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Das Ende der Idylle? – Schon wieder Zoff um Mc Donalds + Tankstelle

Lembeck – Mehr Verkehr, mehr Lärm, mehr Müll. Dazu der mit 60 Metern zweithöchste Pylon Deutschlands. Nachbarn des Gewerbegebietes am Endelner Feld reagierten gestern geschockt auf die Nachricht, dass im nächsten Jahr einige hundert Meter von ihren Haustüren entfernt eine Tankstelle und eine McDonald´s-Filiale eröffnen.

Bürgermeister Lambert Lütkenhorst sowie Jürgen Bendisch und Alfred Weiß von der Wirtschaftsförderungsgesellschaft WinDor versuchten am Vormittag einigermaßen vergeblich, die Skeptiker zu beruhigen. Da nutzten auch die Hinweise wenig, dass die Baugenehmigung in enger Abstimmung mit dem Staatlichen Umweltamt in Herten erfolgt sei und die gesetzlichen Emissions-Grenzwerte “bei weitem unterschritten” werden. Dass von den “Frequenzbringern” Avia und McDonald´s auch die anderen Firmen im Gewerbegebiet profitieren werden, dass neue Arbeitsplätze geschaffen werden, dass die Tankstelle maximal ein Drittel der Fläche einnimmt, die einstmals für einen Autohof vorgesehen war und zudem auch keine Parkplätze haben wird – die Anwohner haben offenbar ganz andere Sorgen.

Beispiel Britta Kloss: “Schon jetzt stapelt sich der Müll am Michaelisweg, weil Jugendliche ihre Abfälle einfach ins Landschaftsschutzgebiet werfen”, klagt die Lembeckerin. “Wie soll das werden, wenn hier erst McDonald´s eröffnet hat? Oder Heinz Grave: “Mit Argusaugen” will er im nächsten Jahr beobachten, wie sich die Situation am Gewerbegebiet entwickelt, denn: “Wir sind schon einmal belogen worden, als es um die Belastungen durch den Autobahnlärm ging.” Renate Oendorf muss schon jetzt allabendlich ihre Rolladen herunterlassen, um nicht von der Firmen-Beleuchtung gestört zu werden. “Doch wenn nächstes Jahr die Tankstelle rund um die Uhr geöffnet hat, ist es auch mit der Ruhe vorbei. Und ich bin schließlich auch berufstätig und brauche meinen Schlaf.”

Während Bürgermeister und WinDor (“Es gibt keine Alternative zu dem Standort”) froh über die Millioneninvestitionen sind und nun hoffen, dass auch die letzten beiden freien Grundstücke im Gewerbegebiet alsbald vermarktet werden können, überlegen Lembecker und Rhader Bürger offenbar, erneut einen Anwalt einzuschalten. So erhielten sie wenigstens Einblick in das Genehmigungsverfahren. Man weiß ja nie, wozu das gut ist.

26. Oktober 2004 | Quelle: Dorstener Zeitung (Stefan Diebäcker)

WAZ-Bericht:

McDonald´s und Avia investieren in Lembeck
Lembeck. Auf wenig Gegenliebe bei Anwohnern stößt die Ankündigung, dass im Gewerbegebiet Endelner Feld an der A 31-Ausfahrt eine Avia-Tankstelle und ein McDonald´s-Imbiss gebaut werden. Und: Seit gestern wird die gefährliche Kreuzung Lembecker Straße, A 31 und Gewerbegebiet durch einen Kreisverkehr entschärft.

Die Otto Fricke & Co GmbH aus Gütersloh baut ab Anfang des Jahres für 2 Mio E eine “ganz normale Tankstelle”, berichteten Bürgermeister Lambert Lütkenhorst sowie Alfred Weiß und Jürgen Bendisch von der Wirtschaftsförderung WinDor gestern. Gegenüber dem lange umstrittenen und gescheiterten Autohof (bis zu 14 000 m2 groß) misst die Tankstelle nur 2400 m2 und wird keine Parkplätze ausweisen, auf denen Lastwagen über Nacht bleiben können. Der Pächter hat die Möglichkeit, rund um die Uhr zu öffnen. Eine Waschhalle darf bis 22 Uhr betrieben werden.

Die Verträge mit Buletten-Bräter McDonald´s, der direkt neben der Tankstelle baut und im Frühjahr 2005 eröffnen will, waren schon lange besiegelt. “Das ist keine neue Idee”, bekräftige Bürgermeister Lütkenhorst. Vor den Sommerferien wurden beide Verträge wasserdicht gemacht.

