfälle im Kreis Recklinghausen.
Darüber hinaus betreut das Gesundheitsamt eine Vielzahl von Kontaktpersonen. “Bisher waren die Krankheitsverläufe eher milde, und die Betroffenen sind fast ausschließlich junge Erwachsene, die am vergangenen Wochenende vom spanischen Festland und Mallorca zurückgekehrt sind”, sagte Petra Pohlmann, Sprecherin der Behörde.

Isolierung in häuslicher Umgebung

Zumeist war eine Isolierung in häuslicher Umgebung möglich für den Zeitraum, in dem die Betroffenen als ansteckungsfähig zu gelten haben, d.h. für Erwachsene sieben Tage und für Kinder zehn Tage nach letztem Kontakt zum Kranken. “Alle engen Kontaktpersonen müssen genau befragt werden, im Hinblick auf den Schutz der eigenen Gesundheit, aber auch dazu, ob es im privaten oder beruflichen Umfeld Personen mit erhöhtem Risiko gibt”, so Pohlmann am Dienstag. Dazu gehören Betreute im medizinischen und pflegerischen Bereich und Personen mit abgeschwächter Immunabwehr.

Dank der guten Zusammenarbeit sei es bisher gelungen, alle bekannt gewordenen Patienten mit A /H1N1 ärztlich zu versorgen. Für die Diagnose werden bestimmte Testverfahren eingesetzt, die nicht von allen Ärzten durchgeführt werden und spezielle Schutzvorkehrungen erfordern.

Schnelle Rückmeldung nach Test

In vielen Fällen gelingt es noch am selben Tag, eine Ergebnisrückmeldung vom Labor zu erhalten. Dadurch lassen sich manche Maßnahmen für Kontaktpersonen vermeiden oder Quarantänemaßnahmen verkürzen. Pohlmann: “Nur wenn sich die Bevölkerung so verständig und aufmerksam wie bisher verhält, wird sich der Schaden eindämmen lassen.”

Kreis Recklinghausen
Noch viele Verdachtsfälle 

25 bestätigte Fälle von Schweinegrippe gibt es derzeit laut Dr. Ulrike Horacek im Kreis Recklinghausen.
Das ist aber nur die Spitze des Eisbergs.“ Denn viele Betroffene würden nicht zum Arzt gehen, um Einschränkungen wie Quarantäne zu entgehen. Bei 50 Verdachtsfällen wartet das Kreisgesundheitsamt derzeit auf Laborbefunde.

In Dorsten seien es vergleichsweise viele Fälle, gibt Horacek zu. Sieben Fälle sind allein in Rhade verifiziert, sagt Dr. Friedrich Carl Heine. Bei drei Personen warte man auf das Testergebnis. Eine Prognose, wie weit die Grippe sich ausbreiten wird, könne sie derzeit nicht geben, sagt Dr. Horacek.

Interview
Es besteht kein Notstand! 

DORSTEN Dr. Ulrike Horacek, die Leiterin des Gesundheitsamts des Kreises Recklinghausen, erklärt die wichtigsten Verhaltensweisen. 
Müssen sich Patienten darauf einstellen, dass Arztpraxen demnächst komplett geschlossen werden?
Dr. Horacek: Zuerst einmal: Es besteht kein Notstand! Aber wenn ein Arzt an der Grippe erkrankt ist, darf er nicht tätig sein. Dann würden wir auch Praxen schließen. Jeder Arzt weiß aber, wie er sich zu schützen hat.

Wenn ein Arzt ungeschützten Kontakt zu Erkrankten hatte, ordnet dann das Gesundheitsamt an, wie die Praxis weiter zu führen ist?
Dr. Horacek: Das wird immer im Einzelfall vereinbart. Dr. Heine in Rhade etwa ist sofort aktiv geworden, hat die Kontaktpersonen getestet, hat gleich gesagt, dass er mit Mundschutz weiter arbeiten werde. Das ist eine enorme Leistung. Hut ab!

Warum sind vergleichsweise viele Menschen in Lembeck und Rhade von der Schweinegrippe betroffen?
Dr. Horacek: Das ist damit zu erklären, dass einerseits eine Familie infiziert wurde. Und eine Reisegruppe von Jugendlichen mit dem Bus aus ihrem „Abi-Entspannungsurlaub“ zurückkehrte.

aerztehaus-02Aushang:
Praxis Dr. med. Chr. Holtz / Dr. med. J. Lippert
Fachärzte für Allgemeinmedizin
Dorsten Lembeck

Lembeck, 18.07.2009
Sehr geehrte Patienten,
wir bitten um Ihr Verständniss, dass durch den in unserer Praxis aufgetretenen und diagnostizierten Fall von
Neuer Influenza (genannt „Schweinegrippe“)
besondere Auflagen vom Gesundheitsamt Recklinghausen bis zum 24.07. gemacht wurden:
– bei Grippesymptomen (z.B. Gliederschmerz, Fieber, Halsschmerz)
vorher in der Praxis anrufen / bzw. klingeln
– Behandlung möglichst nur von Akuterkrankungen

Danke für Ihr Verständnis

Öffnungszeiten in den Sommerferien
7.00 bis 10.00 Uhr und 14.30 bis 17.00 Uhr
Mittwochnachmittag geschlossen

Bereits am 5. Juli wurde der erste Schweinegrippefall in Dorsten gemeldet.
“Es handelte sich um ein 17 Jahre junges Mädchen aus Dorsten, das sich ein Jahr lang in den USA aufgehalten hat“, erläutert Dr. Hermann Thomas , zuständiger Infektiologe am St. Elisabeth-Krankenhaus. Möglicherweise habe sich seine Patientin auf ihrem Rückflug nach Deutschland am 4. Juli, bei einem Mitfluggast mit der Neuen Influenza, wie die Schweinegrippe genannt wird, angesteckt. 

Genaue Infos über die Schweinegrippe erhalten Sie in dieser Wikipedia-Info .

Weitere Infos zum Lembecker Fall folgen.

Quelle & Fotos: Dorstener Zeitung & Lembecker.de / Frank Langenhorst – 19-21.07.2009

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