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Arglosen gründlich geschröpft

Rhade/Lembeck – Er hatte sein Opfer ganz in der Hand. Mal presste er ihm hohe Geldbeträge ab, mal nötigte er ihn dazu, Handyverträge für ihn abzuschließen.

Doch die Anklage gegen einen 26-Jährigen aus Rhade steht auf wackligen Füßen. Denn das Opfer ist nach Aussagen seines Vaters geistig schwerbehindert.

Richterin Regine Heinz sah sich nach der gestrigen Fortsetzung der Hauptverhandlung dazu gezwungen, erneut zu vertagen. Sie ordnete ein Glaubwürdigkeitsgutachten an. Es soll nachweisen, dass der Hauptbelastungszeuge in der Lage ist, mindestens drei der insgesamt sechs angeklagten Erpressungen zu rekonstruieren.

Die Vorsitzende des Erweiterten Schöffengerichtes hatte trotz des zurzeit ungewissen Ausganges des Verfahrens überhaupt keinen Zweifel daran, „dass an der Anklage was dran ist“.

Staatsanwältin Stefanie Ross wähnte sich gar im falschen Film. Eine ähnliche Opfer-Täter-Konstellation hatte sie erst kürzlich in einem anderen Verfahren miterlebt. „Es ist eine besonders schäbige Tat, wenn man die Arglosigkeit anderer in so extremer Weise ausnutzt“, war sie sich mit Richterin Regine Heinz einig.

Der 26-Jährige soll laut Anklageschrift zwei Monate lang seinem Opfer hohe Geldbeträge abgeknöpft haben, jeweils unter der Androhung, ansonsten Gewalt anzuwenden. Aus Angst vor dem Bekannten sah sich das Opfer gezwungen, Kredite bei der Bank aufzunehmen, um die Wünsche des jungen, kokainsüchtigen Rhaders zu befriedigen. Erst als seine Verwandten merkten, dass mit ihm etwas nicht stimmte, rückte das Opfer mit der Sprache heraus.

Gemeinsam vergnügt

Der 26-Jährige indes bestreitet heftig, seinen wehrlosen Bekannten erpresst zu haben. „Ich habe ihn auch nicht bedroht“, beteuerte er. Die Geldübergaben seien freiwillig und ohne Nötigung erfolgt, gab er zudem an. Mit dem „Freund“ sei er sogar zusammen in ein Bordell gefahren, dort habe man sich gemeinsam vergnügt.

Die heftigen Vorwürfe gegen ihn sind damit lange nicht aus der Welt. Zumal Richterin Regine Heinz eine weitere Anklage gegen den 26-Jährigen erhalten hat. Drogenhandel in 80 Fällen wird ihm zur Last gelegt. „Da könnte ein ganz schönes Päckchen auf Sie zukommen“, meinte die Staatsanwältin zum Angeklagten. – eng

23. März 2006 | Quelle: Dorstener Zeitung

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