Werbepartner

Bedrohtes Biotop

Lembeck – Sie kümmern sich seit 1990 mit großem Engagement um Naturschutz und bedrohte Tiere, Pflanzen und Landschaftsformen. Wenn aber der Rotstift weiter wütet, steht die Biologische Station bald selbst auf der roten Liste der akut gefährdeten Arten.

Foto: Lembecker.de - Frank Langenhorst
Foto: Lembecker.de – Frank Langenhorst

„Wir mussten bereits 2004 eine Etat-Kürzung von zehn Prozent hinnehmen. Und jetzt drohen weitere Reduzierungen von 13 bis 17 %!“ Eigentlich müssten die Sorgenfalten von Hermann Kottmann an Zahl zunehmen wie die Jahresringe der Bäume.

Denn der Leiter der Biologischen Station des Kreises Recklinghausen mit Sitz in Lembeck weiß nur zu gut, dass mit den Geldern aus der Öffentlichen Hand das Personal nicht mehr bezahlt werden kann. Dabei ist das sechsköpfige Team bereits aufs Mindestmaß geschrumpft, wenn das Aufgaben-Spektrum halbwegs abgedeckt werden soll: „Überstunden-Vergütungen oder Freizeit-Ausgleich sind schon lange nicht mehr möglich.“

Diese starke Beanspruchung begrenzt auch die Möglichkeiten, dass sich die Bio-Station beispielsweise durch Expertisen etwas dazu verdient. Spenden von Naturfreunden, Seminarteilnehmern oder Besuchern werden immer wichtiger. Zumal eine ungute Entwicklung droht: „Wenn Jugend-, Sozial- oder Kulturbereich vom Sparzwang betroffen sind, wird schnell auf den Naturschutz verwiesen“, fürchtet Kottmann, „dessen Anteil umfasst aber bloß 0,4 % des Landeshaushaltes – damit lässt sich das Defizit nun wirklich kaum verringern.“

Und die Biologische Station leistet wirklich eine Menge für ihr Geld. Sie kümmert sich um die mehr als 2000 Hektar umfassenden Naturschutzgebiete des Kreises, durch die Lippeauen mit 5,5 % der Gesamtfläche überdurchschnittlich viel. Diese Fläche zu erhalten, Veränderungen zu beobachten und auf Entwicklungen zu reagieren, erfordert ein regelrechtes „Gebietsmanagement“ und eine umfassende Kartografierung. Dazu kommt die intensive Beratung der Landwirte, die Flächen ökologisch bewirtschaften. Vor allem aber hat sich herumgesprochen, dass in der Bio-Station kompetente Ansprechpartner zur Verfügung stehen. Veranstaltungen, Exkursionen und Tagungen häufen sich, 80 Schulklassen und 40 Vereine waren im letzten Jahr zu Gast. Und die Zahl der Anfragen, wächst ständig. BSE, Schweinepest, Vogelgrippe: Häufen sich die Reizthemen in den Nachrichten, dann schwillt die Fragen-Flut: Sie wird ebenso genährt von Politikern wie von besorgten Eltern.

Außerdem hat sich herumgesprochen, dass nördlich der Lippramsdorfer Straße in Lembeck mitten im Wald ein reizvolles Ziel auf Familien und Gruppen, Radwanderer und Spaziergänger wartet – nicht nur, weil man dort eine Pause machen und eine Toilette aufsuchen kann. Die Dauerausstellung der Bio-Station hat sich ebenso zum Magneten entwickelt wie der reizvolle Bauerngarten. Es gibt viel zu sehen und zu lernen, für Naturfreunde und solche, die es werden wollen.

Wie aber können diese der Bio-Station am besten helfen“ Kottmann: „Solidaritätserklärungen helfen leider wenig. Wichtiger ist es, den Mandatsträgern und Politikern deutlich zu machen, das Naturschutz für viele Menschen ein wichtiger Faktor ist – auch an der Wahlurne!“ – kdk

Die Bio-Station Im Höltken 11 ist montags bis donnerstags von 8.30 bis 16.30 Uhr, freitags bis 15.30 Uhr und sonntags von 14 bis 18 Uhr geöffnet (ab 1. Mai bis 31. Oktober). Infos: Tel.02369/77505 und www.biostation-re.de

03. März 2006 | Quelle: Dorstener Zeitung

Hinterlasse jetzt einen Kommentar

Kommentar hinterlassen