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Sturmschäden – Dauerstress für Dachdecker

Foto: Lembecker.de - Frank Langenhorst

Nur die Ruhe bewahren

Foto: Lembecker.de - Frank Langenhorst
Foto: Lembecker.de – Frank Langenhorst

Was muss eigentlich passieren, um die Lembecker Familie Meister aus der Fassung zu bringen? Ein Orkan, so viel ist mal klar, reicht nicht.
Seit 20 Jahren leben Andreas und Bettina Meister in dem Haus am Lembecker Ortsrand. Kurz vor Weihnachten haben sie es samt dem riesigen Grundstück endlich von einer Erbengemeinschaft gekauft. Und nun das: Umgestürzte Bäume haben das Familienauto und den alten Wohnwagen zertrümmert. Die Hundehütte, gerade erst gebaut, ist ein Fall für den Sperrmüll. Der neue Zaun, kaputt. Und was machen die Eheleute? Sie lächeln, schmunzeln, machen Witzchen. „Naja, wir können es ja eh nicht ändern. Und uns und unseren Kindern ist ja schließlich nichts passiert.“
Und den vielen Tieren auch nicht. Die Graupapageien in den beiden Volièren zwitschern, als wäre nichts geschehen. „Ich habe ein Auto und den Trecker als Windschutz davorgestellt“, erklärt Andreas Meister. Die beiden Pferde kamen im Stall wie durch ein Wunder ungeschoren davon. Rundherum sind Bäume umgestürzt. Hunde, Katzen, Hühner – sie alle nahmen keinen Schaden. Auch nicht die Frettchen in ihrem Käfig. Andreas und Bettina Meister haben am Abend gemeinsam einen Kontrollgang gemacht – „das war ziemlich unheimlich“ – und dann ein Gläschen Rotwein getrunken. Zur Beruhigung und wohl in der Gewissheit, gut versichert zu sein.
Nachbar Heinz Gladen hatte auch viel Glück am Donnerstagabend. Ein umgestürzter Baum hat seinen Stall nur touchiert. Doch die Freude hält sich mit Blick auf andere Bäume in Grenzen. „Die sind alle angeschlagen. Beim nächsten Sturm könnten sie kippen.“ – dieb

Dachdecker Droste im Dauerstress

Wie auch bei anderen Dachdeckerbetrieben stand das Telefon am Freitag bei der Dachdeckerfirma Droste aus Lembeck nicht still. Zu allem Übel kam in den Mittagsstunden noch eine Telekomstörung hinzu, die jeden Anrufer ein Besetztzeichen bescherten. Aber auch nach Behebung der Verbindungsstörung dürften die meisten Anrufer wohl den Besetztton gehört haben, das Telefon klingelte alle paar Sekunden.
Hunderte von Aufträgen wurden per Telefon, Fax und Email entgegengenommen, ohne dass jemand diese mit terminlichen Versprechungen versehen konnte. Das Dachdeckerteam ist nonstop am ganzen Wochenende im Einsatz und man versucht möglichst allen zu helfen.

Kein Signal im Satellitenfernsehen

Der Orkan „Kyrill“ knickte nicht nur Bäume um und riss Dachziegel herunter, er verdrehte auch so manche Sat-Anlage. Etliche Anrufe kamen am Freitag von Fernsehfans und manch einer kriegte Panik, weil er am Nachmittag auf die Flimmerkiste und damit vermutlich auf die Flut der Talk- und Gerichtsshows verzichten musste. Man könnte annehmen, dass ein komplett abgedecktes Dach oder der verwüstete Garten nicht so schlimm sind, wie der temporäre Verzicht auf den Fernsehempfang. Aber auch hier sind die Techniker im Dauerstress und versuchen nach und nach die Antennenanlagen wieder zu richten. Für die Übergangszeit heißt es Ruhe bewahren und ggf. mal ein Buch zum Lesen in die Hand zu nehmen.

Rotoren stehen still

Heinz Thier ist Geschäftsführer der Windenergie Lehmberg GmbH und freut sich eigentlich über eine steife Brise für seine Anlage am Emmelkamp.
Hallo, Herr Thier. War wohl ein bisschen viel Wind, oder?
Thier: – Allerdings. Um 20.50 Uhr hat am Donnerstagabend unser Windmesser in 114 Meter Höhe eine Spitzengeschwindigkeit von 46,9 m pro Sekunde gemessen. Das entspricht 168,84 km/h.
Aber da liefen die Rotoren doch wohl nicht mehr.
Thier: – Nein, nein. Die Rotoren drehen sich automatisch aus dem Wind und schalten sich bei 32 Meter pro Sekunde selbstständig ab. Das war so gegen 16 Uhr. Nach Mitternacht war´s dann ruhiger, wir konnten wieder starten.
Und? Lief alles reibungslos. Thier: – Absolut, die Anlage ist so ausgerichtet, dass selbst bei einem Orkan nichts passieren kann. Schäden gab es also nicht, wohl aber Ertragsausfall. Aber wenn man sieht, was am Donnerstag so alles passiert ist, kommen wir gut damit klar.
Mit Heinz Thier sprach am Freitag Stefan Diebäcker.

