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Keine Chance für schwarze Schafe

Lembeck – Die Stände sind abgebaut, die Straßen gereinigt. Am Tag nach dem Lembecker Tiermarkt erinnert fast nichts mehr daran, dass tags zuvor geschätzte 100.000 Besucher im Dorf und Gewerbegebiet unterwegs waren. Trotzdem, Rainer Tenkleve – (Foto), Vorsitzender der Lembecker Interessengemeinschaft zog ein nicht nur positives Fazit der Großveranstaltung.

rainer_tenkleveHallo, Herr Tenkleve. Haben Sie sich schon vom Stress des Wochenendes erholt”

Tenkleve: – So anstrengend war es gar nicht. Die Organisation war wieder reibungslos, da bleibt viel Ärger erspart. Und außerdem macht es uns allen ja auch viel Spaß.

Täuscht der Eindruck, oder war in diesem Jahr tatsächlich nicht so viel los”

Tenkleve: – Ich denke schon, dass die erhofften 100.000 Besucher da waren, obwohl wir ja den 1. Mai und somit einiges an Konkurrenz hatten. Aber das hat sich über den Tag sehr gut verteilt. Da hat es sich auch bezahlt gemacht, dass wir den Bonhoefferring und den Parkplatz Einhaus hinzugenommen haben.

Aufmerksame Besucher sind der Meinung, dass diesmal deutlich weniger Tierbeschicker in Lembeck waren als in den Vorjahren. Stimmt das”

Tenkleve: – Das ist leider richtig. 40 Prozent der gemeldeten Händler haben uns in der letzten Woche noch abgesagt. Schuld sind die geänderten und nochmals verschärften Vorschriften des Kreis-Veterinäramtes. Wer trotzdem nach Lembeck gekommen ist, hat angesichts der Besucherzahlen allerdings gute Geschäfte gemacht.

Wussten Sie im Vorfeld, dass das Kreis-Veterinäramt genauer hinschaut und die Unterbringung der Tiere strenger bewertet”

Tenkleve: – Natürlich war uns das klar, aber verstehen kann ich nicht, warum unser Tiermarkt als Vorreiter für ähnliche Veranstaltungen dienen muss. Es gibt im Kreis Recklinghausen die schärfsten Auflagen in ganz NRW. Da darf man sich nicht wundern, wenn die Händler sagen: Wir gehen lieber in den Kreis Coesfeld oder Borken.

Aber Tierschutz muss sein. Das sehen Sie doch auch so.

Tenkleve: – Natürlich und da achten wir auch ganz genau drauf. Aber wenn ein Hamsterkäfig ein Laufrad haben muss, obwohl die Tiere nachtaktiv sind, verstehe ich die Welt nicht mehr. Wir haben eine Tagesveranstaltung, da sind Maßstäbe wie beim zoologischen Handel völlig unangebracht.

Also verdient der Tiermarkt Lembeck eines Tages seinen Namen nicht mehr”

Tenkleve: – So weit wird es nicht kommen. Aber wir werden die Politik einschalten, damit wir in NRW eine einheitliche Regelung bekommen.

Das Gespräch mit Rainer Tenkleve führte Stefan Diebäcker

Schluss mit Streicheln

Lembeck – Willi Forsthövel ist Stammgast auf dem Lembecker Tiermarkt. Ehrensache für den Landwirt aus dem Dorstener Norden. Doch jetzt denken Forsthövel und sein Sohn Michael darüber nach, die Großveranstaltung vor ihrer Haustür künftig zu meiden.

Nach 60 Jahren auf dem Bauernhof kennt sich Willi Forsthövel aus mit Tieren. Sollte man meinen. Doch die junge Dame, die am Sonntagnachmittag plötzlich an seinem Stand auf dem Tiermarkt auftauchte, sah es anders. 30 Euro Ordnungsgeld brummte die Tierärztin des Kreisveterinäramtes Vater und Sohn auf – wegen nicht angemessener Tierhaltung.

Sicher, die beiden Lembecker hatten kein Flatterband in 50 cm Abstand zu den Käfigen gespannt. “Warum auch, es gehört doch dazu, dass die Kindern die Tiere auch mal streicheln dürfen.” Und für Rückzugsmöglichkeiten der flauschigen Vierbeiner hatten sie auch nicht gesorgt. “Dass die Tiere bei dem Wetter reichlich Wasser brauchen, ist selbstverständlich”, sagt Michael Forsthövel. “Aber was hat das mit Tierschutz zu tun, wenn sie sich bei sommerlichen Temperaturen in dunklen Kisten aufhalten sollen””

17 ihrer 20 Ziegen hatte Familie Forsthövel bis zum Besuch der Amtsärztin verkauft, außerdem 20 ihrer 40 Kaninchen. “Anschließend nicht eines mehr. Unter diesen Umständen verzichten wir künftig lieber auf den Tiermarkt.” Dass die Tierärztin “nicht mit sich reden” ließ und ihrer Meinung nach “sehr arrogant” aufgetreten ist, hat Willi und Michael Forsthövel zudem verärgert.

Auch Rainer Tenkleve, Vorsitzender der Lembecker Interessengemeinschaft, hält manche Richtlinien für “nicht praktikabel”. Einlasskontrollen für Tierhändler findet er beispielsweise übertrieben – und ungerecht. “Ich halte eine Einrichtung wie das Kreis-Veterinärsamt für wichtig, aber es muss eine vernünftige Lösung für eintägige Veranstaltungen her. Ansonsten haben wir eine Ungleichbehandlung zu anderen Märkten in NRW.”

Ein Gutes haben die strengen Richtlinien im Kreis Recklinghausen vielleicht aber doch. Wer in Lembeck ein Tier kauft, kann ziemlich sicher sein, dass es sich in gutem Zustand befindet. Schwarze Schafe gibt es zwar überall, aber Proteste von Tierschützern sind nach LIG-Angaben am Sonntag nicht bekannt geworden.

02. Mai 2005 | Quelle: Dorstener Zeitung / Foto: Lembecker.de (F.L.)

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