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Makellose Flötentöne

Lembeck – Der Wahlsonntag hatte der bisher zuverlässigen Akzeptanz der städtischen Konzertveranstaltungen einen kleinen Einbruch beschert. Doch dem politischen Verlierer hätte die Musik für Flöte und Gitarre Trost gespendet und dem Gewinner das Wohlbefinden eines harmonischen Klangerlebnisses.

Wie es auch sei: Im Schlaunschen Festsaal des Schlosses Lembeck vermittelten Susanne Wohlmacher (Flöte) und Carsten Linck (Gitarre) als „duo ascolto“ Kammermusik auf hohem Niveau.

Es begann mit Johann Sebastian Bach, dessen Flötensonate C-Dur – die Urheberschaft wird ein wenig bezweifelt und eher dem Sohn Carl Philipp Emanuel zugeordnet – einen orientierenden ersten Eindruck vermittelte. Noch erspürte man deutlich Lücken: das Tempo des ersten Satzes verwischte ein wenig die Klarheit der Sechzehntelfiguren, und das voluminöse Klangvolumen der Querflöte ließ jede historische Spielweise leider vergessen, die an die damals noch gebräuchliche Traversflöte gebunden war.

Hellhörig wurde man bei den Sonaten von Domenico Cimarosa, dem italienischen Opernkomponisten des 18. Jahrhunderts, der ähnlich wie D. Scarlatti ideenreiche Klaviersonaten geschrieben hat. In einer Bearbeitung für Flöte und Gitarre erkannte man ihre musikalisch kostbare Substanz. So entlockten Susanne Wohlmacher und Carsten Linck den überbordenden Ideenreichtum dieser Werke. Wie schön erklang der Dialog beider Instrumente zum Beispiel im zweiten Stück, oder auch die konsequente Zweistimmigkeit der dritten Sonate.

Im Flötenspiel verband die Solistin ihre makellose Technik mit einer bemerkenswerten Klangfülle ihres Tones. Dazu korrespondierte Carsten Linck höchst virtuos und feinnervig.

Weniger aufregend von der Komposition her empfand man das „Nocturne“ von Ferdinando Carulli. Zu sehr wirkte das thematische Material als etwas verbraucht.

Doch das konnte man von einer Sonate A-Dur des italienischen Gitarrenvirtuosen Mauro Giuliani nicht sagen. Das Werk forderte heraus zu weiträumiger Gestaltung. Hier entfalteten die Solisten ihr ganzes Repertoire geistreicher Interpretationskunst.

Dennoch blieb der Höhepunkt ihres Spiels einer Komposition des Argentiniers Astor Piazzolla vorbehalten. Auf dem Hintergrund südamerikanischer Tangomusik entdeckte man eine Palette musikalischer Ereignisse, die in ihrer Emotionalität und ihrer tief gestaffelten Dynamik hinreißend herausgespielt wurde.

Den langanhaltenden Beifall hatten die Solisten sehr wohl verdient, die sich mit einer Bearbeitung einer „Siziliana“ von Johann Sebastian Bach.

– Volker Wiltberger

23. Mai 2005 | Quelle: Dorstener Zeitung

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