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Erste Urlaubsfahrten führten nach Lembeck

Dorsten – Die ersten historischen Urlaubsfahrten mit der Reichsbahn führten nach Lembeck und Wulfen. In ihrer Studie “Mit der Reichsbahn ins Blaue”, herausgegeben von der Deutschen Gesellschaft für Eisenbahngeschichte e.V. (DGEG) hat sich die Tübinger Historikerin Margarete Kollmar auf die Spuren dieser populären Tourismusform in den 1930er Jahren begeben und sie von ihren Anfängen 1932 bis zur ihrem Ende 1938 verfolgt. Als Mitglied des bundesweiten Netzwerks zur Frauengeschichte vor Ort “Miss Marples Schwestern” suchte sie so viel wie möglich auch über Frauen als Teilnehmerinnen dieser Fahrten in Erfahrung zu bringen – und machte Dorstens Gleichstellungsbeauftragte Vera Konieczka auf die historischen Anfänge in Lembeck und Wulfen aufmerksam.

Sommerzeit – Reisezeit. Der 29. Juni 1932 war ein ganz besonderer Tag. An ihm startete die damalige Reichsbahn ihre erste Fahrt ins Blaue. “Wollen Sie nicht auch mitfahren? Ausflugs-Sonderzug nach X am 29. Juni, 3. Wagenklasse. 50% Fahrpreisermäßigung. Einsteigebahnhof Essen HBF. Abfahrt 12.40 Uhr Rückkunft 20.08 Uhr. Beschleunigte Fahrt in eine reizvolle Landschaft. Kurze lohnende Waldwanderung mit sonst nicht gebotenen Besichtigungsgelegenheiten” hatte sie auf Plakaten in Essen geworben. Unbekannt war das Fahrziel, günstig der Fahrpreis (1,80 Reichsmark für Hin- und Rückfahrt).

Mit 800 Fahrgästen setzte sich Zug Nr. 2139 am 29. Juni 1932 – dem damaligen gesetzlichen Feiertag Peter und Paul – um 12.40 Uhr vom Essener Hauptbahnhof aus in Richtung Münsterland in Bewegung. Erst nach der Abfahrt wurde das Rätsel gelüftet, als Schaffner erschienen und Reiseführer verteilten – Ziel: “Herrlichkeit Lembeck”.

Während die einen in Lembeck ausstiegen und von dort über den Schlosspark nach Wulfen wanderten, waren die Fahrgäste der anderen Zughälfte aufgefordert, in Wulfen auszusteigen und den Weg in umgekehrte Richtung zu nehmen.

Für die Reichsbahn war die erste Fahrt ins Blaue sowie die vier folgenden im Ruhrgebiet ein durchschlagender Erfolg, so dass noch im selben Jahr die Reichsbahndirektionen Nürnberg und München nach dem selben Konzept “Blaufahrten” anboten.

02. Juli 2006 | Quelle: Dorstener Zeitung

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