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Hilfe oft nicht richtig verteilt

Lembeck – Die Fischer von Negombo konnten sich keinen Reim darauf machen. Das Meer, ihr Meer verhielt sich so komisch.

Weit weg von der Küste war es auf einmal, das konnte nichts Gutes bedeuten. Sie warnten die Menschen, die nichtsahnend über den nun freien Meeresboden liefen, riefen die Priester herbei und beteten einen Rosenkranz. Und auf einmal war das Wasser wieder da.

Henning Schulte-Huxel hat die dramatischen Minuten miterlebt, als die Tsunami-Welle über Sri Lanka hereinbrach. Der junge Lembecker arbeitete vor einem Jahr für Rotenkeil.net, einem Netzwerk gegen Kinderprostitution, als Zivildienstleistender in der Küstenstadt Negombo, 40 Kilometer nördlich von Colombo. In einem Kloster und Internat der Salesianer-Mönche kümmerte sich der 20-Jährige damals um Straßenkinder, Waisen und missbrauchte Jungen und Mädchen.

Wassermassen

“Während alle im Kreis standen und beteten”, erinnert sich Henning Schulte-Huxel an den Beginn der Katastrophe, “hatte ich mich vom Meer weggedreht. Doch als ich mich wieder umdrehte, war es plötzlich da und stieg extrem schnell an.” Die Menschen versuchten vor den Wassermassen zu fliehen. Sie schrien und weinten, mussten alle über eine schmale Straße laufen. “Ich hatte die vier Kinder verloren, die uns begleitet hatten. Doch zum Glück erkannten mich einige Leute und halfen mir, die Kinder zu finden, mit denen ich dann weit weg vom Strand am Auto der Fathers wartete.” Später kehrte Henning Schulte-Huxel noch einmal zurück, half mit, die Boote der Fischer und das, was die Menschen in ihrer Panik zurückgelassen, in Sicherheit zu bringen.

Flüchtlingslager

In den darauf folgenden Tagen wurde in dem Kloster ein Flüchtlingslager eingerichtet, da viele Einwohner ihre Häuser verloren hatten oder aus Angst nicht mehr zu ihren Häusern zurück wollten. “Anfangs mussten wir uns um die weitere Evakuierung der Menschen kümmern, da mit weiteren, noch größeren Wellen gerechnet wurde.” Henning Schulte-Huxel war es vorbehalten, den Kontakt nach Deutschland und in alle Welt zu halten, Emails zu beantworten, Berichte zu schreiben, Anträge zu stellen, “weil nur wenige Leute gut Englisch oder Deutsch konnten”.

Natürlich machten sich seine Familie und Freunde Sorgen um ihn, “auch wenn ich ihnen versichert hatte, dass es mir gut geht”. Jederzeit hätte er seinen Dienst abbrechen können, doch das kam für ihn nicht in Frage. “Ich war dort und wollte helfen. Ich hätte mich nicht wohl gefühlt, wenn ich einfach gegangen wäre.”

26. Dezember 2005 | Quelle: Dorstener Zeitung

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