Zwei Wehrleute verletzt

Dorsten – Sie sperrten Straßen und Fußwege, zersägten umgestürzte Bäume, entfernten lockere Ziegel von den Dächern, pumpten überflutete Keller leer. Bürgermeister Lambert Lütkenhorst bedankte sich gestern Morgen bei allen Helfern für ihren unermüdlichen Einsatz. Mehr als 300 Mal rückte die Feuerwehr bis um 4 Uhr am Freitagmorgen aus. Zwei Wehrleute mussten in der Nacht mit Knochenbrüchen ins Krankenhaus gebracht werden; ihnen will der Bürgermeister persönlich danken.
Der städtische Bauhof unterstützte die Wehr mit zehn Mitarbeitern bis um 3 Uhr, der Entsorgungsbetrieb spülte fast bis Mitternacht verstopfte Gullys frei und durchstach Straßengräben, um Überflutungen zu verhindern. Bis 0.30 Uhr saß Gisela Deelmann am Notfall-Telefon des Ordnungsamtes, dann hatte sich der Sturm weitgehend gelegt. Schon zu dieser Zeit reifte die Erkenntnis: Es hätte alles noch viel schlimmer kommen können.
Die Feuerwehr – Schermbeck – fuhr mit drei Zügen und 60 Leuten 67 Einsätze. „Fast immer mussten umgestürzte Bäume zerlegt werden, um die Straßen frei zu räumen“, berichtet Pressesprecher Hubert Große-Ruiken. In Uefte wurde das Dach eines Bungalows vom Sturm abgetragen und beschädigte ein Nachbarhaus. Gahlen – und Raesfeld – waren am Donnerstagabend zeitweise ohne Strom, Schermbeck-Damm – gestern Abend noch immer.
Weil Besuchern durch abgebrochene Äste Gefahren drohen könnten, hat die Stadt den Friedhof Schultenfeld – vorsorglich geschlossen. Die Arbeiten liefen am Freitag mit Hochdruck, damit die Grabstätten so schnell wie möglich wieder zugänglich sind.
Aus Sicherheitsgründen ist der Raesfelder Tiergarten – westlich des Schlosses komplett geschlossen worden. „Zunächst müssen wir die umgestürzten Bäume an den Zäunen wegschneiden, damit das Wild nicht ausreißen kann“, erklärte Geschäftsführer Bernward Wienholt. Spätestens am Dienstag soll der Tiergarten wieder freigegeben werden. – dieb/WEC/kdk

Kälber unter Trümmern

Dorsten – Heinrich Fuest hatte nichts gehört. Der Wind pfiff ja so laut ums Haus. Dann schellte sein Nachbar Heinrich Kiekenbeck an. „Ein Baum ist auf Deinen Stall gestürzt.“
Donnerstagabend, 20 Uhr. Orkantief „Kyrill“ fegt über Dorsten hinweg. Schleudert Ziegel von den Dächern, entwurzelt Bäume. Auch die über 20 Meter hohe Eiche an der Grundstücksgrenze von Heinrich Fuest. Der mächtige Baum stürzt am Wedenhof auf einen Stall, begräbt ein knappes Dutzend Kälber unter sich.
„Ein Tier war sofort tot“, sagt der Bauer. Die übrigen machten sich die ganze Nacht hindurch lautstark bemerkbar, doch Heinrich Fuest und seine Nachbarn trauten sich nicht hinein. „Es könnte alles einstürzen.“ Erst am späten Freitagvormittag kam die Rettung. Die Tiere wurden von der Feuerwehr teilweise per Hand und in Säcken über das eingestürzte Dach ins Freie gebracht.
Heinrich Fuest konnte sich trotzdem kaum beruhigen. „Wir haben mehrfach die Stadt darauf hingewiesen, dass der Baum krank ist und gefällt werden muss. Aber nichts hat sich getan.“ Nun ist der Schaden enorm, aber der Bauer hatte wohl noch Glück. Zwei Stunden, bevor der Baum umkippte, hatte seine Frau die Tiere noch gefüttert… – dieb

Wälder sind für Spaziergänger tabu

Dorsten – Per Allgemeinverfügung hat gestern das Forstamt Recklinghausen das Betreten sämtlicher Wälder bis Dienstagmorgen, 8.30 Uhr, aus Sicherheitsgründen verboten und als Ordnungswidrigkeit unter Strafe gestellt.
„Den Stadtwald Barloer Busch, Hasselbecke und Judenbusch hatten wir sofort gesperrt, weil nach wie vor halb entwurzelte Bäume umstürzen können und das Betreten der Wege lebensgefährlich wäre“, erklärt Stadtförster Bernhard Dieckmann von Blanckenburg, „nun aber dürfen vorerst nur Forstarbeiter und Jäger Dorstens Wälder betreten.“ Das Ausmaß des Schadens, den Orkan Kyrill angerichtet hat, lässt sich noch nicht beziffern. Aber nach den ersten Eindrücken ist der Forstfachmann sicher, dass der Sturm mindestens ebenso schlimm gewütet hat wie 1990 der Orkan Wiebke.
„Das Spektrum reicht von abgeknickten Baumkronen und kleineren Baumgruppen, die umgeworfen wurden, bis hin zu kompletten Fichtenwäldern, die der Sturm auf einem Hektar Fläche völlig verwüstet hat“, zieht Dieckmann von Blanckenburg eine erste Bilanz. Die Aufräumarbeiten laufen auf vollen Touren. Wege werden freigelegt, Gefahrenherde beseitigt, bevor dann mit dem allgemeinen „Großreinemachen“ begonnen werden kann.
Besonders unangenehme Folgen bescherte Kyrill Anwohnern am Besenkamp in Lembeck-Beck. Sie mussten der idyllischen Lage ihrer Häuser im Wald Tribut zollen. Denn der Sturm kappte die Stromleitung und schnitt neben dem Telefon auch die Wasserversorgung ab – viele Häuser im Außenbereich werden über Elektropumpen versorgt. – kdk

19. Januar 2007 | Quelle: Dorstener Zeitung & Lembecker.de

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