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Kapelle strahlt in neuem Glanz

Lembeck – Die Hutkrempe vom heiligen Rochus strahlt in leuchtendem Gold, auch der Saum des Gewandes der hl. Barbara zeigt sich in wahrhaft glänzender Verfassung: “Sehen sie nicht wunderbar aus?”, freut sich Schwester Elisabeth über die gelungene Renovierung der Michaeliskapelle in Lembeck.

Sechs Wochen lang mussten die 15 Schwestern des Karmel St. Michael auf das “Herzstück” verzichten. “Zum Chorgebet und zur Heiligen Messe sind wir in den großen Raum an der Pforte ausgewichen”, berichtet die Priorin des Konvents von dem Provisorium, das mit der feierlichen Wiedereinweihung der Kapelle am 9. November ein Ende fand.

Schmutz muss weg

Die dringend notwendige Renovierung des kleinen, aber feinen Gotteshauses ließ sich nicht länger aufschieben, hatte seit der letzten Säuberung vor rund 25 Jahren der Zahn der Zeit doch mächtig an der schmucken Innenausstattung genagt. “Der Schmutz muss weg”, befand auch Ferdinand Graf von Merveldt, in dessen Privatbesitz sich dieses barocke Kleinod befindet. Seine Vorfahrin Anna Theodora Freifrau von Westerholt zu Lembeck hatte sich weiland nicht lumpen lassen und keinen geringeren als den berühmten Barockbaumeister Johann Conrad Schlaun (1695-1773) mit dem Bau der Kapelle betraut, die durch den Münsteraner Weihbischof Ferdinand Oesterhoff am 29. September 1727 geweiht wurde.

Wie alles, was alt ist, erlebte auch die Kapelle, die unter dem Patronat des Drachen besiegenden Hl. Michael steht, eine wechselvolle, stürmische Geschichte: Wegen politischer Unruhen vorübergehend in den “Ruhestand” geschickt, wurde sie 1830 wieder instand gesetzt. Das dazugehörige Stift wurde später als Kranken- und Waisenhaus, als Altenpflege- und Kinderheim genutzt. 1995 gab Graf von Merveldt aus ökonomischen Gründen die Schließung des Stifts bekannt. Drei Jahre später läuteten elf Karmelitinnen aus Bonn-Pützchen mit ihrem Einzug ins Michaelisstift eine neue Ära ein.

Rundumputz

Für den Rundum-Herbstputz musste die Firma Lohbreyer in der leer geräumten Kapelle zu allererst ein Gerüst aufbauen, um die Bildfenster zu reinigen und an die Deckengemälde in neun Meter Höhe heranzureichen. “Die Deckengemälde mit Szenen aus der Offenbarung des Johannes, wie dem Kampf des Erzengels Michael mit dem Drachen, sind wohl das einzige, das noch aus der Erbauerzeit stammt”, erklärt Sr. Elisabeth, die regelmäßig interessierte auswärtige Besucher durch das beliebte Gotteshaus führt. Der neue Anstrich lässt das Innere in Weiß und hellem Gelb erstrahlen, auch der Sternenhimmel in der Apsis musste dem hellen Pinselstrich weichen.

“Wir haben natürlich bei der Renovierung mitgeholfen”, erklärt Schwester Elisabeth – und das nicht nur mit “barer Münze”: Ob Franziskus, Barbara und Rochus – alle hölzernen Heiligenfiguren reinigten die Karmelschwestern mit eigener Hand und tupften neues Blattgold auf Hutkrempe und Rocksaum.

Wundermittel

Einige mit der Restauratorenkunst beschlagene Ordensfrauen erklommen sogar höchstpersönlich das Baugerüst, um das große Verkündigungsbild an der Altarwand vom Schmutz zu säubern. Welches Wundermittel auf dem Lappen die angestaubten Heiligenscheine wieder so wunderbar erstrahlen ließ, verrät die Ordensfrau erst nach kurzem Zögern: “Starkbier”, schwört sie schmunzelnd auf die reinigende Kraft des Gerstensaftes.

Den Heiligen scheint das kleine Schlückchen aus der Starkbierflasche nicht geschadet zu haben, im Gegenteil – sie strahlen selig um die Wette. – Anke Klapsing-Reich –

Heiligabend findet im Karmel St. Michael um 24 Uhr die Mitternachtsmesse statt; Eucharistiefeier am 1. und 2. Weihnachtstag jeweils um 8 Uhr. –

22. Dezember 2006 | Quelle: Dorstener Zeitung

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