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Mit ´nem Pott Farbe ist es nicht getan

Lembeck. Im Gotteshaus wird gebaggert. “Erst war´s schon komisch”, lacht Pfarrer Alfred Voss. “Aber ich hab´ mich dran gewöhnt.” Bis ins neue Jahr wird die St. Laurentius-Kirche umfassend saniert.

ku06-03Vor drei Wochen haben die Arbeiten am größten Kirchenumbau der letzten Jahre in Dorsten begonnen. Schon jetzt sieht´s richtig nach Baustelle aus. Die Orgel liegt in Kisten verpackt auf der Empore, die Fenster sind abgeklebt, die Kirche wurde restlos ausgeräumt bis auf den kostbaren Hochaltar im Seitenschiff, der nicht bewegt werden kann. Mitarbeiter der Baufirma Streppelhoff (Dorsten) haben mit zwei Baggern bereits die früher erhöhte und von der Gemeinde getrennte Altarplattform abgerissen.

Bei einer Besprechung mit dem Kirchenvorstand am Dienstag hat Architekt Ralf Badura mit Schnüren abgesteckt, wie der Altar künftig stehen wird: Auf einer Höhe mit der Gemeinde, näher an den Gottesdienstbesuchern. Von der Decke baumelt am Schnittpunkt von altem und neuem Kirchenschiff ein Lot. Genau dort wird der Platz der “Mensa” sein. Die alte Altarplatte aus schwarzem Marmor (“Anröchter Dolomit”) wird dafür aufgearbeitet.

Badura betont, es handele sich vor allem um eine technische Sanierung: “Nur mit einem Pott Farbe ist es nicht getan.” Der Putz zeigt Risse, die Wände sind rußig grau, Heizung und Dachtragwerk müssen saniert werden. Und noch von der Kirchenerweiterung 1936 stammt die Elektro-Installation. “Die ist abgängig”, erläutert der Architekt. Das Bistum Münster habe darauf hingewiesen, bei solchen umfassenden Maßnahmen die Kirche gleich liturgisch anzupassen, heißt: Den Altar näher an die Gemeinde zu rücken.

Bis in die nächste Woche dauern Abbruch und Demontage noch, dann werden die neuen Ebenen eingebaut. Um der Gemeinde einen Blick auf den Umbau zu geben, ist dann ein Tag der offenen Tür geplant, bevor das Schiff von innen komplett eingerüstet wird. “Erst danach machen wir die Elektro-, Putz- und Malerarbeiten”, erläutert Badura. Erst zum Schluss werden die neuen (teils alten) Böden verarbeitet. Alle noch guten Sandstein-Platten werden wieder verwendet. Mit der Fertigstellung der Kirche rechnet Ralf Badura Anfang 2006.

Baukosten von 1,4 Mio E hatte der Architekt zunächst kalkuliert, nach den Ergebnissen der Ausschreibungen kommt die Gemeinde voraussichtlich mit 1 Mio E aus. “Wir waren selbst erstaunt”, sagt Pfarrer Voss. Bis jetzt passt der Kostenrahmen. Viele Aufträge konnten an Lembecker Firmen vergeben werden.

Unproblematisch läuft bis jetzt der “Ausweichbetrieb” des Kirchenlebens im Pfarrheim. Ein zusätzlicher Gottesdienst pro Wochenende gewährleistet, dass das Notquartier nicht aus allen Nähten platzt. Sondergottesdienste wie Hochzeiten und Ehejubiläen weichen aus nach Reken, Deuten, Wulfen oder in die Michaelis-Kapelle.

Die anfängliche Kritik im Dorf an den Bauplänen ist indes stiller geworden. “So eine Kirche”, sagt Architekt Ralf Badura, “ist doch über die Jahrhunderte immer im Umbruch.”

23.06.2005 – Quelle: WAZ – Von Ludger Böhne / Bild: Lembecker.de

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