Um Autobahn-Fahrer werben wollen die beiden Unternehmen mit einem 60 Meter hohen Mast (“Pylon”), angeblich der zweitgrößte in Deutschland. Nur in Bayern soll es an einer Autobahn einen noch 30 Zentimeter höheren Werbemast geben.

Wirtschaftsförderer Weiß betonte, alle notwendigen Untersuchungen – auch zum Lärmschutz – seien gemacht und mit dem Staatlichen Umweltamt Herten abgestimmt worden, alle Baugenehmigungen seien bereits erteilt. Der Bebauungsplan sei bereits in der Autohof-Debatte durch eine (schließlich abgewiesene) Normenkontrollklage überprüft worden.

Die beiden Unternehmen versprechen sich offenbar viel von der durchgehenden Fertigstellung der A 31 (“Ostfriesenspieß”). Am 19. Dezember soll das letzte Teilstück im Emsland freigegeben werden. Erste vorsichtige Prognosen gehen davon aus, dass der Verkehr von jetzt 38 000 Fahrzeugen täglich um 15 % zunimmt.

Noch vor diesem Termin soll der Kreisverkehr (Durchmesser: 38 Meter) an der Lembecker Straße fertig gestellt sein. Auf der Kreuzung habe es schwere Unfälle gegeben, betont Jürgen Bendisch. “Wir müssen den Verkehr hier einbremsen. Mit Tempo 80 oder 90 durchbrettern – das geht dann nicht mehr.” Gebaut wird in sechs Teilabschnitten, teilweise auch nachts. Die Kosten für den lang geplanten Kreisverkehr betragen gut 250 000 E und sind Teil der Preiskalkulation für die Grundstücke.

Info Gewerbegebiet:
Neun Grundstücke sind an Betriebe vergeben und teils schon bebaut; ein Grundtück ist an RWW verkauft – für einen neuen Betriebshof, allerdings wird auch eine Vermarktung überlegt. Für ein weiteres Grundstück am Wendehammer gibt es Interessenten. Zwei Flächen sind noch frei.

Lärm im grünen Bereich

Lembeck. Anwohner, von der Avia- und Mc Donald´s-Nachricht überrascht, ließen gestern bei der Vorstellung der Pläne Dampf ab. “Das machen Sie doch nur, weil das Gewerbegebiet voll werden soll”, sagt einer – dabei sei den Bürgern ein Gewerbegebiet für heimische Betriebe versprochen worden: “Eine Fehlplanung.” Die Wirtschaftsförderer Weiß und Bendisch betonen dagegen, es ginge um Arbeitsplätze und Folgenutzungen. Weiß: “Es geht auch um ein Signal.”

Dass sich der entstehende Lärm mit den Vorschriften verträgt, bezweifeln die Anwohner. Doch Bürgermeister Lütkenhorst bekräftigt: “Wir sind beim Lärm im grünen Bereich.” Eine Anwohnerin darauf: “Ich lad´ Sie im Sommer mal einen Tag auf unser Grundstück ein.”

Sorgen machen sich die Nachbarn auch um weithin verstreuten Imbiss-Müll, um laute Jugendtreffs rund um Mc Donald´s, um rasende Motorräder an Wochenenden und Blechlawinen von Ausflüglern. Eine Anwohnerin: “Das Michaelis-Kloster überlegt jetzt schon, einen Zaun ums Grundstück zu ziehen.” Immerhin: Der Beschwerde, die Autobahn sei zu laut und der Lärmschutz womöglich grundsätzlich nicht ausreichend, soll nachgegangen werden. Alfred Weiß: “Es ist in der Tat so, dass hier ein Lärmtrichter entsteht.”

Bei dem aufgeregten Gespräch gestern auf demLembecker Park+Ride-Platz zwischen Bürgern und Stadtspitze wird es wohl nicht bleiben. “Unsere Skepsis ist seit dem Autohof geblieben. Wir werden mit Argusaugen verfolgen, was hier passiert”, so ein Nachbar. Eine andere: “Wir müssen uns jetzt irgendwas einfallen lassen.” LuB.

Quelle: WAZ 26.10.2004

Anmerkung von Lembecker.de: Auch die WAZ-Berichte haben wir hier ortstechnisch von Rhade auf Lembeck korrigiert.

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