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Kirche und Institution im Dorf

Es macht Spaß hier, sagt Pfarrer Alfred Voss über die Arbeit in seiner Gemeinde. Vor einem Jahr kam er aus Duisburg-Walsum nach Lembeck.

Lembeck. St. Laurentius ist eine der ältesten Gemeinden der Stadt, vermutlich um 1150 gegründet, und hat manche Zeitenwende erlebt. Jetzt steht wieder eine kleine bevor: Die Kirche wird ab Ende Mai für 1 Mio E gründlich renoviert. “Die Kirche bedeutet den Menschen hier ganz viel. Daher schlagen auch die Wellen hoch”, sagt Pfarrer Alfred Voss.

Die Kirche ist in Lembeck mehr als ein Gebäude in der Dorfmitte. Sie ist vielmehr lebendiger Dorfmittelpunkt. 800 bis 900 Gläubige zählt Voss in ganz normalen Sonntags-Gottesdiensten, heutzutage eine enorme Zahl. In Duisburg-Walsum (“auch eine sehr lebendige Gemeinde”) wo er bis ins vergangene Jahr tätig war, kamen sonntags 200, vielleicht 300. Auch tagsüber – die Kirche ist immer offen – kommen häufig Menschen auf ein kurzes Gebet, einen Moment Stille und Besinnung herein.

“Es gibt in Lembeck ganz ganz viele Gruppen und Vereine, eine gesunde Sozialstruktur, lebendige Traditionen”, schwärmt der Pfarrer. Tradition, das heißt in Lembeck auch: katholisch. 1935, erzählt eine Broschüre zur Kirchengeschichte, hatte der Ort 2866 Einwohner. Nicht katholisch waren davon 19. Voss: “Die Kirche hat hier hohen Stellenwert. Als Institution und als Gebäude.”

1935 war ein wichtiges Jahr für St. Laurentius. Der Umbau zur heutigen Gestalt begann. Ursprünglich war der Quergang vorm Altar das Hauptschiff. Vom Turmtor blickten die Gläubigen auf den Hochaltar, der nach alter Kirchenregel nach Osten ausgerichtet war – “damit darüber die Sonne aufgeht”. Zu klein war diese Kirche damals. Der Anbau drehte das Gotteshaus bis 1937 sozusagen um 90 Grad. Vorn und hinten wurden links und rechts. Altar und Tabernakel stehen seither im Norden.

Was Lembeck bis heute in vielen Vorhaben auszeichnet, galt auch damals schon: Der An- und Umbau wurde zum großen Teil mit Spenden bezahlt, heimische Betriebe machten die Arbeit, viele packten freiwillig mit an.

Es ist wohl nicht zuletzt dieses Engagement, das St. Laurentius zu einer reichen Kirche macht, zu einem Haus voller Schätze, für den, der hinzuschauen weiß. Ein Prunkstück ist der alte Hochaltar von 1875, neugotisch, reich verziert, fast zehn Meter hoch. Künstlerisch bedeutend die Ölbilder des Kreuzwegs von 1878. Kostbar das große Gemälde einer Kreuzigungsszene neben dem alten Altar. Mittlerweile hinter Gittern geschützt: Die Skulptur der “Heiligen Anna selbdritt” (mit Maria und Jesuskind), geschnitzt um 1500. Der alte, verwitterte Taufstein aus dem 13. Jahrhundert. Gedenk- und Grabplatten früherer Grafen-Generationen zeugen von der uralten Verbindung weltlicher und geistlicher Macht. Und die grauen Schlieren an Decken und Wänden zeugen einfach nur davon, dass die Kirche seit Jahren nicht mehr gestrichen wurde . . .

Pfingsten und Schützenfest will Alfred Voss noch abwarten, bevor die Kirche Ende Mai geschlossen und für ein halbes Jahr den Handwerkern überlassen wird. “Dann wird hier manches anders”, sagt der Pfarrer. Es bleibt nicht bei frischem Weiß für die Wände.

Die wohl wichtigste Änderung: Der Altar wird umgestaltet, weiter nach vorn gezogen, nur noch zwei Stufen hoch, rückt näher an die Gemeinde. “Christus in die Mitte”, erläutert Voss. Abgebaut wird auch das reservierte Grafengestühl links vom Altar. Die Adelsfamilie nutzt das Privileg schon seit einiger Zeit nicht mehr. Mit dem Umbau erneuert werden auch Elektrik, Beleuchtung und Heizung. Das Bronzeportal im Turm von 1968 wird ersetzt durch eine (winddichtere) Holztür. Verschwinden kann dann der schäbige Windfang im Kircheninneren. Abgebaut werden die Beichtstühle. Statt dessen erhält die Kirche ein Beichtzimmer.

Die Renovierung ist mit Kunstkommission, Denkmalschutz und Bistum abgestimmt. Altes Material, insbesondere vom Altar, soll möglichst weiter verwendet werden. Einige Fachleute hätten gern, dass die Bänke in den Seitenschiffen abgebaut werden, damit der Kreuzweg wieder frei ist. “Aber das können wir uns gar nicht erlauben”, sagt Voss. Die Gemeinde braucht den Sitzplatz für die vielen Gottesdienstbesucher. Und der Pfarrer will aufpassen, dass nichts wegkommt. Wie ein alter, prächtiger Kronleuchter, der vor Jahren verschwand. Bis heute gibt´s Gemunkel im Dorf, wo er geblieben sein soll. Aber Genaues weiß niemand.

Fest steht, dass eine der drei Laurentius-Figuren (die am Altar) umziehen wird. Ins Seniorenhaus, das ebenfalls nach dem großen und so makaber gemeuchelten Märtyrer benannt wird: Laurentius ließ sich für seinen Glauben grillen.

Die Messen – eine mehr als sonst – werden in der Umbauzeit im Pfarrheim gefeiert. Hochzeiten sollen ins Michaelis-Stift, nach Wulfen oder Deuten ausweichen. Ein halbes Jahr wird der Umbau dauern. Dann hofft Alfred Voss wieder auf eine volle Laurentius-Kirche: “Hier ist viel los. Es gibt ein gutes Miteinander. Es macht Spaß”, sagt er. “Und bei bekannten Liedern singen alle mit. Dann ist richtig Stimmung in der Kirche . . .”-Serie Die Kirche im Dorf St. Laurentius Lembeck

06.05.2005 – Quelle: WAZ / Bericht von Ludger Böhne

Weitere Infos zur Kirche – St. Laurentius Lembeck: www.lembecker.de/st.laurentius

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